Dieses Lebensgefühl hat viel mit den USA und dem amerikanischen Traum zu tun, der sogar in der nationalen Verfassung verankert ist. Der weltberühmte "American Dream" handelt vor allem von Freiheit. Damals meinten die amerikanischen Gründerväter politische Unabhängigkeit. Aber im Amerika der 1960er Jahre wurde der Begriff umgedeutet. Die Menschen strebten eine Befreiung aus gesellschaftlichen Zwängen an und sehnten es herbei, nur das zu tun, wonach ihnen gerade war. Die Bewegung schwappte auch nach Europa herüber und die Harley Davidson wurde zum Symbol der Freiheit auf zwei Rädern.

Die Harley Davidson – Vom Einzylinder zum Luxusprodukt

Die Harley Davidson zählt zu den ältesten und erfolgreichsten Motorradmarken der Welt. Hinter dem Begriff Harley Davidson verbirgt sich allerdings nicht nur ein Motorrad. Ein riesiger Konzern steht hinter der Marke, der viele Geschäftsfelder erobert hat. Die Harley Davidson Company ist sogar an der Börse notiert und hat ein eigenes Tochterunternehmen, das sich nur der Finanzierung und Versicherung der Luxusmotorräder widmet. Denn wer sich heute eine Harley kaufen will, muss tief in die Tasche greifen. Sondermodelle wie die neue "Screamin Eagle", zu Deutsch "kreischender Adler", sind erst ab 30.000 Euro zu haben. Die Ursprünge der Harley haben dagegen ganz und gar nichts mit dem Luxusobjekt zu tun, das sie heute ist.

Die Geschichte der Harley Davidson beginnt ganz unspektakulär etwa vor hundert Jahren in einem Schuppen inmitten der USA. Vier junge Männer basteln Fahrzeuge, die eher an motorisierte Fahrräder erinnern. Ein Einzylindermotor treibt diese ersten Motorräder an, Getriebe und Schaltung haben sie nicht. William Harley und die Gebrüder Davidson gründen die Harley Davidson Company und bauen am Anfang vor allem Motorräder, die zuverlässig und stabil sind. Alltagsmaschinen, die damals noch den Beinamen "Silent Gray Fellow" trugen, was übersetzt soviel wie "leiser grauer Kamerad" bedeutet. Für viele Jahrzehnte war eine Harley Davidson vor allem ein Gebrauchsgegenstand.

"Easy Rider" und das Freiheitsgefühl auf einem Motorrad

Harley Davidson und Freiheit, diese Begriffe fanden erst in den wilden 60er Jahren in den USA zusammen. Die Jugend wollte sich nicht mehr von den Moralvorstellungen und Regeln der Älteren einengen lassen. Sie suchten nach eigenen Möglichkeiten, ihre Individualität auszudrücken, und wandten sich den Medien Musik und Film zu. Rockmusik war eine Rebellion gegen das Establishment und das Motorrad wurde als Inbegriff der individuellen Freiheit gefeiert.

Vor allem ein Film aus dem Jahre 1969 prägte dieses Bild: "Easy Rider". Darin spielen Dennis Hopper und Peter Fonda zwei Männer, die mit ihren Harleys durch Amerikas Süden fahren, Halt machen wann sie wollen und losgelöst von allen Pflichten und Konventionen leben. Zwar müssen die harten Burschen erfahren, dass auch sie nicht frei sind. Denn Drogen, Prostituierte und Hippie-Kommunen begleiten ihren Weg und die haben auf den zweiten Blick nicht wirklich viel mit Freiheit zu tun. Am Ende scheitern die beiden Helden an ihrem Wunsch nach Individualität. Aber was bei den Zuschauern am meisten hängenblieb war das Lebensgefühl von Freiheit, das die beiden Männer auf ihrem Motorrad erleben. Aus "Easy Rider" wurde ein Kultfilm und aus der Harley Davidson ein kultiges Motorrad.

Mit dem Motorrad durch die USA

Die weiten Straßen der USA und eine Harley Davidson: Für viele ist es ein Traum, einmal mit einem Motorrad durch die Wüsten von Amerika zu fahren. Die weite und oft menschenleere Landschaft im Blickfeld und die Harley Davidson unter sich spüren, so kann sich Unabhängigkeit anfühlen. Während so einer Reise kann man Ruhe finden – und zu sich selbst.

Wer eine solche Motorradreise plant, sollte trotzdem nicht ganz auf sich alleine gestellt losfahren. Schließlich lauern auch viele Gefahren, gerade wenn man etwas abseits der Hauptstraßen alleine unterwegs ist. Daher empfiehlt es sich, entweder mit erfahrenen Bikern aus dem Bekanntenkreis zu fahren, oder sich einer geführten Motorradtour anzuschließen. Es gibt deutsche Reiseanbieter, die nicht nur Harleys in den USA vermieten, sondern die Strecke auch begleiten. Touren über Las Vegas, entlang der Route 66 oder durch die Rocky Mountains lassen sich viel schöner genießen, wenn man ortskundige Biker mit dabei hat, die die schönsten Motorradstrecken kennen. Sollten Sie mal keine Lust auf Motorrad fahren verspüren, dann wäre vielleicht eine Busrundreise Los Angeles San Francisco eine interessante Alternative.

Auch die Figuren von Dennis Hopper und Peter Fonda waren in "Easy Rider" nicht alleine unterwegs. Denn Freiheit ist noch schöner in Gesellschaft zu erleben. Gerade wenn man nach einer langen Fahrt durch die steinige Wüste von Nevada gemeinsam am Lagerfeuer sitzt, sich Geschichten erzählt und die Harleys im Sonnenuntergang glitzern, kann man spüren, warum die Harley das Motorrad der Träume genannt wird.

Autorin: Julia Heilig, Platinnetz-Redaktion