In den letzten Jahren haben die Baggerseen wieder einen regen Zulauf erfahren. Ihre Umgebung wurde mit Kiosks, Duschen und WCs aufgerüstet, so dass sie in vielen Fragen des Komforts nicht mehr hinter dem Freibad zurückstehen. Dafür sind oft auch die Preise für das Schwimmvergnügen in freier Natur gestiegen und erreichen fast Freibad-Niveau. In diesen Kategorien lassen sich Unterschiede also nur noch schwer feststellen. In anderen Bereichen unterscheiden sich die zwei Freizeitvergnügen aber grundlegend:

Schwimmen statt Action

Der Baggersee ist dem Freibad gegenüber im Vorteil, was die Ruhe beim Schwimmen angeht. Wer im Freibad gerne seine Bahnen zieht, wird es kennen: Vom Rand springende Kinder. Je nach Wetterlage, Wochentag und Uhrzeit kann es im Freibad sehr voll werden. Die Schwimmer haben sowieso schon wenig Platz und müssen beim Schwimmen ständig darauf achten, dass ihnen niemand ins Kreuz springt - richtig lästig! Während es für Kinder im Schwimmbad Springtürme, Rutschen und Wellenbäder gibt, kommen die Schwimmer oft zu kurz. In einem großen Baggersee verläuft es sich auch an volleren Tagen besser, und Sie können den planschenden Kinder leichter aus dem Weg gehen. Je nach Baggersee wird es natürlich mit dem Schwimmen von "Bahnen" schwierig. Vor allem, wenn Sie sonst eine bestimmte Anzahl von Bahnen pro Freibadbesuch zurücklegen, müssen Sie sich im Baggersee umorientieren. Eine Alternative ist dabei natürlich immer, sich nicht an der zurückgelegten Strecke, sondern an der Schwimm-Zeit zu orientieren.

Nach dem Schwimmen - die Liegewiese

Auch was die Ruhe während der Schwimmpausen angeht, hat der Baggersee ein deutliches Plus. Die Liegewiesen sind rund um den Baggersee meistens großflächiger als im Freibad. Während man im Bad oft wie die Ölsardinen Handtuch an Handtuch mit Fremden liegt, gibt es in der freien Natur mehr Rückzugsmöglichkeiten. Wenn Sie zum Beispiel in Ruhe ein Buch lesen möchten oder einfach in der Sonne dösen wollen, werden Sie am Baggersee in der Regel weniger lauten Störungen ausgesetzt sein.

Natur oder Komfort

In dieser Kategorie kommt es ganz auf Ihren persönlichen Geschmack an, ob das Freibad oder der Baggersee im Vergleich die Nase vorne hat. Das Plus für den See: Die freie Natur mit Wiese, Bäumen und frischer Luft ist nicht nur schön anzuschauen, sondern macht auch das Entspannen leichter. Ein Tag am Baggersee fühlt sich schon eher nach Urlaub an, als der Besuch eines gekachelten und betonierten Schwimmbades. Das Wasser ist chlorfrei und deshalb besser für Haut, Haare und Augen. Auf der anderen Seite empfinden viele Menschen das natürliche Wasser im Baggersee als dreckig. Es werden zwar regelmäßige Wasserproben genommen, jedoch teilen Sie sich den See nicht nur mit menschlichen Schwimmern, sondern auch mit Enten, kleinen Fischen und Algen. Außerdem darf es Sie nicht stören, dass Sie den Boden beim Schwimmen nicht sehen können. Viele Menschen haben ein mulmiges Gefühl, wenn sie nicht sehen, was sich im Wasser unter ihnen befindet. Wenn Sie zu diesem Kreis dazugehören, könnte das Schwimmen im See für Sie zur Mutprobe werden. Ein weiteres Manko ist je nach Baggersee die Beschaffenheit des Untergrundes. Bis Sie erst einmal das tiefere Wasser erreicht haben, sind Sie unter Umständen bereits schmerzhaft auf jede Menge spitze Steine getreten.

Anreise

Auch was die Anreise angeht, lässt sich kein pauschales Urteil fällen. Allerdings ist es in den meisten Fällen so, dass der Baggersee außerhalb der Stadt oder Ortschaft liegt, während die Freibäder eher in zentraler Lage zu finden sind. Es gibt insgesamt viele Erlebnisbäder in Deutschland. Falls Sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen, ist die Fahrt ins Freibad in der Regel kürzer und schneller zu bewältigen als die zum Baggersee. Je nachdem wie weit die Entfernung zum nächstgelegenen See ist, entfällt für Sie vielleicht sogar die Möglichkeit, mit dem Fahrrad zum Schwimmen zu fahren.

Der Baggersee besticht also durch Idylle und Ruhe, während das Freibad mehr Komfort und Praktikabilität zu bieten hat. Je nachdem, wie Sie Ihre Prioritäten setzen, hat mal die eine oder andere Badeanstalt die Nase vorn. Mit dem echten Strand-Feeling können wohl beide nicht mithalten, aber gute Ergänzungen zum Urlaub auf Balkonien sind sie allemal.

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion