Dann einige Telefonate für die örtliche Kirchengemeinde führen, um zwei Uhr den Enkelsohn aus der Schule abholen – die Liste ließe sich noch bis zum Ende ihres Tages so fortsetzen. Den beschließt sie auch gerne mal mit einem Gläschen Rotwein. Ließe man Hildegards Geburtsjahr außer Acht, wäre das alles nicht weiter erwähnenswert. „1930“, sagt sie, „bin ich in Berlin geboren, und im März feiere ich meinen 79. Geburtstag“. Ihre blauen Augen funkeln, verraten einen Anflug von Stolz.

„Meine Freunde und Bekannten sind mein Jungbrunnen“

Auf Außenstehende hinterlässt Hildegard einen dermaßen vitalen Eindruck, dass sich die Frage nach ihrem „Geheimrezept“ förmlich aufdrängt. „Meine Freunde, Bekannten und Verwandten sind mein persönlicher Jungbrunnen. Für mich gibt es nicht Schöneres, als mit meinem Enkel zu spielen, mit den Nachbarn zu plauschen oder im Rahmen meiner kirchlichen Tätigkeit immer wieder neue Menschen kennen zu lernen“. Ihre Einschätzung deckt sich mit diversen wissenschaftlichen Studien zu den Effekten regelmäßiger sozialer Kontakte. Ein reger sozialer Austausch und ausgiebige Kommunikation, so die Ergebnisse, sind ein ganzheitliches Workout für Körper, Geist und Seele. Kontaktstarke Menschen in der Mitte des Lebens verfügen über ein stärkeres Immunsystem, sind zufriedener und schneiden bei Gedächtnis-Tests deutlich besser ab als Gleichaltrige, die eher wenige soziale Kontakte pflegen.

Freunde machen zufrieden

Der Mensch ist und bleibt nun mal ein soziales Wesen. Und wahres Glück erreicht er, indem er sich mit seiner Umwelt austauschen und seine eigenen Erfahrungen teilen kann. Wenn Sie sich also selbst etwas Gutes tun wollen, werden Sie aktiv! Schließen Sie sich einem Sportverein an, besuchen Sie mal wieder Ihre Verwandten oder engagieren Sie sich bei einer gemeinnützigen Tätigkeit. Es gibt so viele Möglichkeiten, um mal wieder unter Leute zu kommen. Um aktiv, geistig fit und beweglich zu bleiben, gibt es kaum eine bessere Möglichkeit. Zugegeben: Gemütliche Fernsehabende und gute Romane sind auch was Feines, nur sollte man diese Gemütlichkeit nicht überstrapazieren. „Wäre ich mein Leben lang ein Stubenhocker gewesen, ginge es mir heute sicherlich nicht so gut wie im Moment“, sagt Hildegard. Man möchte ihr nicht widersprechen.

Autor: Torben Riener, Platinnetz-Redaktion