Im Mittelpunkt steht dabei der Spaß am Auftritt. Denn als Laiendarsteller braucht man keine schauspielerische Ausbildung. Wer schon einmal in der Schule oder bei einem privaten Fest etwas vor Publikum vorgetragen hat, weiß, wie er mit der Situation auf der Bühne klar kommt. Aber selbst wer es noch nie versucht hat, könnte großen Spaß daran haben, in andere Rollen zu schlüpfen. Wie wäre es mit Jim Knopf? Graf Dracula? Oder doch lieber Romeo?

Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt, man kann sich in den verschiedensten Rollen ausprobieren und in einer neuen Rolle aufgehen. So geht es zum Beispiel Manfred (54). Die Begeisterung für die Schauspielerei ist für ihn der Grund, wieso er bei der Theatergruppe für Laien in seinem Stadtteil mitmacht. In zwei bis drei Stücken pro Jahr macht Manfred mit, und er spielt vor allem die größeren Rollen. "Auf der Bühne fühle ich mich pudelwohl" gibt er zu. "Die Aufmerksamkeit der Zuschauer genieße ich". Da er und viele anderen Mitspieler berufstätig sind, treffen sich die Theaterfreunde meistens am Abend.

Jutta ist dagegen schon seit einigen Jahren im Ruhestand, seitdem engagiert sie sich stark für "ihr" Theater. Die 68-jährige ist vor allem hinter den Kulissen tätig und kümmert sich um den Kartenverkauf oder die Organisation der Proben. Sie schätzt die Gemeinschaft in der kleinen Gruppe: "Ich habe hier viele liebe Freunde gefunden." Hin und wieder steht sie selbst in kleinen Rollen auf der Bühne. Sie mag am liebsten die komödiantischen Stücke. Wenn das Publikum lacht, ist sie in ihrem Element. Bei ihr kam die Begeisterung für das Theater allerdings erst spät. Als sie ihre Tochter, ebenfalls bei der Laientruppe mit dabei, zu Schulaufführungen begleitete, hat sie ihre Leidenschaft fürs Theatermachen entdeckt.

Wenn eine ganze Gemeinde Theater spielt

Den Bewohnern von Oberammergau wurde das Schauspielern dagegen in die Wiege gelegt. Trotzdem sind sie keine professionellen Schauspieler geworden und gehen an den meisten Tagen im Jahr ganz normalen Berufen nach. Aber immer wenn die Passionsspiele anstehen werden sie alle zu Bühnenkünstlern. Ungefähr 2500 Laiendarsteller spielen bei den Passionsspielen mit, die alle zehn Jahre auf die große Bühne gebracht werden. Das ist seit dem 17. Jahrhundert Tradition in dem kleinen Ort. Und die Darsteller bringen sich mit ihrem ganzen Körper ein. Die Männer im Dorf müssen sich beispielsweise dem "Haar- und Barterlass" unterwerfen und monatelang ihre Bärte wachsen lassen, bis feststeht, welche Rolle sie letztendlich spielen werden. Falls es die Rolle verlangt, wuchern die Bärte weiter. Das ist wahre Hingabe!

Theater als willkommene Abwechslung im Alltag

Auch Manfred würde es reizen, bei einer riesigen Produktion wie den Oberammergauer Passionsspielen mitzumachen. Schließlich kamen zuletzt eine halbe Million Zuschauer aus aller Welt. Dafür müsste er allerdings in die 5000 Seelen-Gemeinde in Oberbayern ziehen. Denn nur wer mindestens 20 Jahre in Oberammergau wohnt oder dort geboren wurde, darf mitspielen. Strenge Regeln, selbst bei der Besetzung der kleinsten Nebenrollen. Manfred ist aber auch glücklich mit seiner Rolle in seinem kleinen Theater. "Nervös bin ich schon, wenn ich hinter der Bühne auf meinen Auftritt warte", gesteht er. "Aber es ist eine fröhliche Aufregung, ich freue mich eigentlich das ganze Jahr darauf, dass ich bald wieder auf der Bühne stehen darf." Für den Laiendarsteller ist das Theater eine willkommene Abwechslung zum Arbeitsleben. Im "wahren Leben" arbeitet er in der Gemeindeverwaltung. So kann Theater spielen für einen abwechslungsreichen Alltag sorgen und etwa nach einem langen Tag im Büro ein ganz anderes Lebensgefühl verschaffen.

Wer sich ein außergewöhnliches Hobby zulegen will, und sich Auftritte vor Publikum vorstellen kann, dem könnte es Spaß machen, selbst Theater zu spielen. In vielen Gemeinden gibt es Vereine für Laiendarsteller, aber auch Institutionen wie die Volkshochschule oder das örtliche Theater bieten häufig Möglichkeiten für Laien, selbst beim Theater mitzumachen. In größeren Städten gibt es sogar manchmal eigene Theaterhäuser für Laien, bei denen es jede Menge Arbeit vor und hinter dem großen Vorhang zu tun gibt.

Autorin: Julia Heilig, Platinnetz-Redaktion