Die meisten dieser historisch nachgewiesenen Routen von Jakobspilgern in Europa liegen in Deutschland und Frankreich. Seit 1985 ist von offizieller Seite jedoch festgelegt, dass lediglich die nordspanische Hauptverkehrsachse den Namen „Jakobsweg“ (Camino de Santiago) tragen soll. Demnach werden alle anderen Routen korrekt als „Wege der Jakobspilger“ bezeichnet.

Immer mehr Menschen wandern auf dem Jakobsweg

Als Jakobsweg wird der Pilgerweg zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens bezeichnet. Entstanden in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts, ist die hochmittelalterliche Hauptverkehrsachse Nordspaniens noch heute eine beliebte Strecke – nicht nur für Pilger. Der Weg von den Pyrenäen zum Jakobsgrab verbindet die Königsstädte Jaca, Pamplona, Estella, Burgos und León miteinander und ist allein dadurch bereits eine Sehenswürdigkeit.

Nachdem es eine Zeit lang ruhig um den Jakobsweg geworden ist, stieg ab 1986 die Anzahl der Pilgerreisen und nicht religiös motivierten Wanderungen nach Santiago de Compostela stetig an. Vermutlich spielte es dabei eine große Rolle, dass der Europarat im Jahre 1987 die Wege der Jakobspilger in ganz Europa zur europäischen Kulturroute erhoben und ihre Identifizierung empfohlen hatte. Auf der populärsten Strecke des Jakobswegs wanderten im Jahr 1986 etwa 1.800 Personen, 1988 bereits 3.500 und 1991 schließlich 7.200 Menschen aus aller Welt. Nach einer Besucherzahl von knapp 10.000 im Jahr 1992 wurde der spanische Hauptweg 1993 in das UNESCO-Welterbe aufgenommen. Zehn Jahre später waren dort über 74.000 Menschen aus allen Ländern der Erde unterwegs.

Hier wandern Sie auf christlichen Spuren

Im Jahr 2004, dem „Heiligen Compostelanischen Jahr“, kamen knapp 180.000 Pilger über den Jakobsweg zur berühmten Grabstätte. Einige von ihnen hatten entweder den ganzen Weg oder aber zumindest die letzten 100 Kilometer der Strecke zu Fuß, zu Pferd oder mit dem Fahrrad zurückgelegt. Sammelt man unterwegs bei den einzelnen Stationen einen Stempel und lässt sich diesen im Pilgerausweis dokumentieren, genießt man bestimmte Privilegien. Durch diesen Nachweis kann man in die preisgünstigen Pilgerherbergen einkehren, besondere Abzeichen tragen und diese dann auch ins Grab legen. In Santiago erhalten die Pilger schließlich eine Urkunde.

Nicht nur was für Pilger

Da der Pilgerweg Menschen aus allen Nationen anzieht, ist es neben der kulturellen und spirituellen Erfahrung ein beeindruckendes Erlebnis auf rein menschlicher Ebene. Nicht wenige nutzen die Gelegenheit, Menschen zu begegnen oder das eigene Schicksal zu verarbeiten und neue Kräfte zu sammeln. Der Jakobsweg als Institution bietet somit die Möglichkeit, zum einen für sich zu sein und zum anderen unter Gleichgesinnten. Ein Reiseratgeber für Spanien ist auf einer solchen Wanderung jedoch nicht unwichtig. So entwickelte sich aufgrund der Gemeinsamkeiten eine praktische internationale Verständigung unabhängig von Herkunft, Kultur, Status, Alter und Geschlecht. Dabei spielt es ebenfalls keine Rolle, weshalb man sich auf diese Reise begibt – sei es Pilgern, Wandern, Selbstfindung, Menschen treffen, Erfahrung sammeln oder anderes. Was den Einzelnen zum Jakobsweg treibt, kann nur herausfinden, wer dort ist.

Autor: Sabine Fischer, Platinnetz-Redaktion