Heimwerken ist auch heute noch eine männliche Domäne. Vier von fünf Unfallopfern im Haushalt sind Männer. Es sind Hobbybastler, denen Übung und Routine fehlt. In der Folge stolpern sie über Kabel oder Werkzeug oder werden aus Übermüdung und Zeitdruck unaufmerksam und stürzen von Leitern oder Dächern.

Als Heimwerker hoch hinaus: Arbeiten auf der Leiter

Zeitdruck ist kein Grund sich zu gefährden. Auch das Fehlen des passenden Werkzeuges sollte nicht dazu führen, mit selbst gebastelten Alternativen zu experimentieren. Viele Heimwerker benutzen zum Beispiel Steighilfen wie Stühle, Getränkekisten oder Kombinationen aus Stuhl und Telefonbuch, weil die passende Leiter gerade nicht griffbereit ist. Solche Hilfskonstruktionen sind gefährlich und sollten niemals benutzt werden. Eine Versicherung berichtet, wie ein 53jähriger Heimwerker bei Deckenarbeiten im Keller vom Stuhl fiel und mit dem Kopf auf den Spülstein aufschlug. Noch gefährlicher ist es, wenn man beispielsweise mit der Bohrmaschine in der Hand von einer wackeligen Konstruktion stürzt. Man sollte daher immer die passende Leiter benutzen und diese wackelfrei auf festem Untergrund platzieren. Arbeitet man in großen Höhen, sollte eine zweite Person die Leiter gegen versehentliches Umstoßen absichern.

Anlegleitern sollten in einem Winkel von etwa 75 Grad angelehnt werden, um sicheren Stand zu gewährleisten. Steht die Leiter zu steil, kippt sie leicht nach hinten. Ist sie zu flach aufgestellt, wippt sie beim Hochsteigen und wird zu stark durchgebogen.

Die Leiter beim Arbeiten immer zum nächsten Arbeitsplatz mitrücken, statt gefährliche Balanceakte nach links und rechts zu wagen. Kabel von Elektrowerkzeugen niemals über die Trittstufen führen, sondern an der Leiter entlang, damit sie nicht zur Stolperfalle werden.

Die Bohrmaschine: Bester Freund der Heimwerker

Kein Heimwerker, der etwas auf sich hält, kommt ohne Schlagbohrmaschine aus. Zum Bohren in Beton, Stein oder andere sehr harte Materialien ist sie unschlagbar.

Vor dem Einsatz der Schlagbohrmaschine sollte man immer überprüfen, ob in der Wand keine Strom-, Gas- oder Wasserleitungen laufen. In Baumärkten gibt es Geräte, die solche Leitungen zuverlässig anzeigen.

Bohraufsätze sollten immer ein einwandfreies Gewinde und eine intakte Spitze haben, damit sie nicht abrutschen. Will man in Kacheln bohren, klebt man ein Kreuz aus Krepp oder Heftpflaster auf die entsprechende Stelle, um das Abrutschen des Bohrers zu verhindern.

Vor dem Bohren immer überprüfen, ob der Bohrer fest im Futter eingespannt ist, Schmuck oder Ringe ablegen und Ärmel nach innen hochkrempeln. So kann sich beim Arbeiten nichts verfangen. Auch wenn es lästig sein mag: Handschuhe sollten beim Bohren abgelegt werden. Sie können von der Bohrmaschine erfasst und von der Hand gerissen werden. Im Extremfall kann das den Verlust eines Fingers zur Folge haben.

Wichtig ist, die Bohrmaschine immer senkrecht zur Wand zu halten. Der Zusatzgriff verleiht mehr Sicherheit beim Arbeiten.

Sicherheitsausrüstung für Heimwerker

Auch wenn es einem im ersten Moment albern erscheinen mag, eine persönliche Schutzausrüstung sollte im Haus sein. Die wichtigsten Dinge sind Handschuhe und Schutzbrille. Winzige Teilchen können blitzschnell ins Auge gehen. Auch der Reflex, das Auge zu schließen, schützt nicht davor, dass sich kleinste Partikel schmerzhaft in die Netzhaut bohren. Eine Schutzbrille, die an den Seiten anliegt, bietet zuverlässigen Schutz.

