Kosten und Marken: Zwischen teurem Zweimannzelt und einfachem Einfamilienhaus

Vom selbst ausgebauten Lkw-Anhänger aus zweiter Hand über gebrauchte Mittelklassemodelle mit Minimalkomfort bis zu nagelneuen „Palästen der Landstraße“ samt Badezimmer, Terrasse und Sonnendeck: Die Auswahl an Marken, Fabrikaten, Eigenbauten und Sonderanfertigungen bei Wohnwägen ist gewissermaßen unendlich. Wer handwerkliches Geschick und Einfallsreichtum sein eigen nennt, bastelt sich häufig ein unverwechselbares Einzelstück, wer eher auf luxuriöse Ausstattung und Extras namhafter Hersteller Wert legt sowie über das nötige Kleingeld verfügt, leistet sich vielleicht eher einen Wohnwagen im Luxus-Segment, wie sie etwa von Schaustellern und reisenden Händler nahezu ganzjährig genutzt werden. Angesichts der Fülle an verschiedensten Einrichtungsmerkmalen verschiedener Hersteller ließe es sich natürlich trefflich und ausgiebig über die jeweiligen Vorzüge und Nachteile bestimmter Konzepte diskutieren, doch letztlich entscheiden auch hier schlicht und ergreifend persönliche Ansprüche und Vorlieben. Die aktuell in Deutschland produzierenden und auch ansässigen Anbieter sind:

  • Das „Hobby-Wohnwagenwerk“ aus Fockbek bei Rendsburg in Schleswig-Holstein. (Marken: Hobby, Fendt Caravan; Neupreis ca.12 000 bis 28 000 Euro).
  • Die „Hymer AG“ mit Stammsitz in Bad Waldsee im Landkreis Ravensburg in Baden-Württemberg. (Marken: Hymer, Bürstner, Dethleffs, Carado, Eriba; Neupreis ca. 17 000 bis 38 000).
  • Die „Knaus Tabbert GmbH“ aus Jandelsbrunn im Landkreis Freyung-Grafenau in Bayern (Knaus, Tabbert, T@B, Wilk, Weinsberg; Neupreis ca. 6000 bis 19 000 Euro).
  • Das Familienunternehmen „Weippert“ aus Kerken am Niederrhein in Nordrhein-Westfalen. (Marken: Isabella; Neupreis ca. 55 000 bis 65 000 Euro).

Recht und Gesetz: Gewicht, Gesamtmasse und Geschwindigkeit

Wie im wahren Leben gilt auch für die rechtliche Behandlung von Wohnwägen in Deutschland die Formel: Die Gesamtmasse und das Gewicht machen es und die Geschwindigkeit muss stimmen. Seit Oktober 2005 wurden die bis dahin recht strikten Regelungen bezüglich der Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen von seinerzeit 80 km/h auf jetzt 100 km/h gelockert, dafür muss das Zugfahrzeug jedoch nachweisbar über Stabilisierungs- oder andere technische Einrichtungen verfügen, welche einen sicheren Betrieb bis 120 km/h zulassen. Besagte Ausstattung des Zugfahrzeugs muss vom Hersteller vorliegen und in die Fahrzeugpapiere eingetragen sein. Der bislang noch von vielen Besitzern bemängelte gesetzliche Grundsatz, dass bei Übersteigung der Masse des Anhängers von der Leermasse des Zugfahrzeuges oder der Gesamtmasse des Zuges von über 3,5 Tonnen ein zusätzlicher Anhängerführerschein (Klasse BE) erworben werden muss, sollte der Führerschein der alten Klasse 3 des Halters nicht vor dem 31. Dezember 1998 erworben worden sein, soll im Rahmen der 3. Führerschein-Richtlinie der EU auch für die deutschen Führerscheinklassen noch im Jahr 2013 geändert werden. Der noch nicht genau fixierte „Befähigungsnachweis“ zum Führen von Gespannmassen von mehr als 3,5 bis zu 4,25 Tonnen mit der Klasse B soll dann in naher Zukunft möglich sein. Fahrzeug und Anhänger können also bald einfacher miteinander ausgetauscht werden, was vermutlich sowohl den Markt für neue Modelle als auch für gebrauchte langfristig deutlich beleben wird.

Policen, Physik und Parkplätze: Pflichten und Empfehlungen

Gesetzlich besteht für Besitzer die Verpflichtung, eine Haftpflichtversicherung abzuschließen. Je nach Ausstattung und Wert des zweiten Heims können auch weitere Versicherungen wie etwa eine Teilkasko-Versicherung gegen Sturm, Hagel, Brand, Diebstahl und Glasbruch, oder gar eine Vollkasko-Versicherung zum Schutz bei Schäden an Innenausstattung und dem Anhänger sinnvoll sein. Auch langjährig geübte Autofahrer sollten bei ersten Fahrten mit einem Anhänger im Schlepptau übrigens nicht die dann doch recht ungewohnte Fahrphysik unterschätzen. Über die hierbei wichtigen Parameter Drehmoment, Überholvorgänge, Bremsleistung, Gesamtüberblick, Aerodynamik, Sicherheitsabstand, Spurwechsel und Stützlast informiert sich vor der Reise am besten ausführlich bei dem jeweiligen Hersteller oder Händler, diese bieten genau wie manche Automobilklubs mitunter auch entsprechende Kurse für Anfänger an. Ein ebenfalls stets wichtiges und oft von Neubesitzern vernachlässigtes Thema sind die Wahl des angemessenen Parkplatzes bzw. die hierzu geltenden Bestimmungen. Grundsätzlich gilt, dass weder in Deutschland noch im europäischen Ausland Wohnwagen oder andere Anhänger länger als zwei Wochen am Straßenrand oder auf öffentlichen Parkplätzen geparkt werden dürfen, für besonders gekennzeichnete Parkplätze gilt dies allerdings nicht. Gerade in sehr touristisch geprägten Gebieten kann die Missachtung dieser Regel schnell teuer werden, auf einem Campingplatz muss man sich aber natürlich keine Sorgen um solche Limits machen.

Mit dem Wohnzimmer und dem Haushund unterwegs: Selbst ist der Mann und die Frau

In Australien werden gerade ältere Reisende, die in ihrem eigenen rollenden Zuhause unterwegs sind manchmal leicht scherzhaft „grey nomads“ (graue Nomaden) genannt, unzweifelhaft wissen auf diese Art und Weise Reisende jedoch, dass das Maß an Unabhängigkeit gegenüber anderen Formen der Unterbringung nicht nur günstiger, unabhängiger und weniger reglementiert ist, sondern dass man auch jederzeit entscheiden kann, wann und wo man hinfährt, ohne an bindende Buchungen gebunden zu sein.