„Heidi, Du bist ein klassisches Mobbing-Opfer“, stellte ihre beste Freundin Regina fest, der sich Heidi anvertraut.

Seelische und körperliche Folgen von Mobbing

Herr Stendal ist Heidis Vorgesetzter. Doch Herr Stendal geht stramm auf seine wohlverdiente Rente zu und will von dem ganzen „Mobbing-Gerede“ nichts hören. Dass vier von Heidis Arbeitskollegen, insgesamt sind es zehn, ständig über Heidi tuscheln, sie vom gemeinsamen Mittagessen ausgrenzen, auf dem Flur nachäffen – ihren Gang, ihre Gesten, ihre Stimme – all das ignoriert er. Er habe sie ja schon in einen anderen Raum versetzt, wo sie ihre Ruhe habe. Doch in dem kleinen Kabuff am Ende des Flurs kommt sich Heidi noch ausgegrenzter vor als im Großraum-Büro mit ihren „mobbenden“ Arbeitskollegen

Heidis Selbstbewusstsein war noch nie das größte. Doch jetzt zieht sie sich auf der Arbeit mehr und mehr zurück, ist misstrauisch und fühlt sich als totale Außenseiterin. Die Auswirkungen des Mobbings auf ihre seelische und körperliche Gesundheit sind nicht zu übersehen: Heidi leidet seit ihren ersten Arbeitstagen im neuen Job zunehmend unter Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Magenproblemen und Durchfall. Manchmal glaubt sie sogar, sie bekommt einen Herzinfarkt, weil sie plötzlich heftigste Brustschmerzen und Atemnot verspürt. Ihr Arzt hat sie letzte Woche einmal mehr gründlich untersucht, nichts Ernstes gefunden und sie nun bereits zum zweiten Mal in den zwei Monaten eine Woche krankgeschrieben. Von ihren Problemen am Arbeitplatz und der psychischen Belastung im Job hat sie dem Doktor aber nichts erzählt; der „hält sie sonst noch für verrückt oder für eine Simulantin“, fürchtet Heidi.

Experten zum Thema Mobbing

„Mobbing-Opfer wie Heidi gibt es viele“, wissen Mobbing-Experten wie Gerhard Bien, Arzt für Psychiatrie, Neurologie und Psychotherapie. Ziel von Mobbing ist es, den Arbeitskollegen systematisch auszugrenzen. „Das darf aber nicht mit Streitereien oder Konflikten gleichgesetzt werden – das kommt an jeder Arbeitsstelle vor“. Dabei kommt Mobbing nicht nur im Job vor; bereits Schulkinder leiden unter diesem Terror. Mobbing kann von seelischer Gewalt bis hin zu körperlicher Misshandlung und sexuellen Übergriffen gehen.

Der Begriff Mobbing stammt von dem englischen Wort „to mob = anpöbeln, schikanieren“. Gründe für Mobbing am Arbeitsplatz gibt es viele: Konkurrenzdruck, hoher Leistungsdruck oder starke Hierarchien zum Beispiel. „Die Mobbing-Opfer fühlen sich meist selbst schuldig und können sich nur schwer gegen das Mobbing wehren“, so die Experten. Der einzige Ausweg für sie ist häufig ein Jobwechsel; sie kündigen, weil die Arbeitssituation für sie unerträglich geworden ist, oder ihnen wird aus irgendwelchen Gründen gekündigt.

Was der Experte rät: Aussprache mit den Mobbern suchen, sich an den Vorgesetzten, den Personalrat, Betriebsrat oder Gleichstellungsbeauftragten wenden, sich mit Gleichgesinnten solidarisieren und alle Mobbing-Attacken dokumentieren – für den Fall eines Prozesses. In der Freizeit sollte man versuchen abzuschalten, sich abzulenken und zu entspannen. Und vor allem darf man nicht denken, man selbst hätte Schuld daran, dass man gemobbt wird.

Arbeitsrecht

Die Rechtslage zum Thema Mobbing ist äußerst uneinheitlich und unübersichtlich. Zieht ein Geschädigter vor Gericht und weist systematisches Mobbing nach, kann er eventuell ein Schmerzensgeld erstreiten. Die Erfolgschancen hängen jedoch von vielen Kriterien wie der Auslegung durch das angerufene Gericht, der Schwere der Vorfälle und natürlich der Beweislage ab. Und in der Regel ist Mobbing eher schwierig nachzuweisen.

Kündigt ein Arbeitnehmer von sich aus, weil er die psychische Belastung nicht mehr ertragen kann, sind die Aussichten auf eine angemessene Entschädigung oder eine Abfindung ebenfalls ungewiss. In jedem Fall empfiehlt es sich, einen auf den Bereich Arbeitsrecht spezialisierten Anwalt zu konsultieren, um gemeinsam mit ihm das künftige Vorgehen und eventuelle rechtliche Schritte zu beraten.

Autor: Dr. Martina Waitz, Platinnetz-Redaktion