Kommunalwahl, Landtagswahl, Europawahl, Bundestagswahl. Damit die vielen Wahlen reibungslos ablaufen, werden immer wieder unzählige freiwillige Wahlhelfer benötigt. Denn die zuständigen Behörden können die aufwändigen Arbeiten schließlich kaum alleine erledigen.

Mithelfen bei Wahlen im Wahllokal oder bei der Briefwahl

Wer bei den Wahlen als freiwilliger Helfer dabei sein will, der hat mehrere Möglichkeiten. Man kann sich zum Beispiel dazu verpflichten, im Wahllokal jedem Bürger seine Wahlunterlagen zu überreichen und aufpassen, dass er sie danach unter Einhaltung des Wahlgeheimnisses in die richtige Urne wirft. Oder man hilft bei der Briefwahlauszählung mit. Denn auch die Stimmen, die vorab per Post abgegeben werden, dürfen erst am Wahltag ausgewertet werden. Doris (63) und ihr Lebensgefährte Erich (66) waren schon öfters als Freiwillige bei Wahlen mit dabei, immer bei der Briefwahl. Doris findet es jedes Mal wieder "unglaublich aufregend, bei einer Wahl mitzuhelfen". Ihre Aufgabe ist es, Briefe zu öffnen, zu prüfen ob alles korrekt ausgefüllt wurde und natürlich ab 18 Uhr die Auszählung durchzuführen. "Das ist das Spannendste", erzählt die 63-jährige begeistert. "Dann bekommt man so langsam eine Ahnung, welche Parteien gut abschneiden könnten. Aber man weiß es natürlich nicht genau!" Auch wenn Wahlhelfer die Stimmen auszählen, wissen sie trotzdem nicht, wie es am Ende ausgeht und verfolgen am Wahlabend gespannt die neuesten Hochrechnungen.

Wer bei Wahlen helfen will, braucht keinerlei Vorkenntnisse

Wer als Freiwilliger dabei sein möchte, muss als Wahlberechtigter registriert sein. Ansonsten gibt es keinerlei Bedingungen, es reicht, sich bei den Behörden zu registrieren. Und keine Sorge, für diejenigen, die zum ersten Mal dabei sind, gibt es zahlreiche Hilfen: In Leitfäden und bei Schulungen werden der genaue Ablauf und die Regeln erklärt. Außerdem arbeiten Wahlhelfer immer im Team. Ein erfahrener Wahlhelfer wird schon vorab zum Vorsteher auserkoren. Er übernimmt die Leitung, kennt sich bestens aus und sorgt dafür, dass alles korrekt abläuft. Im Team sind noch weitere Positionen zu besetzen, die man je nach Lust und Talent ausüben kann. Beispielsweise der Schriftführer, der die Ergebnisse in einer Art Protokoll gewissenhaft festhalten muss.

Hinter den Kulissen bei Wahlen – So funktioniert Demokratie

Derjenige, der seine Stimme abgibt, kann meist nur erahnen, dass hinter den Kulissen jede Menge zu erledigen ist. Vor allem beim Auszählen der Stimmen müssen strikte Regeln eingehalten werden, um beispielsweise nicht das Wahlgeheimnis zu verletzen. Außerdem hält man sich besser an den vorgeschriebenen Ablauf, denn sonst kann es schnell zu Flüchtigkeitsfehlern kommen. Wenn am Ende das Ergebnis nicht stimmt, dann muss man unter Umständen noch einmal von vorne anfangen.

Wenn dann die Stimmzettel ausgezählt werden, müssen Wahlhelfer auch prüfen, ob die jeweilige Stimme gültig ist. Denn nicht jeder macht sein Kreuzchen da, wo es sein sollte. Auch Doris hat schon kuriose Stimmzettel gesehen. Durchgestrichene Kandidaten, humorvolle Kommentare, und Kreuzchen gleich bei mehreren Parteien, alles kommt vor. "Die Leute sind bei der Stimmabgabe manchmal äußerst kreativ, sagen wir es einmal so", berichtet die 63-jährige. "Es kommt sogar vor, dass Stimmzettel mit Schere und Klebstift zusammengebastelt werden". Wenn der Stimmzettel so wie in diesem Fall nicht mehr vollständig ist, ist das ein klarer Fall von ungültig. Doch so einfach ist das nicht immer zu entscheiden. Wenn die Wahlhelfer in der Urne kritische Zettel finden, müssen sie gemeinsam darüber entscheiden, ob er gültig ist oder nicht. Denn wenn nicht eindeutig zu erkennen ist, für wen der Wähler seine Stimme abgegeben hat, darf die Stimme nicht zählen. Jedes Detail ist wichtig, und es ist die Aufgabe der Wahlhelfer, auf solche Kleinigkeiten zu achten. Im Zweifelsfall wird ganz demokratisch im Team abgestimmt, ob ein Stimmzettel gültig ist oder nicht. So sieht Demokratie im Kleinsten aus.

Wer bei Wahlen mithilft, hat auch etwas davon

Als Wahlhelfer hat man zwar eine wichtige und ernst zu nehmende Aufgabe zu erfüllen, aber es kann auch Spaß machen, mit anderen Menschen zusammen im Namen der Demokratie zu arbeiten. Denn im Wahlbüro kommen die unterschiedlichsten Menschen zusammen: Studenten, Rentner, ganze Familien machen gemeinsam mit. Und es gibt sogar noch einen kleinen Bonus. Die meisten Wahlämter bezahlen das sogenannte "Erfrischungsgeld", das ist ein zweistelliger Betrag, der in den Bundesländern unterschiedlich hoch ist und nach getaner Arbeit ausbezahlt wird. Manchmal gibt es auch Verzehrgutscheine oder andere kleine Belohnungen für die Helfer. Es kann sich also aus vielerlei Hinsicht lohnen, sich an einigen wenigen Tagen im Jahr freiwillig als Wahlhelfer zu melden. Und wenn es für dieses Mal schon zu spät ist: Die Wahlbehörden suchen jederzeit neue Freiwillige. Denn eines ist sicher: Die nächsten Wahlen kommen bestimmt.

Autorin: Julia Heilig, Platinnetz-Redaktion