Border Collie Donna fegt geschmeidig durch die Slalom-Stangen, Herrchen Stefan jagt nebenher – und weiter zum nächsten Hindernis. Mit Leichtigkeit springt Donna auf Stefans Kommando durch den Reifen und weiter geht die wilde Jagd mit hängender Zunge und fliegenden Ohren. Das, was Donna und Stefan da machen, ist keine Zirkusnummer, sondern Agility.

Agility ist Teamsport

„Um Agility betreiben zu können, müssen Hund und Herrchen ein Team sein“ erklärt Stefan (44). Er und seine Donna üben zwei Mal pro Woche in einem Hundesport-Verein mit anderen Hundesport-Fans. „Zuerst müssen die Hunde die einzelnen Hindernisse kennen lernen, dann müssen die Kommandos geübt werden. Das geht nicht von heute auf morgen.“ Es ist wirklich beeindruckend, mit welcher Leichtigkeit und Geschwindigkeit sie alle durch den Parcours jagen. Agility ist Hundesport für fast alle Rassen. Vom Dackel bis zum Schäferhund ist alles vertreten. Und alle haben sie Spaß. Auch für Herrchen und Frauchen ist Agility gut, denn man beschränkt sich nicht darauf, dem Hund Kommandos zuzurufen, sondern begleitet ihn durch den kompletten Parcours – und sogar die Dackel mit ihren kurzen Beinchen legen dabei ein beachtliches Tempo vor.

Der Reiz des Sports liegt in der Zusammenarbeit von Mensch und Hund. Nur wenn beide sich verstehen, kann die Übung gelingen. Ziel beim Agility ist es, möglichst schnell und fehlerfrei einen Parcours mit verschiedenen Hindernissen zu durchlaufen. Dabei gibt es zum Beispiel Wippen, über die der Hund balancieren muss, Slalom-Stangen, durch die sich der Hund in eine bestimmte Richtung fädeln muss, Tunnel, durch die er laufen soll und Hindernisse, die entfernt an die Hindernisse der Pferde erinnern. Natürlich auf Hunde-Größe geschrumpft.

Damit Dackel und Border Collie auch eine Chancen haben, sich untereinander im Turnier zu messen, gibt es verschiedene Klassen, in die die Hunde eingeteilt werden. Einmal ist die Größe entscheidend: Mini, Midi oder Standard? Die Erfahrung von Hund und Herrchen entscheidet über die Einstufung in A1, A2 oder A3. Grundvoraussetzung ist für alle die bestandene Begleithundeprüfung und ein Mindestalter von 18 Monaten. Danach muss fleißig geübt werden.

Agility ist artgerechter Hundesport

Die intensive Beschäftigung miteinander lässt Mensch und Hund eng zusammenwachsen und das ist auch nötig, denn im Turnier gilt es dann, eine von den Richtern festgelegte Strecke möglichst schnell und fehlerfrei zu durchlaufen. Da der Hund die Strecke und die Reihenfolge der Hindernisse vorher nicht kennt, muss er sich blind auf die Kommandos seines Hundeführers verlassen. Vom Start gleich nach rechts, durch den Tunnel – kaum kommt Donna aus der Röhre richtet sich ihr aufmerksamer Blick im Laufen auf Stefan: Wohin jetzt? Über die Wippe, links durch die Slalom-Stangen und so weiter. Herrchen ist immer dabei und gibt die entsprechenden Hilfestellungen mit möglichst wenigen Kommandos und möglichst ohne dabei selbst über das nächste Hindernis zu stolpern. Zeit für Erklärungen ist im Turnier nicht. Donna muss in Sekundenbruchteilen verstehen, wo es lang geht und was sie machen soll. Agility hält das Team nicht nur körperlich, sondern auch geistig fit. Das ist gut für Hund und Herrchen oder Frauchen.

Für die meisten Hunde ist ein Leben auf dem Sofa mit ein oder zwei Spaziergängen am Tag furchtbar langweilig. Sie wollen und können viel mehr leisten. Sitz, Platz, Pfötchen geben: Das ist Kinderkram für Hunde wie Donna. Aber nicht nur Border Collies springen und rennen mit Begeisterung über den Platz. Hunde wollen etwas zu tun haben, das sie körperlich und geistig fordert. Agility ist eine gute Möglichkeit, seinen Hund artgerecht zu beschäftigen. Gelernt wird in kleinen Schritten durch positive Bestärkung. Der Hund soll sich auf dem Platz wohl fühlen. Zuerst wird er mit den einzelnen Hindernissen bekannt gemacht, dann werden sie im Zusammenhang als kleiner Parcours geübt. Wer nicht will, muss an keinem Turnier teilnehmen. Agility kann man auch einfach so, als Freizeit-Sport ausüben. Schließlich dient Agility in erster Linie dazu, sich artgerecht mit dem Hund zu beschäftigen und gemeinsam mit ihm Spaß zu haben. Und den sieht man Donna und Stefan ganz deutlich an, wenn sie hechelnd, japsend und strahlend am Ende des Parcours angekommen sind. 

Autorin: Elke Liermann, Platinnetz-Redaktion