Die Meinungen über Graffiti gehen weit auseinander. Die einen sehen darin eine moderne Form von Kunst und eine eigene Kultur, die anderen betrachten Graffiti schlicht als unschöne Schmiererei. Graffiti ist kein neues Phänomen. Die ältesten Graffiti findet man bereits in Pompeji, wo Namen, Sprüche und Bilder in die Hauswände gekratzt oder mit Farbe auf die Mauern gemalt wurden. Noch heute sind es vielfach Namenszüge oder Erkennungszeichen, die an die Wände gesprayt werden. Die Bandbreite reicht von einzelnen Buchstaben bis hin zu aufwendigen, großflächigen bunten Bildern. Ob das nun Kunst ist oder nicht, das bleibt dem persönlichen Geschmack überlassen. Auf der eigenen Hauswand möchten die meisten so ein Kunstwerk aber nicht ungefragt haben.

Graffiti entfernen

Kunst oder nicht, die meisten Graffiti sind illegal angebracht und daher im Sinne des Rechts eine Sachbeschädigung. Wird der Sprayer ermittelt, was meistens nicht der Fall ist, muss er für den entstandenen Schaden zahlen - und das kann teuer werden, denn häufig muss eine Spezialfirma hinzu gezogen werden, um den Lack restlos entfernen zu können. Bei großflächigen Graffiti empfiehlt es sich, die Reinigung einem Fachmann zu überlassen. Bei kleineren Schmierereien kann man durchaus selbst Hand anlegen.

Wie man solche Graffiti wieder entfernen kann, ist abhängig vom Untergrund, auf dem der Lack aufgetragen wurde. Meistens werden Lacke mit einem hohen Anteil an Lösemitteln benutzt. Materialien mit einer hohen Wasseraufnahmekapazität nehmen die Farbpigmente daher mehrere Millimeter tief auf. Will man sie entfernen, muss man unweigerlich die Oberfläche der Wand beschädigen. Andere Baustoffe werden von den Lösungsmitteln stark angegriffen.

Auf glattem Untergrund reicht es, ein chemisches Mittel, das es im Baumarkt für ungefähr 10 Euro pro Kilo zu kaufen gibt, aufzutragen. Das spezielle Gel wird mit einem flachen Pinsel großzügig aufgetragen und mit einer harten Bürste eingearbeitet. Während der Einwirkzeit dringt das Gel durch die Lackschicht und löst die Farbe vom Untergrund ab. Den so entstandenen „Farbbrei“ kann man mit einem Lappen abnehmen und entsorgen. Anschließend unbedingt mit Neutralreiniger nachbehandeln, damit der Prozess des Reinigungs-Gels beendet wird. Ein neuer Anstrich ist so nicht erforderlich. Bei Temperaturen unter fünf Grad sollte man das Gel nicht verwenden, da seine Wirkung dann stark eingeschränkt ist. Während der Reinigung Gummihandschuhe und Schutzkleidung tragen und nicht rauchen.

Wer dem Graffiti mit dem Hochdruckreiniger zu Leibe rücken will, sollte unbedingt auf den Druck und die zu reinigende Oberfläche achten. Sandstein zum Beispiel kann bei Hochdruck bis zwei Millimeter weit abgetragen werden. Bei Sandstein sollte der Druck 100 bar nicht überschreiten. Einige Spezialfirmen, die Fassadenreinigungen vornehmen, verwenden Hochdruckstrahlverfahren, durch die die Oberfläche stark in Mitleidenschaft gezogen wird. Der hohe Druck und das verwendete Granulat machen die Oberfläche offenporig und saugfähig, so dass Nässe ins Mauerwerk dringen kann. Besser und schonender sind Niederdruck-Feuchtstrahlverfahren. Bei großflächigen Graffiti ist es ratsam, eine solche Firma zu engagieren. Erkundigen Sie sich jedoch im Vorfeld nach der verwendeten Methode. Ein seriöses Unternehmen wird außerdem vorher an einer verdeckten Stelle eine Probe vornehmen und sich dann für die passende Methode entscheiden.

Die umweltfreundlichste und materialschonendste Methode ist aber die Lasertechnik. Hierbei werden gepulste Laser mit sehr hoher Lichtleistung auf die Farbschicht gestrahlt, so dass diese in kleinsten Teilchen abplatzt. Der Laser ist ungiftig und kommt ohne chemische Lösungsmittel aus.

Schutz vor Graffiti

Graffiti sollte man möglichst sofort entfernen, damit die Farbpigmente nicht immer weiter in den Stein eindringen können. Außerdem zieht ein Schriftzug fast unweigerlich den nächsten nach sich und so sammeln sich in kürzester Zeit immer mehr Graffiti auf Ihrer Wand an. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, sich davor zu schützen. Das sofortige Entfernen ist eine Möglichkeit. So bleiben Nachfolger mit hoher Wahrscheinlichkeit aus. Eine begrünte Fassade ist auch abschreckend denn nichts ist verlockender für Sprayer als eine glatte Oberfläche.

Wirkungsvoll ist es auch, eine graffitiabweisende Schutzschicht aufzutragen. Es gibt temporäre und permanente Schutzschichten. Semipermanente Sperrschichten verhindern zwar nicht, dass Farbe darauf hält, doch lässt sie sich von einer behandelten Oberfläche wesentlich leichter entfernen, als von einer Wand ohne Schutzschicht. Nach der Entfernung des Graffiti muss diese so genannte Opferschicht erneuert werden. Solche Schutzschichten helfen außerdem gegen jede Art von Verschmutzung und Schimmel sowie gegen das Ankleben von Plakaten. Temporäre Schutzschichten müssen alle fünf Jahre erneuert werden, sind dafür aber wasser- und dampfdurchlässig. Um ein Graffiti zu entfernen, reicht ein heißer Wasserstrahl aus. Nach der Entfernung muss die Schutzschicht erneuert werden.

Daneben gibt es auch permanente Beschichtungen, von denen bis zu 500 Mal Graffiti entfernt werden kann, bevor die Schicht erneuert werden muss. Sie sind nicht abwaschbar und versiegeln das Mauerwerk gegen Wasserdampf. Einige dieser Schichten vergilben aber und werden unschön. Auch hier lässt sich die Farbe einfach mit Wasser abwaschen.

Da die Entfernung von Graffiti im Normalfall sehr aufwendig ist, ist man geneigt, eine Firma zu beauftragen. Leider ist deren Einsatz je nach Größe des Graffiti sehr teuer. Einige Versicherungen bieten daher im Rahmen der Wohngebäude Versicherung auch einen Graffiti-Schutz mit an. Wer öfter von derartigen Schmierereien betroffen ist, für den kann sich der Abschluss einer solchen Zusatzversicherung lohnen.

Autorin: Elke Liermann, Platinnetz-Redaktion