Jeder von uns hat sich solche Geschichten schon erzählen lassen – von seinen Großeltern, Eltern, Tanten, Onkeln oder Nachbarn.

Sich mitzuteilen gehört zu den menschlichen Grundbedürfnissen. Durch Reden tauschen wir nicht nur Informationen aus, sondern bauen soziale Beziehungen auf, teilen Gefühle mit einander. Das Zuhören dagegen scheinen viele Menschen verlernt zu haben, zu groß ist manchmal das eigene Mitteilungsbedürfnis. Schade eigentlich, denn die besten Geschichten sind zum Greifen nah.

Spannende Erinnerungen

Das, was für ältere Menschen normaler Alltag war, lässt nachfolgende Generationen die Ohren spitzen. Erzählungen aus einer lang vergangenen Zeit, in der es weder Telefon noch Fernseher gab, in der Väter, Ehemänner und Brüder nicht aus dem Krieg zurück kehrten, in der Hungersnot herrschte und die Eltern samstags in die von ihren Kindern hinterlassene Badebrühe stiegen, um sonntags sauber für die Kirche zu sein. Wenn Menschen auf ein langes Leben zurück blicken können, verfügen sie über ein schier unerschöpfliches Repertoire an Eindrücken und Erlebnissen. Und gerade im Alter verspüren viele Menschen das Bedürfnis, ihre Geschichten noch einmal zu erzählen, sei es aus sentimentalen Gründen oder um sie zu verarbeiten und abschließen zu können.

Doch was passiert mit den Erinnerungen, wenn die, die sie erlebt haben, nicht mehr von ihnen erzählen können? Dann gehören sie endgültig der Vergangenheit an. Es sei denn...

... Sie schreiben diese Geschichten auf.

Wie schreibe ich Geschichte(n)?

Eigentlich ist es ganz einfach. Das einzige, was man dafür braucht, ist Interesse an anderen Menschen und deren Erzählungen, Spaß am Schreiben und Zeit. Einen Menschen zu finden, der Lust hat, über sein Leben zu erzählen, wird schnell gefunden sein. Wenn nicht in Ihrem eigenen Umfeld, dann sicher in Einrichtungen, in denen ältere Menschen leben oder ihre Freizeit verbringen. Aber auch Wohlfahrtsverbände wie der Arbeiter-Samariter-Bund unterstützen derartige Projekte, in denen ehrenamtlich tätige Helfer ältere Menschen besuchen, sich deren Lebensgeschichte erzählen lassen, um diese dann zu Papier zu bringen.

Keine Geschichte ohne Vertrauen

Um eine angenehme Gesprächsatmosphäre zu schaffen, ist gegenseitiges Vertrauen unerlässlich. Denn schließlich geht es bei den Geschichten um private, manchmal auch emotional berührende Erlebnisse der Menschen, mit denen die Geschichtsschreiber sensibel umgehen sollten. Ist das Vertrauen erst geschaffen, kommen die Geschichten oft von alleine.

Beim Zuhören empfiehlt es sich, die Gespräche – in Absprache mit dem Erzählenden – mit einem Diktiergerät aufzuzeichnen, damit Details und gute Zitate nicht verloren gehen. Bevor Sie sich nun an das Schreiben der Geschichte machen, sollten Sie die Inhalte gliedern und in Abschnitte oder Kapitel unterteilen.

Lebendige Erinnerungen zwischen zwei Buchdeckeln

Ist das geschriebene Werk dann fertig, sind seiner Gestaltung keine Grenzen gesetzt. Fotos, Grafiken oder eingescannte Dokumente sind wunderbare Mittel, die Lektüre zu verbildlichen und aufzulockern. Je nach Seitenumfang und finanziellen Mitteln steht zuletzt die Entscheidung an, ob Sie das fertige Werk ausdrucken oder drucken lassen, heften oder binden lassen. Was den Schreiber zu Recht mit Stolz erfüllt, ist am Ende ein Geschenk für alle Beteiligten: Für den Erzähler, der seine eigene Geschichte in den Händen hält, für seine Nachkommen, die diese Geschichte lesen können – und für den Geschichtsschreiber selbst, der dazu verholfen hat, dass die Geschichte weiterlebt.

Autorin: Kerstin Brenig, Platinnetz-Redaktion