Die Vespa hat viele Bewunderer. Das liegt nicht nur daran, dass der Roller äußerst sparsam und leicht zu fahren ist. Sondern es liegt vor allem am Lebensgefühl, das der Roller verbreitet. Robert (57) ist Vespisto aus Leidenschaft. Er ist ein stolzer Besitzer einer weißen Vespa Sprint, die er hegt und pflegt. „So ein schöner Roller, mit dem ich mir beim Fahren auch die Gegend anschauen und genießen kann, ist mir lieber als ein Harley Davidson Motorrad oder gar ein Auto, bei denen es nur um die Geschwindigkeit geht. Im Sommer bin ich nur mit der Vespa unterwegs!“

Die Vespa – ein besonderer Motorroller

Ähnlich der Faszination um Harley Davidson Motorräder haben auch die Vespa Motorroller viele Fans und Liebhaber. Das hat zwei Gründe: Zum einen ist die Vespa ein Motorroller, an dem man mit ein bisschen Hintergrundwissen selbst herumschrauben kann. Schließlich wurde sie auch direkt nach dem zweiten Weltkrieg als einfach zu handhabendes Gefährt konstruiert. Das Restaurieren und wieder Instand setzen von alten Maschinen ist heute für viele zum Hobby geworden, kann aber auch sehr lukrativ sein. Denn gerade die originalen Maschinen aus den 60er Jahren sind heiß begehrt. Findige Bastler können mit dem Instandsetzen ganz gut verdienen. Aber auch für den Eigengebrauch werden viele Vespas von Liebhabern in den Originalzustand versetzt, die dann auf Clubtreffen mit anderen stolzen Besitzern alter Vespas zusammentreffen. Denn natürlich hat die Vespa auch eine ganz andere Faszination, die weit über das Zählbare hinausgeht. Vor allem die alten Maschinen verbreiten ein italienisches Lebensgefühl, das maßgeblich in den 50er und 60er Jahren des letzten Jahrhunderts geprägt wurde. Denn in Zeiten des Wirtschaftswunders wurden Urlaube an der Adria oder der Riviera wieder erschwinglich. Dort konnte man das Leben in vollen Zügen genießen, am Meer flanieren, Eis essen, neue, lebenslustige Menschen kennenlernen. So kam die Vespa zu ihrem Ruf und erinnert an unbeschwerte Ferien, Sommer, Freiheit und La Dolce Vita.

Ausfahren mit der Vespa - und mehr!

Zum Vespisto zu werden ist in Deutschland nicht schwer. In großen Städten, aber auch in den hintersten Winkeln, sind in den letzten 50 Jahren Vereine aus dem Boden geschossen, die sich um Roller im Allgemeinen oder um die Vespa im Speziellen drehen. Auch die Aktivitäten, die man mit seiner Vespa erleben kann, haben zugenommen. Denn die Vespisti lieben das gemeinsame Ausfahren. So auch Robert, der sich seine regelmäßigen Touren mit seinen Vespa Freunden nicht entgehen lässt. Denn gemeinsames „abrollern“, also Ausfahrten auf einer Vespa, „das ist viel schöner als alleine die Welt zu bereisen. Letztes Jahr sind wir tatsächlich nach Italien gefahren, mit schönen Zwischenstopps, meine Frau war auch dabei. Italienischer geht es nicht“, freut sich der 57-Jährige. Fast jeder Vespaclub veranstaltet solche gemeinsamen Ausfahrten. Sogar richtige Wettbewerbe und Turniere gibt es. Bei sogenannten Zielfahrten sind Vereine aus ganz Deutschland oder dem Ausland eingeladen, sich beim Gastgeber zu treffen. Dort angekommen, werden diejenigen belohnt, die die weiteste Anfahrt hatten oder die gemeinsam im Verein die meisten Kilometer vorweisen können.

Aber auch richtige Rennen werden ausgetragen, bei denen sich der Vespisto mit seinem Gefährt durch einen Parcours schlängeln oder auf Zeit eine kurze Strecke abfahren muss. Sogar Akrobaten gibt es unter den Vespafreunden, beispielsweise die „Vespa Oldtimer Freunde München“. Ganz in traditionelle Kleidung gehüllt, führen sie vor, wie fünf oder sechs Fahrer akrobatisch auf zwei Vespas mitfahren können. Selbst Sprünge durch Feuer haben die „Vespa Oldtimer Freunde München“ im Repertoire und sorgen damit auf vielen Veranstaltungen für Staunen unter Groß und Klein.

Um die Faszination Vespa zu erleben, muss man aber nicht gleich zum Akrobaten werden. Denn bei einer Ausfahrt in die Alpen oder beim „abrollern“ durch deutsche Landschaften kann jeder mitmachen, der die Freiheit auf zwei Rädern liebt. Nicht rasen, sondern gemütlich durch die Gegend zu fahren, das ist die Prämisse von Vespa Fahrern. Auch wenn die Faszination Vespa in der Mitte des letzten Jahrhunderts ihren Anfang genommen hat, ist dieser kleine niedliche Motorroller mit italienischem Flair auch heute noch fest im Herzen vieler Rollerfreunde verankert.

Und übrigens: Wer der Ansicht ist, dass das entspannte "Dahinrollern" auf der Vespa zu wenig Action bietet und Motorräder wiederum zu schnell sind, der findet eventuell mit ATVs und Quads eine attraktive Alternative. Diese ungewöhnlichen Fahrzeuge bieten extremen Spaß auf der Straße oder im Gelände. Daher ist es auch nicht verwunderlich, das die Zahl der ATV-Fans ständig im Steigen begriffen ist.

Autorin: Julia Heilig, Platinnetz-Redaktion