Der Name verrät es nur noch ansatzweise: Die Kirmes hat ihren Ursprung in dem Vorgang einer Kirchenmesse – also in der Weihe einer christlichen Kirche. Als die Menschen im Mittelalter das frisch geweihte Gotteshaus verließen, konnten sie auf dem Marktplatz bei unzählig angereisten Händlern Waren aus dem ganzen Land erstehen. Denn die hatten sich das religiöse Fest zum Anlass genommen, um eine derartig große Menschenansammlung zu ihren Gunsten zu nutzen. Eine Kirmes war im Mittelalter eine Mischung aus christlichem Festtag und weltlichem Einkaufserlebnis.

Kirmes heute – Zwischen Tradition und Spaß

Der religiöse Hintergrund spielt heute eigentlich keine Rolle mehr, aber gerade in ländlichen Gebieten haben sich unterschiedliche Begriffe erhalten, die an den Ursprung der Kirchweihe erinnern. So gehen die Schwaben auf den Kirwei-Markt, in Hessen freut man sich auf die Kirb und in Sachsen kennt man das Volksfest auch unter den Namen Kirmse. Dass die Kirmes viel Tradition hat, kann man noch auf kleineren Volksfesten spüren. Vielerorts haben sich Bräuche gehalten, die sich aber von Region zu Region deutlich unterscheiden. Kirchweih-Lieder, Festumzüge oder Tänze in Landestracht gehören mit dazu, wenn auf dem Land eine Kirmes stattfindet.

Und auch der Marktgedanke hat sich bis heute erhalten. Häufig gibt es auf einer Kirmes einen Krämermarkt, und landwirtschaftliche Erzeugnisse, aber auch Spielwaren, Süßigkeiten oder Kleidung werden angeboten. Doch das neue Gesicht einer Kirmes ist eindeutig die Unterhaltung geworden. Bierzelte und Fahrgeschäfte locken die Besucher, und mit seinen bunten Lichtern und stimmungsvoller Musik ist ein Volksfest immer ein ganz besonderes Erlebnis für Jung und Alt. Gerade im Herbst gibt es überall in Deutschland kleinere und größere Volksfeste, die immer einen Besuch wert sind – egal ob man im Bierzelt nach Geselligkeit sucht, oder eher für Riesenrad, Geisterbahn und Co. zu begeistern ist.

Kirmes der Superlative

Die meisten Besucher, die größte Fläche oder die längste Tradition. Die Volksfeste stehen in Konkurrenz zueinander und wollen natürlich auch in den Statistiken ganz oben stehen. Genaue Zahlen gibt es zwar nicht, aber wer die folgenden Volksfeste besucht, ist auf jeden Fall auf einer besonderen Kirmes gelandet.

Das Münchner Oktoberfest, oder die Wiesn, ist die weltweit bekannteste Kirmes. Jährlich kommen ungefähr sechs Millionen Besucher nach München und das nicht nur aus Deutschland. Menschen aus aller Welt, von China bis zu den USA, sind begeisterte Fans der Kirmes, auf der bayrische Traditionen wie Dirndl und die berühmte Maß Bier eine unglaubliche Anziehungskraft haben.

Der Cannstatter Wasen ist das Volksfest mit der größten Ausstellungsfläche. Wer auf die Kirmes im Stuttgarter Osten kommt, hat die breiteste Auswahl an Fahrgeschäften und anderen Buden, die sich auf ungefähr 420.000 Quadratmetern erstrecken. Eingerahmt wird der Cannstatter Wasen gleich von zwei Riesenrädern, die einen grandiosen Überblick über das bunte Treiben bieten.

Die Cranger Kirmes ist zwar nicht so berühmt wie die beiden Volksfeste aus Süddeutschland, aber sie kann dafür mit der Historie punkten. Denn die Kirmes im nordrhein-westfälischen Herne feiert im nächsten Jahr bereits ihr 575-jähriges Jubiläum! Ein Festzug und das traditionelle Höhenfeuerwerk zählen zu den Höhepunkten der vielbesuchten Cranger Kirmes.

Tipps für Ihren Besuch auf der Kirmes

Wer gerne auf eine große Kirmes geht, der sollte sich bewusst sein, dass dort unzählige Menschenmassen durch die Gassen ziehen. Wer Gedränge nicht allzu sehr mag, sollte sich besser gezielt einen ruhigeren Tag für den Volksfestbesuch auswählen. An Familientagen sollten beispielsweise auch eher Familien auf die Kirmes gehen, denn besondere Angebote locken die Kleinen. Da Familientage häufig auf einen Tag unter der Woche gelegt werden, sind dann weniger feierwillige Erwachsene anzutreffen und die Umgebung ist kinderfreundlicher. Wer ohne Kinder unterwegs ist, dem kann es an Familientagen dagegen schnell zuviel werden. Und auch parallel stattfindende Veranstaltungen sollte man beim Kirmesbesuch auf der Rechnung haben. Wenn beispielsweise in Stuttgart im direkt angrenzenden Stadion Fußball gespielt wird, kann man sich sicher sein, dass nach Abpfiff zehntausende Besucher auf den benachbarten Wasen strömen.

Generell gilt: Auf einer überlaufenen Kirmes wird der Spaßfaktor schnell zur reinen Nervensache. Und die Gefahr, Taschendieben zum Opfer zu fallen, steigt auf vielbesuchten Volksfesten ebenfalls an. Daher bieten sich eher Besuchertermine unter der Woche an, dann steht dem stressfreien Vergnügen nichts mehr im Wege.

Autorin: Julia Heilig, Platinnetz-Redaktion