Gerade wenn man in eine neue Wohnung gezogen ist, will man diesen Neuanfang auch beim Renovieren deutlich machen. Das kann schon beim Streichen der Räume geschehen. Begnügte man sich beim Renovieren bisher immer mit der herkömmlichen Farbrolle oder dem Pinsel, kann man heute auf verschiedene Techniken zurückgreifen, um dem Raum eine neue Farbe zu verpassen. Ob Wischtechnik, Wickeltechnik oder Tupftechnik, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Zuvor muss man sich jedoch noch überlegen, für welche man sich entscheidet.

Renovieren mit verschiedenen Streichtechniken

Mit der Wischtechnik können weiche, organische Farbstrukturen erzielt werden. Hierbei handelt es sich um eine Nass-in-Nass-Technik, bei der sehr zügig gearbeitet werden muss. Vor allem wird mit einem Schwamm gearbeitet. Dazu eignet sich jeder Natur- oder Haushaltsschwamm, er sollte allerdings nicht zu weich sein. Um harte Linien zu vermeiden, sollten die Kanten des Schwamms mit einer Schere rundgeschnitten werden. Als Untergrund eignen sich fest haftende, möglichst glatte Tapeten oder Rauhfaser. Wichtig ist, dass der Untergrund wenig oder gar nicht saugt. Renovieren funktioniert am besten, wenn eine helfende Hand zur Seite steht. Auch bei der Wischtechnik empfiehlt es sich zu zweit zu arbeiten. Dabei trägt einer die Farbe mit dem Kurzfloroller auf, während der andere mit einem angefeuchteten Schwamm die frische Farbe verreibt. Dies kann kreuz und quer, wellenartig oder kreisförmig geschehen. Da die Farbe nicht antrocknen darf, sollte der Grundanstrich nur ungefähr 60 Zentimeter breit und einen Meter hoch sein. Mit der selben Technik können mehrere Schichten übereinander aufgetragen werden, zuerst muss jedoch die darunterliegende Farbe getrocknet sein. Als Farbe eignet sich am besten wasserlösliche Farbe. Hochdeckende Farben sollten verdünnt werden. Es gibt jedoch auch spezielle Farben, die für die Wischtechnik gemacht sind.

Eine ebenfalls sehr effektvolle Technik beim Renovieren der Wände ist die Wickeltechnik. Sie wurde schon früher benutzt, um Tapeten, Stein oder Holz zu imitieren. Ein Vorteil dieser Technik ist, das aufgrund der kleinflächigen Muster Verschmutzungen kaum sichtbar sind. Für die Wickeltechnik benötigt man eine Lappenrolle oder einen Lappen. Der Untergrund sollte eine farbig gestrichene Wand, fest haftende Strukturtapeten oder Rauhfaser sein. Vor dem Gebrauch sollte der Lappen in klarem Wasser ausgewaschen und ausgewrungen werden. Danach kann man den Lappen in jede Wandfarbe tauchen. Am besten, man benutzt geeignete Handschuhe, damit keine Farbe an die Hände gerät. Bevor die Farbe auf die Wand aufgetragen wird, muss sie durch drehen und wringen im Lappen verteilt werden. Der Lappen sollte so zusammengeknäult werden, dass eine Rolle entsteht, mit der die Farbe dann auf der Wand abgerollt wird. Dies geht zum Beispiel im Kreuzgang. Dabei geht man am besten nur einmal über die entsprechende Stelle, denn so erhält man wiederkehrende Muster. Je öfter man den Vorgang auf einer Stelle wiederholt, desto gleichmäßiger und feiner wird die Struktur.

Eine wolkige Struktur auf der Wand erhält man mit der Tupftechnik, bei der, je nach Farbe und Wandbeschaffenheit, zum Beispiel ein antiker Effekt erzielt werden kann. Wie bei der Wischtechnik arbeitet man bei der Tupftechnik mit einem Schwamm. Als Untergrund eignen sich beispielsweise glatte Innenputzflächen, Rauhfaser oder strukturierte Tapete. Wichtig ist auch hier, dass der Untergrund nicht stark saugen darf. Mit dem Kurzfloroller wird zunächst ein heller Grundton gleichmäßig auf die Wand aufgetragen. Bevor die Wand mit dem Schwamm bearbeitet werden kann, muss die Grundfarbe gut trocknen. Nun kann die dunklere Farbe mit dem angefeuchteten Schwamm beliebig oft aufgetupft werden. Wie die Beispiele zeigen, kann Renovieren auch Spaß machen. Neben diesen Techniken, gibt es noch viele andere, mit denen sie Farbe in Ihre Vier Wände bekommen.

Renovieren mit Berechnung

Renovieren bedeutet, neben der körperlichen Arbeit aber auch vor allem eins: Planung. Es gibt Situationen beim Renovieren, in denen man feststellt, dass man den Materialverbrauch falsch eingeschätzt hat. Gerade wenn der Baumarkt bereits geschlossen hat, will es der dumme Zufall oft, dass plötzlich der Kleister oder die Tapetenrollen nicht mehr reichen. Damit einem die Farbe nicht mitten im geschehen ausgeht und der Raum nur halb fertig gestrichen ist, gibt es Berechnungen zur benötigten Farbmenge. Dabei muss zunächst die Reichweite der Farbe bestimmt werden, das heißt, wie viele Quadratmeter Wandfläche mit der Farbe gestrichen werden können. Die Reichweite ist auf der Verpackung angegeben. Cremige und feste Farben haben zum Beispiel eine größere Reichweite als flüssige Farben. Um die benötigte Farbmenge zu bestimmen, berechnet man zunächst den Raumumfang. Hierzu misst man den Raum der Länge nach ab und multipliziert es mit der Raumhöhe. Nach Belieben wird die Deckenfläche - Querseite mal Längenseite - dazu addiert. Beträgt der Raumumfang Beispielsweise 12 Meter und die Raumhöhe 3 Meter, so ist die zu streichende Fläche 36 Quadratmeter groß. Bei großen Fenstern kann die entsprechende Fläche von der Quadratmeterfläche abgezogen werden, beim Renovieren empfiehlt es sich jedoch immer Reserven bereit zu halten.

Autor: Marcel Exner, Platinnetz-Redaktion