Ab 85 Dezibel (A) empfiehlt die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Gehörschutz. Auch Kettensägen, Kreissägen und Winkelschleifer, die der Heimwerker benutzt, überschreiten diesen Wert mit 100 bzw. 110 Dezibel (A) deutlich. Beim Kauf eines Gehörschutzes sollte man auf den SNR-Wert achten, der auf der Packung angegeben ist. Je höher der angegebene Wert in Dezibel ist, desto höher ist die Schalldämmung. Ob man sich für die so genannten Micky-Maus-Ohren, also einen Kapsel-Gehörschutz, oder Ohrstöpsel entscheidet, ist eine Frage des Geschmacks und der eigenen Vorliebe.

So erkennt man gutes Werkzeug

Wer als Heimwerker erfolgreich und sicher arbeiten will, braucht gutes, solides Werkzeug, auf das er sich verlassen kann. In Baumärkten und Discountern ist die Auswahl an Werkzeug unüberschaubar groß. Wer nicht weiß, worauf er achten muss, wird leicht verleitet, zu preiswerten Varianten zu greifen. Doch gutes Werkzeug hat seinen Preis, der durch Material und Verarbeitung gerechtfertigt ist. Auch wer sich selten als Heimwerker betätigt, sollte auf gutes Werkzeug Wert legen. Preiswerte Alternativen sind oft schlecht verarbeitet. Hammerköpfe sitzen so locker auf dem Stiel, dass sie beim ersten Gebrauch durch die Gegend fliegen, billige Schraubenzieher können sich beim Arbeiten verbiegen. So macht das Heimwerken keinen Spaß.

Gutes Werkzeug dagegen zeichnet sich durch gute Verarbeitung aus. Die Nähte sind entgratet, so dass man sie nicht fühlen kann. Gute Werkzeuge bestehen aus gehärtetem Metall mit Legierungen aus Chromvanadium, Molybdän oder Wolfram oder sie haben einen Diamantbesatz oder eine PVD-Beschichtung. Sie verbiegen sich auch bei hohen Belastungen nicht und rutschen nicht leicht ab. Auf jedem einzelnen Stück sollten die Härtung und der Herstellername angegeben sein. Solches Werkzeug hat seinen Preis.

Bei Elektrowerkzeugen bieten Prüfzeichen wie das GS-Zeichen eine gewisse Sicherheit. Geräte mit dem GS-Zeichen werden von einer unabhängigen Stelle geprüft und die Herstellung wird regelmäßig überwacht. Das Institut, das die Prüfung durchführt, muss im GS-Siegel angegeben sein. Das GS-Zeichen können Hersteller freiwillig auf ihren Geräten anbringen. Geräte mit diesem Zeichen arbeiten technisch einwandfrei und sind auch für Hobby-Heimwerker sicher in der Handhabung. Es lohnt sich, ein wenig mehr für gutes Werkzeug auszugeben. Es hat eine wesentlich längere Lebenszeit, als günstige Komplettpakete aus dem Discounter und es schützt den Heimwerker vor unnötigen Gefahren.

Neben wackeligen Leitern, schlechtem Werkzeug und falsch bedienten Bohrmaschinen liegen gerade im Hantieren mit Strom und im Arbeiten mit Sägen große Gefahren für Heimwerker. Sämtliche Reparaturen, die mit Strom zu tun haben, sollte man dem Fachmann überlassen. Teile mit beschädigter Isolierung darf man niemals anfassen. Bei Elektrogeräten muss man unbedingt auf intakte Kabel achten.

Beim Arbeiten mit Sägen aller Art sollte man immer Handschuhe, Gehörschutz und Schutzbrille tragen.

Die Regeln für die eigene Sicherheit ergeben sich im Grunde aus dem gesunden Menschenverstand. Ist man in Eile oder übermüdet, kann es trotzdem passieren, dass man unaufmerksam wird und es zu einem Unfall kommt. Das Heimwerken sollte man also besser auf einen späteren Zeitpunkt verschieben, wenn man eine anstrengende Woche hatte. Besser, die Reparatur wird erst nächste Woche fertig, als dass man seine Gesundheit riskiert.

Autorin: Elke Liermann, Platinnetz-Redaktion