Ilse Vormann hat alles richtig gemacht. Rechtzeitig wollte sie ihren Nachlass regeln und nach dem Tod ihres Mannes selbst für den Ernstfall vorsorgen. Eigene Kinder hatten die Vormanns nicht – ihr Vermögen wollte die Witwe dennoch an die nächste Generation weitergeben und damit etwas Gutes bewirken. Deshalb hat sich Ilse Vormann informiert, sie suchte Rat und verfasste schließlich ein Testament. In ihrem Letzten Willen bestimmte sie vier gemeinnützige Organisationen zu ihren Erben. Gemeinsam mit ihnen verfügte Ilse Vormann, wie ihr Vermögen wirkungsvoll und nachhaltig eingesetzt werden sollte. Noch heute, zehn Jahre nach ihrem Tod, wirkt das Erbe in ihrem Sinne weiter und trägt Früchte, immer wieder. Wie Ilse Vormann wollen immer mehr Menschen mit ihrem Erbe nicht nur diejenigen versorgen, die ihnen nahestehen.

Jeder zehnte Deutsche über 60 Jahre kann sich vorstellen, einen Teil seines Nachlasses auch einem guten Zweck zugutekommen zu lassen. Das ist das Ergebnis der repräsentativen GfK-Umfrage „Gemeinnützig es Vererben in Deutschland“ im Auftrag der Initiative „Mein Erbe tut Gutes. Das Prinzip Apfelbaum“. Die Umfrage offenbart auch einen zunehmenden Wunsch nach Beratung und Information. Denn dass sie in ihrem Testament – auch bereits mit kleineren Beträgen – eine gemeinnützige Organisation bedenken können, wissen viele nicht. Auf Seiten der potenziellen Erben wächst der Bedarf nach Orientierung ebenfalls. Gut die Hälfte der Angehörigen unterstützt das Engagement für die gute Sache, jeder Vierte wünscht sich aber mehr Transparenz und Information. Sich informieren und ein Testament aufsetzen – nicht viel mehr gehöre dazu, um einen guten Zweck mit seinem Nachlass zu bedenken , sagt die Initiative „Mein Erbe tut Gutes “. Um die Menschen zu informieren und bei ihrem Vorhaben zu unterstützen , haben sich die namhaften gemeinnützigen Organisationen Ärzte ohne Grenzen, DAHW Deutsche Lepra - und Tuberkulosehilfe, Greenpeace, die  SOS-Kinderdörfer und die Johanniter-Unfall-Hilfe zusammengeschlossen . Die neu gegründete Gemeinschafts-initiative beantwortet grundlegende Fragen zum Erben und Vererben verständlich und praxisnah und gibt damit potenziellen Erblasser n oder angehenden Erben Sicherheit.

Für ein handschriftliches Testament gelten nur wenige Formvorschriften

Der Name verrät es bereits: Das eigenhändige Testament muss von Anfang bis Ende handgeschrieben und mit Ort, Datum und Unterschrift versehen sein. Auch wichtig: Nichts ist in Stein gemeißelt. Änderungen, Nachträge, Widerrufe sind jederzeit möglich. Wer komplexe Regelungen treffen möchte, sollte fachkundigen Rat bei einem Anwalt oder Notar suchen. Einen Unterschied sollte aber jeder kennen, der Gutes hinterlassen möchte: Vererben und Vermachen werden oft verwechselt.

Vererben und Vermachen

Was ähnlich klingt, ist nicht dasselbe. Wer zum Erben bestimmt wird, der übernimmt nicht nur Vermögen, Auto, Haus oder Mieteinnahmen, sondern auch alle Verbindlichkeiten des Erblassers . Soll nur ein Teil des Vermögens zugunsten eines guten Zwecks bestimmt werden, ist ein Vermächtnis der einfachste und beste Weg. Im Testament kann es dazu einfach und konkret heißen: „Die Organisation XYZ soll ein Vermächtnis von X Euro erhalten .“ Wichtig: Die Organisation sollte über die beabsichtigte Zuwendung informiert sein, um den Wünschen des Erblassers entsprechen zu können.

Richtig aufbewahren

Der Letzte Wille sollte sicher gefunden werden Ist alles geregelt, sollte das Testament an einem sicheren Ort aufbewahrt werden. Vorschriften dafür gibt es nicht. Sicher ist der Letzte Wille überall dort, wo er nicht verloren geht – und nach dem Tod schnell gefunden wird. Denn erst dann kann er auch umgesetzt werden. Ratsam ist es, eine Person des Vertrauens zu informieren – oder das Testament direkt bei einem Amtsgericht zu hinterlegen.

Richtige Organisation finden

Nicht jeder, der Gutes hinterlassen möchte, engagiert sich bereits zu Lebzeiten für eine gemeinnützige Organisation. Aber vielen liegen bestimmte Themen am Herzen, geprägt durch die eigene Lebensgeschichte, durch schwere Zeiten oder Krankheiten, besondere Begegnungen oder Momente des Glücks. Wer sich Zeit nimmt, um darüber nachzudenken, was im eigenen Leben wichtig war, wird fündig werden. Ein Tipp: Alle Organisationen bieten Informationsmaterial, das in Ruhe gelesen werden kann. In einem vertiefenden, persönlichen Gespräch kann sich jeder selbst ein umfassendes Bild machen. Auf die Transparenz und eine gewissenhafte Verwendung der Mittel achten Sicherheit darüber, ob das Erbe wirklich in gute Hände kommt, gibt ein genauer Blick auf die Organisation. Ob die Arbeit transparent ist und die Mittel gewissenhaft verwendet werden, belegen zum Beispiel regelmäßige Kontrollen durch unabhängige Wirtschaftsprüfer, ein ausführlicher Jahresbericht und der Blick auf die Internetseiten. Auch kleine Beträge können Großes bewirken Ein Grund, der viele vom gemeinnützigen Vererben abhält, ist die Annahme, ihr Vermögen sei nicht groß genug, um damit etwas bewirken z u können. Doch schon 1.000, 2.000 oder 5.000 Euro unterstützen die Arbeit gemeinnütziger Organisationen wirkungsvoll.

Service im Sinne des Erblassers - Bestattung und Grabpflege

Wer keine Angehörigen hat, fragt sich häufig: Wer kümmert sich um das Hab und Gut, wer um die Best attung und wer pflegt das Grab? Auch das übernehmen gemeinnützige Organisationen nach vorhergehender Absprache , wenn sie als Erben eingesetzt werden. Selbstverständlich respektvoll und ganz nach den Wünschen des Erblassers.

Schenken oder Stiften sind Alternativen zum Testament

Schon zu Lebzeiten kann man zum Beispiel Teile seines Vermögens verschenken, eine Organisation in der Lebensversicherung begünstigen oder verfügen, dass ein Bankguthaben im Todesfall übertragen wird. Auch die Stiftung von Vermögen kann interessant sein. Gemeinnützige Organisationen bieten dazu ganz verschiedene Möglichkeiten.