Rechte Gefahren im Internet

Ungefähr 1.800 rechtsextreme Webseiten sind in Deutschland bekannt, die Tendenz ist steigend. Versandhandlungen für CDs mit faschistischen Inhalten, antisemitische Foren oder Profile von Rechten auf sozialen Netzwerken gehören dazu. Unter dem Deckmäntelchen der Anonymität können sich im Internet Neonazis beinahe ungestört einrichten, ihre Parolen verbreiten und Werbung betreiben. Um dem Einhalt zu gebieten, ist jeder Internetnutzer gefordert, um die Gefahren von rechts zu minimieren. Denn genauso wie Rechtsradikale in der Anonymität das Internet für Ihre Parolen missbrauchen, können auch die, die das nicht akzeptieren wollen, dagegen mobil machen. Trifft man etwa in einem sozialen Netzwerk auf einen Nutzer mit rechtsradikaler Haltung, sollte man auf jeden Fall kund tun, dass man mit seiner Haltung nicht einverstanden ist. Sich mit anderen Nutzern zu  solidarisieren und durch Protest deutlich anzuzeigen, dass rechtsextreme Texte im Internet nichts zu suchen haben, ist der richtige Weg, um dem Einhalt zu gebieten. Denn Demokratie und Menschenrechte gelten auch in der virtuellen Realität!

Protest im Internet: Netz gegen Nazis

Als erste Anlaufstation beim Protest gegen Rechtsradikalismus gibt es die Webseite „Netz gegen Nazis“, initiiert von der „Zeit“, heute unter der Federführung der Amadeu Antonio Stiftung. Hier kann man sich beispielsweise über gängige Formulierungen der Rechten informieren. Denn häufig transportieren kryptische Abkürzungen, Anspielungen auf Nazi-Funktionäre oder Liedtexte rassistische und menschenverachtende  Botschaften, die man als Außenstehender gar nicht erkennt. Um gegen Nazis einzustehen, ist es allerdings hilfreich, solche verdeckten Parolen zu erkennen. Wer sich also aktiv gegen Rechte engagieren will, kann sich beim „Netz gegen Nazis“ über sie informieren. Hier wird erklärt wie man reagieren kann, wenn man auf Rechtsradikale trifft oder rechte Gewalt erlebt hat. Was soll man etwa tun, wenn man auf verbotene Symbole stößt? Wie sollte man vorgehen, wenn man Zeuge eines rechtsextremen Angriffs wurde? Stammt die CD, die das Enkelkind auf dem Schulhof ausgeteilt bekommen hat, von der NPD? All diese Fragen werden hier beantwortet und können mit anderen engagierten Nutzern diskutiert werden. „Netz gegen Nazis“ will vor allem eine Anlaufstelle sein, für alle, die sich aktiv gegen Rechtsextremismus wehren und ihren Protest laut und aktiv gestalten wollen.

Protest der Generation 50 Plus

Um diesen aktiven Protest noch besser zu unterstützen, richtet sich das „Netz gegen Nazis“ jetzt mit dem Projekt „Silver Surfer gegen Nazis“ gezielt an die Generation 50 Plus. Denn die Diskussionen und das Aufeinanderprallen von Rechtsextremen und Gegnern verläuft im Internet oft heftig. Gerade wenn Jugendliche mit verschiedenen Meinungen im Netz aufeinander treffen, kommt es schnell zu hitzigen und aggressiven Reaktionen, die nicht gerade zu einer Beruhigung und einer neutralen Aufklärung beitragen. Viel besser ist es daher, sachlich und ruhig zu reagieren.

Was hat aber die Generation 50 Plus damit zu tun? Der Schirmherr des Projektes, Dr. Henning Scherf erklärt die Idee dahinter: „Ältere Menschen besitzen einen vielfältigen Erfahrungsschatz. Gerade sie können rechtsextremen Sprücheklopfern ihre Grenzen aufzeigen und deren Parolen entlarven“. Nutzer mit mehr Lebenserfahrung und einer gewissen Besonnenheit können also auf die Auseinandersetzung im Netz positiv einwirken. Eine erste Aktion innerhalb dieses Projektes waren Workshops Ende 2009, in denen die aktuellen Formen des Rechtsextremismus im Internet gerade älteren und erfahreneren Nutzern aufgezeigt wurden. Auch der Kontakt zu Jugendlichen und ein reger Austausch darüber, warum Rechtsextremismus unbedingt abzulehnen ist, ist gerade zwischen den Generationen wichtig. Nicht nur, aber gerade im Internet, ist dieser Austausch sehr gut möglich. Auch das will das Projekt „Silver Surfer gegen Nazis“ erreichen.

Hinzuschauen und den Protest gegen solch menschenverachtende Haltungen auch auszudrücken, das sollten die Ziele jedes Internetnutzers sein. Rechtsextreme Aussagen oder Parolen im Internet sollen allgemein nicht kommentarlos bleiben, denn das kommt einer stillen Duldung gleich. Man sollte sich immer und überall gegen jegliche menschenverachtende Äußerung wehren und Einspruch erheben.

Autorin: Julia Heilig, Platinnetz-Redaktion