Immer mehr Familien sind auf ein doppeltes Einkommen angewiesen, um ihre Lebenshaltungskosten decken zu können. Wenn beide Elternteile arbeiten müssen, kann die Kinderbetreuung jedoch schwierig werden. KiTa-Stellen sind knapp und nicht jede Schule verfügt über eine Nachmittagsbetreuung. In solchen Situationen können Leihomas und Leihopas ein wahrer Segen sein. Anders als bei Tagesmüttern oder Babysittern steht bei den Leihgroßeltern nicht der kommerzielle Aspekt im Vordergrund, sondern der soziale: der Anschluss an die Familie.

Großeltern bieten Unterstützung mit Rat und Tat

Karin (42) ist alleinerziehende Mutter. Ihr achtjähriger Sohn Tim hat seit drei Jahren eine Leihoma. "Ich musste Tim früher ständig mit wechselnden Babysittern alleine lassen. Für ihn war es nicht leicht, dass oft ein fremdes Mädchen auf ihn aufgepasst hat. Und für mich war das natürlich auch kein schönes Gefühl." Doch dann wurde Karin über eine Vermittlungsstelle im Internet auf die Aktion Leihomas und Leihopas aufmerksam. Sie gab eine Suchanfrage auf und fand Gela (68), die nur zwei Bahnstationen entfernt wohnt. Und seit dem ist die kleine Familie nicht nur viel glücklicher, sie ist auch noch um ein Mitglied reicher. "Unsere geliehene Oma ist genauso wie eine echte" erzählt Karin. "Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, wie es ohne sie wäre." Gela fährt mit Tim in den Zoo, spielt mit ihm Fußball und liest ihm Geschichten vor. Sie ist nicht nur für Tim da, sondern unterstützt auch Karin immer wieder mit Rat und Tat. "Die Lebenserfahrung unserer Wunschoma ist unersetzlich" sagt Karin strahlend. Sie ist überzeugt davon, dass für ihren Sohn der Kontakt zur Großeltern-Generation wichtig und hilfreich für die Zukunft sein wird.

Neuer Schwung

Nicht nur Karin und Tim sind glücklich, sondern auch Gela ist froh, dass sie sich als Leihoma zur Verfügung gestellt hat. "Tim hat mir sogar Fußballspielen beigebracht. Es macht richtig Spaß etwas mit ihm zu unternehmen" erzählt sie. Bevor Gela ihre neue Familie kennenlernte, war sie viel alleine. Ihr eigener Sohn ist vor mehr als 15 Jahren in die USA gezogen. Ihre beiden Enkelkinder sieht Gela deswegen nur sehr sporadisch, womit sie lange Zeit zu kämpfen hatte. "Aber jetzt habe ich eine Leihtochter und einen Leihenkel, die mich auf Trab halten" lacht sie. Gela hatte durch ihren Ortsverbund von dem Projekt erfahren und ist auch darüber an Karin und Tim gekommen. Manchmal treffen sie und Tim sich auch nachmittags mit anderen Leihgroßeltern und deren Wunschenkeln. Die Kinder spielen gemeinsam, und die Erwachsenen können sich über ihre Leih-Erfahrungen austauschen oder einfach nur klönen.

Organisation der geliehenen Großeltern

Leihomas und Leihopas sind im Moment sehr begehrt. Bei den Vermittlungsstellen gibt es jede Menge Anfragen und lange Wartelisten. Besonderer Mangel herrscht an Leihopas. Leihgroßeltern sowie interessierte Familien können sich bei einer zuständigen Stelle, zum Beispiel dem Deutschen Roten Kreuz, ihrem Ortsverband oder ihrer Gemeinde, melden und informieren. Wichtig zu wissen ist, dass Leihomas und Leihopas weder Babysitter noch Haushaltshilfen oder Putzfrauen sind. Sie sollten Familienintegration erfahren. Die Eltern müssen bereit sein, den Wunschgroßeltern eventuelle Fahrtkosten zu erstatten, je nach Organisation kann auch ein kleines Anerkennungsentgeld üblich sein. Das erste Treffen zwischen Großeltern und Eltern sollte an einem neutralen Ort und ohne Kind stattfinden. Hier sollten grundsätzliche Dinge geklärt werden. Wenn die Chemie stimmt und sich alle Beteiligten wohl fühlen, kann die neue Oma oder der neue Opa dem Leihenkel vorgestellt werden. Hierfür eignen sich Orte, an denen sich das Kind besonders wohl fühlt - zum Beispiel der Zoo oder ein Freizeitpark. Wenn sich dann auch noch Kind und Oma bzw. Opa gut verstehen, kann das Projekt starten. Und läuft es so gut wie bei Karin, Gela und Tim, dann steht einer gemeinsamen Zukunft nichts im Weg.

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion