Auch wer keine Ausbildung zum Lehrer gemacht hat, kann an der Volkshochschule selbst Kurse leiten. Dennoch sind einige Anforderungen zu erfüllen.

Was muss ich können, um einen VHS Kurs zu leiten?

Die wichtigste Voraussetzung ist, dass Sie genug Expertenwissen haben, um einen Kurs damit zu füllen, beispielsweise wenn sie eine seltene Sprache perfekt beherrschen oder ein Fachmann am Computer sind. Oder gibt es einen handwerklichen Bereich, in dem Sie ihr Wissen weitergeben können? Sabine (63) hat ein kreatives Hobby, in ihrer Freizeit schöpft sie gerne selbst Papier. "Ich habe ein Bastelgeschäft und da ich immer auf der Suche nach ungewöhnlichen Bastelmaterialien bin, kam ich irgendwann zum Papierschöpfen." Für ihr Hobby hat sie sich nach und nach die Ausrüstung wie spezielle Papierschöpfrahmen zusammengekauft. Die Materialien kommen jetzt auch an der Volkshochschule zum Einsatz. Seit fünf Jahren gibt sie jeweils zwei Papierschöpfkurse an ihrer VHS, einmal für Kinder und einmal für Erwachsene.

Wer einen Kurs geben will, braucht allerdings mehr als nur Expertenwissen. Man sollte offen auf Menschen zugehen können und auch das Durchsetzungsvermögen besitzen, das man braucht, um einen Kurs zu leiten. Die Fähigkeit etwas gut erklären zu können, ist ebenfalls von Vorteil, aber es hängt von der Art des Kurses ab, den Sie geben wollen, wie wichtig diese Fähigkeit ist. Wer Sprachen unterrichten will, sollte schon Erfahrungen als Lehrer besitzen, bei einem Computerkurs wären didaktische Fähigkeiten von Vorteil aber nicht notwendig, bei einem Kochkurs zur Asiatischen Küche zählt dagegen eher umfassende Erfahrung am Herd.

Wie mache ich die VHS auf mich aufmerksam?

Wer sich vorstellen kann, selbst einen Kurs an der VHS zu geben, sollte sich gut vorbereiten, bevor er die Volkshochschule kontaktiert. Zunächst ist es hilfreich, in das aktuelle Kursprogramm zu blicken um herauszufinden, ob überhaupt Bedarf besteht. Wenn es schon viele Angebote in Ihrem Bereich gibt, versuchen Sie die Lücke herauszufinden. Gibt es beispielsweise unzählige Englischkurse, aber für Kinder ist kein einziges Angebot dabei? Dann kommen Sie der VHS bestimmt wie gerufen.

Anhand des Programms können Sie dann ein Unterrichts-Konzept aufstellen. Soll der Kurs über viele Wochen gehen oder über ein Wochenende? Was wollen Sie den Teilnehmern beibringen? Brauchen Sie Materialien oder Bücher, sind spezielle technische Geräte notwendig? Wenn die Rahmenbedingungen stehen, ist die Zeit reif, sich mit der VHS in Kontakt zu setzen. Natürlich kann man auch vorher schon nachfragen, ob Bedarf besteht, vielleicht wird Ihnen dort auch bei der Ausarbeitung des Konzepts geholfen. Der beste Ansprechpartner ist der jeweilige Bereichsleiter der Abteilung, in der Sie Ihren Kurs anbieten wollen.

Manche Volkshochschulen suchen sogar gezielt nach Kursleitern. Zum Beispiel auf den Internetseiten der meisten bayerischen Volkshochschulen kann man sich nicht nur Kurse wünschen, sondern auch direkt anmelden, wenn man Interesse hat, einen Kurs zu leiten.

Achten Sie außerdem auf die verschiedenen Standorte. Die Volkshochschulen in Deutschland werden lokal verwaltet und auch kleine Städte haben eine eigene VHS. In kleinen Orten werden eher Dozenten benötigt als in der Großstadt, wo meist ein Überangebot herrscht. Wer in der Stadt wohnt ist daher besser beraten, auf eine VHS im erweiterten Einzugsgebiet auszuweichen. Gerade in einer kleineren VHS hat man als Neueinsteiger gute Chancen, einen Kurs anzubieten. Doch egal ob große oder kleine VHS – kreative Ideen sind immer gefragt.

Verdienstmöglichkeiten bei der VHS

Natürlich wird man als Kursleiter nicht reich, nur wenige unterrichten hauptberuflich bei der VHS. Denn als Kursleiter ist man Honorarkraft und die Bezahlung setzt sich aus den Unterrichtsgebühren zusammen. Diese Kursgebühr wird in Absprache mit der VHS festgelegt. Außerdem muss mit der VHS geklärt werden, welche Kosten von der Schule übernommen werden, beispielsweise für Kopien oder Unterrichtsmaterialien. Der Verdienst kann also stark schwanken, da er von den Kursgebühren und der Teilnehmerzahl abhängt. Als Lebensgrundlage kann der Verdienst nur in den seltensten Fällen dienen.

Kurse selbst leiten soll daher vor allem Spaß machen. Für Sabine ist es zu einem Hobby geworden. "Da ich sowieso immer wieder Papier schöpfe, kann ich das auch gleich in meinen Kursen tun. Wenn ich mein Wissen dabei mit anderen Bastlern teilen kann und wir zusammen einen schönen Nachmittag haben, macht mir das umso mehr Spaß". Wer sich also dafür entscheidet, selbst einen Kurs zu leiten, kann sein Wissen und Können mit Anderen teilen und nebenher ein bisschen Geld dazu verdienen.

Autorin: Julia Heilig, Platinnetz-Redaktion

Datum: 07. Oktober 2009