Lesenpatenschaften spornen Kinder an

In den Gruppen werden die Kinder angespornt, selbst etwas vorzulesen.

Die Leseinitiativen entstanden, nachdem immer mehr Studien auf die bedenklichen Entwicklungen der Sprach- und Lesekompetenz der Kinder und Jugendlichen aufmerksam machten. Folgende Beobachtungen ergaben sich:

  • vermehrte Sprachentwicklungsverzögerung
  • ca. 4 Millionen Menschen leiden in Deutschland unter funktionalem Analphabetismus, d.h. sie erkennen zwar Buchstaben und können auch ein paar Worte schreiben, erfassen aber kaum den Sinn eines längeren Textes
  • ca. 25 % der Schüler einer 8. Klasse haben Lese- und Schreibschwächen

Stellenwert von Büchern

Die Ursachen für die nachlassende Sprach- und Lesekompetenz sind vielfältig. Experten verweisen auf die schwierige Situation vieler Familien heutzutage. Eltern haben oft beruflich bedingt wenig Zeit für ihre Kinder. Da scheint es nicht mehr selbstverständlich zu sein, zusammen zu sitzen und sich dem gemeinsamen Lesen zu widmen.  Zudem haben einige Eltern selbst keinen Bezug zu Büchern und legen wenig Wert auf das Lesen und Vorlesen. Sicherlich auch durch diese Faktoren bedingt,  beschäftigen sich immer mehr Kinder lieber mit Computerspielen oder Fernsehen. Eine Studie der Stiftung Lesen ergab, dass 45 % der 14- bis 19-Jährigen als Kind nie ein Buch geschenkt bekamen. Kinder mit Migrationshintergrund sind oft besonders förderungsbedürftig. Sie sind doppelt benachteiligt, sollte Zuhause kein oder kaum Deutsch gesprochen werden.

Lesepatenschaften - Constanze macht es

Constanze (51) hatte durch ihre beste Freundin von dem Projekt „Vorlesen“ gehört. Schon lange hatte sie sich vorgenommen, sich ehrenamtlich zu engagieren und die Gelegenheit dann auch gleich ergriffen.

„Ich war ganz schön aufgeregt, vor dem ersten Mal. Das war allerdings überflüssig. Als sich die Kinder in der Kita um mich versammelt hatten, dauerte es gar nicht so lange, bis sie ruhiger wurden und dann haben sie mir tatsächlich eine Viertelstunde lang ganz gebannt zugehört. Das war wunderbar. Ich freue mich immer schon aufs nächste Mal.“

Neben dieser Form des Vorlesens in der Gruppe gibt es auch einige Paten, die sich ganz individuell um ein Kind kümmern. So kann eine enge Bindung entstehen und oft ist die gemeinsam verbrachte Stunde für die Kinder etwas ganz Besonderes. Denn selten haben sie das Erlebnis, dass sich ein Erwachsener nur um sie kümmert. Bei den meisten Kindern tritt ziemlich rasch eine Verbesserung in der Schule ein. Die Verbesserung der deutschen Sprache wirkt sich auf alle Fächer aus und stärkt ganz nebenbei noch das Selbstbewusstsein. So kann mit relativ geringem Einsatz eine große Wirkung erzielt werden: Bessere Bildung und damit mehr Chancen im Leben. Informieren können Sie sich über die Projekte selbstverständlich auch im Internet auf der Seite der Lesepaten.

Autorin: Dorothee Ragg, Platinnetz-Redaktion