So lebt in Indien das derzeit älteste Exemplar mit 175 Jahren. Erfolgreich haben sich Schildkröten fast sämtliche Lebensräume erobert – auch unsere Wohnzimmer und Gärten.

Schildkröten zählen hinter Hunden, Katzen und Vögeln mittlerweile zu den beliebtesten Haustieren. Man unterscheidet zwischen Landschildkröten und Wasserschildkröten, wobei es insgesamt über 300 Unterarten gibt. Einige, vor allem in den Meeren, sind vom Aussterben bedroht. Nicht zuletzt, weil sie in Asien nach wie vor gejagt werden, als Beifang in Fischernetzen enden oder trächtige Weibchen ihre Eier nicht mehr an unberührten Stränden ablegen können.

Die richtige Haltung der Schildkröte entscheidet

Schildkröten sind wechselwarm, also auf Wärme für ihren Stoffwechsel angewiesen. Da die meisten Arten in tropischen oder subtropischen Gebieten zu Hause sind, muss man zu Hause für künstliche Wärme durch spezielle Wärmelampen sorgen. Landschildkröten sind gegenüber Wasserschildkröten zwar relativ einfach zu halten, doch gibt es trotzdem viele Haltungsfehler und Missverständnisse.

Nicht selten verzichten Besitzer von Schildkröten auf Terrarien oder Gehege, die Tiere laufen frei in Wohnungen und Gärten herum. Sicherlich verschafft das ihnen mehr Platz. Doch ist die Schildkröte so der Bodenzugluft ausgesetzt und kann sich tödlich erkälten. Ein Terrarium als Rückzuggebiet ist daher ratsam. Zur Sicherheit sollte man Schildkröten  auch erst ins Freie setzen, wenn es dort wirklich warm genug ist. Schildkröten mögen keine offenen Flächen und suchen daher meist Hecken und Nischen auf, in denen es auch in den warmen Monaten auf Dauer zu kühl sein kann.

Landschildkröten sind Vegetarier. Bei Salatblättern, Löwenzahn, Obst und Gemüse sagen die wenigsten nein. Im Tierfachhandel bekommt man zudem spezielles Futter als Ergänzung.

Anspruchsvolle Wasserschildkröten

Die artgerechte Haltung von Wasserschildkröten ist wesentlich aufwändiger und damit auch teurer. Man benötigt ein Aquarium von ausreichender Größe, denn die Tiere wachsen schnell. Licht- und Wärmelampen, ein Heizstab und eine Wasserpumpe sind das Minimum, um Wasserschildkröten zu halten. Vor allem die Jungtiere sind empfindlich, was Wasserqualität und Futter angeht. Das Temperaturoptimum der meisten Wasserschildkröten liegt bei 25 bis 32 Grad, bei manchen erwachsen Arten auch darunter.

Kältere Temperaturen verursachen bei Schildkröten in der Regel Krankheiten wie Lungen- und Nierenentzündung oder Pilzbefall. Daher gilt: Falls ein Gartenteich ins Spiel kommt, sollte gerade hier auf die Wassertemperatur geachtet werden. Auf keinen Fall sollten Wasserschildkröten bei Temperaturen unter 22°C überwintern. Früher war man überzeugt, dass der Winterschlaf für Schildkröten existentiell notwendig sei. Davon ist man heute weitgehend abgekommen, da die Winterruhe eine Reaktion des Organismus auf weniger Futter und fehlende Wärme ist. Warum sollte man diesen Zustand also bei der Haltung zu Hause künstlich herbeiführen?

Als Futter bevorzugen Wasserschildkröten getrocknete Bachflohkrebse (Gamarus), Fische oder spezielle Sticks oder Pellets aus dem Zoohandel. Salatblätter und anderes Grünzeug sollte nur gelegentlich gefüttert werden, da Wasserschildkröten, vor allem als Jungtiere, Fleischfresser sind. Niedlich anzusehen, wenn sie klein sind, werden sie oftmals von ihren Besitzern ausgesetzt, wenn sie größer werden und dadurch auch schwieriger zu halten sind. Eine Anschaffung sollte daher gründlich überlegt sein.

Auf die Herkunft der Schildkröte achten

Der Handel mit Schildkröten ist inzwischen limitiert und wird von Veterinärämtern kontrolliert, die Einfuhr obliegt der Zollkontrolle. Die meisten Tiere kamen früher bereits krank zu uns und gingen nach kurzer Zeit ein. Zudem waren sie sehr billig. Heute sind sie hingegen fast schon ein teures Hobby. Für die Anschaffung ist es daher ratsam, auf die Herkunft zu achten und die Tiere nur bei lizenzierten Händlern oder vertrauenswürdigen Privatpersonen zu erwerben. Zahlreiche Pflege- und Sammelstationen von Schildkrötenliebhabern und Tierschützern gibt es mittlerweile in Deutschland. Im Zweifelsfall wendet man sich an eine von ihnen.

Übrigens: Der so genannte „Panzer“ der Schildkröte ist genau genommen ein äußerer Brustkorb. Das macht ihn weitaus empfindlicher, als es den Anschein hat.

Autor: Oliver Z. Weber, Platinnetz-Redaktion