„Eigentlich will ich schon immer reiten lernen aber ich hatte nie die Gelegenheit dazu!“ Die meisten Mädchen träumen davon, im wilden Galopp über Felder und Wiesen zu preschen aber nur wenige haben die Möglichkeit, dieses zeitaufwendige und kostspielige Hobby tatsächlich auszuüben. Ist man dann erwachsen, hat man vor lauter Arbeit und Familie keine Zeit, reiten zu lernen. So kommt es, dass immer mehr Reitschüler bereits in fortgeschrittenem Alter sind, wenn sie das erste Mal den Fuß auf einen Reiterhof setzen.

Reiten lernen für Erwachsene

Kann man denn als Erwachsener überhaupt noch reiten lernen? „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“, so heißt es doch immer. Für das Reiten gilt das zum Glück nicht. Doch wer als Erwachsener reiten lernen will, braucht viel Selbstdisziplin, Übung und Ausdauer. Was den kleinen Mädchen zufällt, muss man sich als Erwachsener erarbeiten. Vor allem gilt es, die Angst vor dem Herunterfallen zu überwinden. Steht man einem Pferd zum ersten Mal Auge in Auge gegenüber, stellt man fest, dass man ihm eben nicht in die Augen sehen kann – die sind nämlich sehr weit oben. Allein die Größe des Tieres ist Ehrfurcht gebietend. Um die Angst des Reitschülers in Respekt vor dem Pferd zu verwandeln, sollten die Reitstunden immer damit beginnen, dass man sich mit „seinem“ Pferd vertraut macht. Am besten funktioniert das, indem man sein Pferd nicht fertig gesattelt hingestellt bekommt, sondern es gemeinsam mit dem Reitlehrer von der Weide holt, es striegelt, ihm die Hufe auskratzt und ihm selbst Sattel und Zaumzeug anlegt. Natürlich geht das am Anfang nur mit Hilfe des Reitlehrers. Aber durch die intensive Beschäftigung mit dem Tier baut man Ängste ab und lernt es kennen. Das ist nötig, denn ein Pferd ist kein Sportgerät, sondern eine lebendige Persönlichkeit mit individuellen Eigenschaften.

Eine gute Reitschule vermittelt nicht nur die richtige Technik, sondern auch den Umgang mit dem Partner Pferd und das Wissen über die Eigenarten dieser faszinierenden Tiere. So lernt man die Reaktionen zu verstehen und vorherzusehen. Dieses Verständnis gibt einem die nötige Sicherheit, um später beim Ausreiten Unfälle zu vermeiden. Man muss die Sprache des Pferdes verstehen, um mit ihm arbeiten zu können.

Daneben zeichnet sich eine gute Reitschule vor allem auch durch die richtige Haltung der Pferde aus. Pferde sind gesellige Bewegungstiere. Ideal ist also ein Offenstall, in dem sich die Tiere in Gruppen auf der Weide bewegen können. Pferde, die genügend Auslauf haben und in einer Herde zusammenleben, sind freundlich, ausgeglichen, ruhig und zufrieden. Sind sie dagegen gezwungen, immer in einer engen Box zu stehen, können sie ihrem Bewegungsdrang nicht folgen und sind in der Reitstunde schwerer unter Kontrolle zu halten, denn das ist ihre einzige Chance, ihre Energie abzubauen. Solche Pferde sind häufig nervös und unausgeglichen und die Anwesenheit anderer Pferde in der Nähe lenkt sie ab. Die Zwischenlösung, also die Haltung in Boxen mit Paddock, in denen die Pferde ein wenig Auslauf haben, ist auch in Ordnung.

Sehen Sie sich den Betrieb vor der ersten Stunde an: Wie sehen die Boxen aus? Ist die Einstreu sauber? Sind Hufe und Fell der Tiere gepflegt, die Augen wach und aufmerksam? Achten Sie auch auf Sättel und Zaumzeug. Ist beides sauber und in gutem Zustand?

Sehen Sie sich nach Möglichkeit auch eine Reitstunde an, bevor Sie sich für eine Reitschule entscheiden. Der Unterricht sollte in kleinen Gruppen und ohne Zuschauer stattfinden. Der Reitlehrer sollte ruhig bleiben und mit viel Geduld auf seine Reitschüler eingehen und sich nicht etwa über ihre Ängste und Schwächen lustig machen. In einer entspannten Atmosphäre lernt man viel besser und die Ruhe der Schüler überträgt sich auf die Pferde.

Ist die Haltung der Pferde in Ordnung und herrscht eine freundliche, entspannte Atmosphäre auf dem Hof, können Sie daran gehen, Ihren Traum zu verwirklichen. Mit Kosten von 10 bis 25 Euro pro Stunde müssen Sie rechnen. Wenn Sie dann nach der ersten Stunde mit O-Beinen und einem seligen Grinsen mehr vom Pferd rutschen, als steigen, bleiben Sie dran! Reiten lernen kann man nur durch sehr viel Übung. Zwischen zwei und zehn Stunden dauert es bei den meisten, bis man versuchen kann, das Pferd auch ohne Longe zum Gehen und Stehen zu bewegen. Wer zwei Mal in der Woche Reitstunden nimmt, braucht etwa ein Jahr, bis er so sicher ist, dass er gefahrlos ausreiten kann.

Reiten lernen im Urlaub

Wer das Reiten erst einmal ausprobieren möchte, kann das im Rahmen von Reiterferien tun. Viele Reiterhöfe bieten spezielle Reitkurse für Erwachsene an. In kleinen Gruppen kann man sich hier vorsichtig an den Reitsport und an den Umgang mit dem Pferd heran tasten. Reiterferien werden in Deutschland ebenso angeboten wie im Ausland. Die Schüler wohnen auf dem Reiterhof und haben täglich vormittags oder nachmittags Unterricht, so dass sich schnell eine gewisse Routine im Umgang mit dem Pferd einstellt. Im Reiturlaub kann man in sicherem Umfeld und in entspannter Ferienstimmung ausprobieren, ob einem das Reiten zusagt und ob man daraus ein Hobby machen möchte.

Wer als Erwachsener erst reiten lernt, sollte allerdings nicht auf Turniere und Siege fixiert sein. Erwachsene brauchen einfach länger, um das Reiten zu lernen. Auch mit dem Kauf einer kompletten Ausrüstung kann man sich Zeit lassen. Für den Anfang reicht es, sich einen passenden Reithelm zu kaufen. Eine Jeans und Schuhe oder Stiefel mit ein wenig Absatz (wegen der Steigbügel) reichen für den Anfang.

Autorin: Elke Liermann, Platinnetz-Redaktion