Wer an einen Kamin denkt, dem fällt sofort ein klassischer, ausladender Kamin ein. Auf dem breiten Sims stehen eine altmodische Uhr und Bilder von lieben Familienmitgliedern, daneben das eine oder andere Reisemitbringsel. Das brennende Holz knistert und es riecht dezent nach Feuer und frischem Holz. Die Kaminöffnung ist idealerweise noch mit Marmor und Säulen verziert, und die romantische Vorstellung eines Kamins ist perfekt.

Offener Kamin und geschlossener Kamin

Wenn man solchen Vorstellungen nachhängt, vergisst man häufig, dass ein klassischer offener Kamin zwar durch das Knistern und den Anblick des Feuers Behaglichkeit ausstrahlt, aber als Heizung nicht wirklich geeignet ist. Noch bis ins 19. Jahrhundert hinein heizte ein offener Kamin nur durch die Wärmestrahlung des Feuers und konnte höchstens ein einziges Zimmer vor der Auskühlung bewahren. Daher kann er auch heute nicht unbedingt als Heizquelle dienen, lediglich 10 bis maximal 20 Prozent der gewonnenen Energie wird in einem offenen Kamin als Wärme umgesetzt. Er ist daher hauptsächlich eine stilvolle Dekoration, als Heizung ist der offene Kamin weniger geeignet.

Um die gewonnene Energie effizient zu nutzen, wurde der geschlossene Kamin, auch Kaminofen genannt, entwickelt. Ein geschlossener Kamin ist häufig mit einer Glasplatte verschlossen und man kann das lodernde Feuer trotzdem sehen, es geht aber keine unnötige Energie verloren. Durch die Glasplatte büßt er zwar etwas an Gemütlichkeit ein, ist aber eine weitaus effizientere Heizform als ein offener Kamin. Die Überraschung liegt im Innern: Im geschlossenen Kamin lodert zwar auch Feuer, er heizt aber mit Wasser. Die heiße Luft erwärmt Wasser in einem ausgeklügelten Rohrsystem, das man sogar in weitere Räume leiten, oder zur Warmwassergewinnung nutzen kann. Eine größere Wohnung kann man meistens allein mit dem geschlossenen Kamin trotzdem nicht heizen. Er kann allerdings die anderen Heizsysteme gut entlasten.

Wie und wo nutze ich einen Kamin?

Traditionell wird der Kamin mit Holz befeuert und wer günstig an Holzscheite kommt, für den kann er eine sinnvolle Ergänzung zur Elektroheizung sein. Aber die Technik hat in den letzten Jahrzehnten einige effektive Alternativen hervorgebracht. Einem Kaminofen kann man somit mit Bio-Alkohol, dem sogenannten Ethanol, mit Gas, Gel und sogar mit Strom betreiben. Ein Elektro-Kamin beispielsweise erzeugt ein künstliches Feuer, wird aber ganz normal über die Steckdose betrieben. Auch der Kamin der mit Gel beheizt wird, kann ohne angeschlossene Abluftrohre in die Wohnung gestellt werden, hat aber ein echtes Feuer. Diese Kamine kann man unabhängig von einem Schornstein an einer beliebigen Stelle im Raum aufstellen, da sie keine Emissionen erzeugen. Sie sind kostengünstiger, sauber und ziehen mit dem originellen Design garantiert Blicke auf sich. Allerdings verlieren sie dadurch, dass sie nicht die typische Kaminofen-Atmosphäre verbreiten.

Wer in den Genuss eines echten Feuers kommen will, der muss mehr investieren und gegebenenfalls einen größeren Umbau einkalkulieren. Denn wer keine separaten Zu- und Abluft führenden Schornsteine im Haus hat, der muss sie einbauen und sich dabei an strenge Auflagen halten. Doch die modernen wasserführenden Kaminöfen sind zum Teil sehr effizient und ein Einbau kann sich auf längere Zeit gerechnet lohnen. Als Heizmaterial sind derzeit die kleinen Holzpellets in aller Munde, die als Nebenprodukte in Schreinereien und Sägemühlen anfallen und vom Nutzer sehr einfach verheizt werden können. Pellets sind kostengünstig zu haben und sie geben weniger umweltschädliche Emissionen ab als fossile Brennstoffe, bei der etwa gleichen Heizleistung. Außerdem sind sie sauberer und leichter zu lagern als Holzscheite. Wer sich also seinen Traum vom eigenen Kamin mit Pellets erfüllen will, kann sich eine heimelige Atmosphäre schaffen, dabei die natürlichen Ressourcen schützen und den eigenen Geldbeutel schonen.

Autorin: Julia Heilig, Platinnetz-Redaktion