Längst wurde erkannt, dass das Büro eine wahre Singlebörse ist. Jede dritte Ehe in Deutschland hat sich am Arbeitsplatz angebahnt. Liebe im Büro ist schon lange kein Tabu mehr, aber wie sieht es aus, wenn man sich nicht in einen Kollegen, sondern in den eigenen Chef verliebt hat? Umfragen zufolge haben fast ein Viertel (24 Prozent) der Arbeitnehmer schon mal eine Beziehung zu einem höherrangigen Angestellten der eigenen Firma gehabt. Wobei hauptsächlich die Frauen diejenigen sind, die in Liebe zu ihrem Chef entflammen. So ging es auch Marika (52): "Es war nicht die Liebe auf den ersten Blick. Eigentlich eher das Gegenteil", lacht sie. "Wir haben am Anfang recht eng zusammen gearbeitet und das war oft sehr stressig. Nach zwei Jahren habe ich ein anderes Aufgabenfeld zugeteilt bekommen und wir hatten nicht mehr so viel miteinander zu tun. Auf der Weihnachtsfeier haben wir uns dann zum ersten Mal privat unterhalten. Und da ist der Funke dann übergesprungen."

Die Beziehung zum Chef

Wie geht man damit um, wenn die Gefühle offenbart und erwidert werden? Publik machen oder verschweigen? Die Angst vor der Reaktion der Kollegen ist oft groß. Auf der einen Seite möchte man nicht zum Klatschthema des Monats werden und auf der anderen Seite setzt man sich der Gefahr aus, dass die Kollegen vermuten, der Chef würde den neuen Partner übervorteilen. Aus dem Grund halten viele Ihre neue Liebe zumindest zunächst noch geheim. So haben es auch Marika und ihr Chef gemacht. "Wir haben es den Kollegen erst nach zwei Jahren gesagt, als wir beschlossen haben, zu heiraten. Es war schon anstrengend, sich im Büro immer zu verstellen, aber irgendwie hatte das auch einen gewissen Reiz." Marikas Kollegen haben übrigens später gesagt, sie hätten es alle schon längst geahnt. "Angesprochen hat mich aber nie einer", sagt sie. Fast alle Paare warten zumindest erst einmal die Anfangsphase ihrer Beziehung ab. Stellt es sich als etwas Ernstes, das Zukunft haben könnte, heraus, legen die meisten die Karten auf den Tisch. Und das ist auch die angemessenste Art mit der Liebe am Arbeitsplatz umzugehen. Denn ein Verheimlichen auf Dauer führt nur zu unnötigem Beziehungsstress. Um dem Tratsch und der Missgunst der Kollegen aus dem Weg zu gehen, lässt sich oft einer der Partner in eine andere Abteilung versetzen. Das verhindert Zoff mit den Kollegen und beugt dem Klischee vor, der Angestellte habe sich nur mit dem Chef eingelassen, um die Karriere voran zu treiben.

Doch nicht nur die Kollegen können zum Problem werden. Lässt man sich auf eine Beziehung mit dem Chef ein, muss man Arbeit und Freizeit strikt trennen können. Erstens darf die Arbeit nicht unter der Partnerschaft leiden und zweitens sollte man die Arbeit nicht mit in die gemeinsame Freizeit tragen. Beides ist nicht gerade einfach und erfordert viel Willensstärke und Disziplin. Doch dies ist sowohl für die Arbeit, als auch für die Partnerschaft wichtig. Die wirklich schwerwiegenden Probleme treten jedoch erst im Falle einer Trennung auf. Aus welchen Gründen auch immer man sich getrennt hat: Es wird zukünftig sehr schwierig, jeden Tag im Büro aufeinander zu treffen. Die gemeinsame Zeit, zu der beide Seiten quasi gezwungen werden, kann einem das Leben ganz schön schwer machen. Selbst wenn sich beide Seiten fair und erwachsen verhalten, wird die Trennungsphase komplizierter als bei einer anderen Beziehung. Wenn allerdings die Trennung von Chef und Untergebenem in einer Schlammschlacht endet, ist das für beide Gift für die Karriere - und hier hat nicht unbedingt der Chef das Oberwasser. Schlägt die Liebe tatsächlich in Hass um, muss einer von beiden sich versetzen lassen oder besser sogar: Die Firma wechseln!

Arbeitsrecht

Während es in Amerika nicht untersagt ist, eine Klausel zum Verbot privater Liebschaften am Arbeitsplatz im Arbeitsvertrag aufzunehmen, ist dies in Deutschland nicht gestattet. Private Beziehungen dürfen nicht verboten oder unterbunden werden. Im Arbeitsrecht ist jedoch verankert, dass das Verhalten der Angestellten keine negative Auswirkungen für die Firma haben darf. Demnach darf die Arbeit nicht unter einer Liebelei leiden - private Angelegenheiten dürfen also zum Beispiel nicht während er Arbeitszeit miteinander geklärt werden. Außerdem darf der Chef den Partner natürlich nicht aus privater Sympathie den anderen Angestellten vorziehen.

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion