Ziel war es, eine schnellere Verbindung zwischen Mittelmeer- und Atlantikküste zu schaffen, die den Umweg an der Küste Spaniens entlang, ersetzen konnte. Eine Besonderheit des Kanals sind die ca. 60 Schleusenanlagen, die notwendig sind, da sich der höchste Punkt des Kanals 194 m über dem Meer befindet.

Tourismus rund um den Canal du Midi

Heute wird der Canal du Midi nicht mehr für den Warentransport genutzt. Dieser wurde auf Schiene und Straße verlagert. Dadurch eröffnen sich natürlich diverse Möglichkeiten für den Tourismus. In vielen Häfen des Kanals können Hausboote gemietet werden, die bis zu fünf Personen Platz bieten. Wie der Name schon vermuten lässt, sind Hausboote schwimmende Campingwagen: Auf engstem Raum befinden sich eine kleine Küche und ein Bad. Für das Nötigste ist also gesorgt. Das Besondere ist nun, dass kein Bootsführerschein nötig ist, um eines dieser Hausboote zu mieten. Es müssen nur folgende Bedingungen erfüllt sein und die Fahrt kann losgehen:

  • Der Bootsführer muss mindestens 18 Jahre sein.
  • Vor Abfahrt erfolgt eine kurze Schulung mit anschließender Probefahrt.
  • Nachts muss das Boot in einem Hafen stehen, darf also weder gefahren werden noch vor Anker liegen.

Jährlich werden so bis zu 50.000 Urlauber zu Freizeitkapitänen. Die größte Herausforderung sind hierbei die zahlreichen Schleusen, die den ungeübten Bootsfahrer schon mal ins Schwitzen bringen können, denn oft sind sie so schmal, dass man kaum glaubt, überhaupt ausreichend Platz für das Boot zu haben. Die große Zahl der Urlauber aber spricht für sich: Anscheinend wachsen regelmäßig die Urlauber-Bootsführer über sich hinaus und lenken ihre Boote sicher den Canal du Midi entlang. Abends geht es dann in Richtung der Häfen, wo kleinere Städte mit südfranzösischem Flair zu einem geselligen Abend an Land einladen. Wer es nicht ganz so rustikal mag, kann natürlich die Nächte auch einmal in einem Hotel statt auf dem Boot verbringen.

Canal du Midi - nicht nur etwas für Wasserfreunde

Auch für Landratten hat der Canal du Midi eine Menge zu bieten: Es gibt noch auf fast der gesamten Länge des Kanals die ehemaligen Treidelpfade. Diese wurden ursprünglich gebaut, um mit Hilfe von Zugtieren die Schiffe auf dem Kanal zu ziehen. Zusätzlich ließ der Erbauer des Kanals Pierre-Paul Riquet ca. 60.000 Platanen, Pappeln und Pinien anpflanzen. Ganz pragmatische Gründe führten hierzu:

Sie sollten Schatten spenden um die Verdunstung zu verhindern und ihre Wurzeln dienten zur Festigung der Ufer. Bis heute gibt es so links und rechts entlang des Kanals auf bis zu 182 Kilometern schattige, ebene Wege: Ideal für Fahrrad-Touren, Wanderungen, aber auch zum Reiten oder Joggen.

Die Landschaft rund um den Kanal ist sehr abwechslungsreich. Nördlich erhebt sich das Zentralmassiv, mit seinen Bergen bis zu 1800 Metern. Große Teile des Canal du Midi befinden sich im Languedoc, einer der Hochburgen französischer Weinkultur. Fast ein Drittel der französischen Reben wird hier geerntet. Außerdem werden hier Oliven angebaut und der regionale Speiseplan ist natürlich beeinflusst durch Käse, Milch und Fleisch der in den Bergen gehaltenen Schafe und Ziegen. Dem beschaulichen Urlaub steht also nichts mehr im Weg!

Autorin: Dorothee Ragg, Platinnetz-Redaktion