An dieser Frage sind schon Beziehungen zerbrochen. „Wegen unvereinbarer Gegensätze“, heißt es dann bei der Trennung. Die große Innigkeit mit dem Vierbeiner ist jetzt statistisch untermauert. Deutschlands größte Hundecommunity dogSpot.de hat kürzlich seine Mitglieder befragt und Erstaunliches zutage gefördert. 95 Prozent der Hundebesitzer würden eher den Partner verlassen, als ihren Vierbeiner abzugeben. „Wer Struppi nicht mag, kann gehen“, ist die einhellige Meinung.

50 Prozent lassen ihren Vierbeiner mit im Bett schlafen – auch wenn er es mit seinem Partner teilt. Bei immerhin 18 Prozent geht die Liebe sogar durch den Magen. Sie haben schon einmal das Futter ihres Hundes probiert. Dass man über den Hund die tollsten Beziehungen knüpfen kann, wenn man mit ihm im Park Gassi geht, darüber sind sich alle einig. Flirtfaktor Hund: zehn Punkte!

An dieser Stelle möchte ich mich outen. Zwar würde ich meinen Partner nicht wegen meiner Hunde rausschmeißen, aber leicht hat er es trotzdem nicht. Auch ich liebe Lilli, eine neurotisch-terroristische Jack Russelhündin und Purzel, einen türkischen Straßenhund, über alles. Und ich setze alles dran, dass auch mein Mann die Hunde liebt. Das mache ich diplomatisch. Wenn er abends nach Hause kommt und Lilli unerzogen mit Drecksfüßchen an seiner beigen Hose hochspringt, sage ich: „Schau mal, wie sie sich freut. Sie hat schon den ganzen Tag auf dich gewartet.“ Wenn Lilli unartig auf sein Ledersofa springt und er schimpft, sage ich: „Sie sucht doch nur deine Nähe, weil sie dich so mag.“ Was soll er dann noch  sagen? Sogar in seinem Heiligtum, seinem stets blitzblank gewienerten und über alles gepflegtem Auto (Mercedes, was sonst?) durfte Lilli schon mitfahren. Gezwungenermaßen sozusagen. Er hat beschlossen, es mit Galgenhumor zu nehmen. Und er sagt: „Im nächsten Leben werde ich Hund bei dir.“

Im Bett gibt es allerdings eine scharfe Trennungslinie. Die verläuft genau in der Mitte. Meine Bettseite ist gleichzeitig auch Hundeseite. Seine ist hundefreie Zone. Am erstaunlichsten finde ich, wie genau unsere Hunde das begreifen. Nie würden sie auf seine Seite rutschen. Da sage noch einmal jemand, Hunde seien nicht schlau. Als ich meine Ansichten jetzt in der Redaktion beichtete, kam nur ein trockenes: „Wir haben es befürchtet.“

Autorin: Regine Schneider, Chefredakteurin Rubin

Datum: Rubin Ausgabe 2/2009, Juni-August


Mit freundlicher Unterstützung der Zeitschrift Rubin