Allerdings lauern auch hier Fallstricke, zum Beispiel, wenn man eine Immobilie übertragen will. Eigentlich ist es fast so wie bei einem Umzug: Gerade dann ist der ideale Zeitpunkt gekommen, seine persönlichen Besitztümer kritisch unter die Lupe zu nehmen, um sich von unnötigem Ballast zu trennen.

Ans Verschenken denken
In vielen Menschen reift irgendwann die Erkenntnis: Einige wunderbare Dinge würden bei anderen weit besser aufgehoben sein - und die will man dann verschenken. Egal, ob man etwas vererbt oder verschenkt, immer will man jemandem eine Freude bereiten. Aktuelle Umfragen haben ergeben, dass „Freude bereiten“ ein Hauptmotiv potenzieller Erblasser ist, das auf der Prioritätenliste unmittelbar hinter dem Ziel der finanziellen Versorgung rangiert.

Dankbarkeit erleben
Was der Volksmund manchmal „Geben von der warmen Hand“ nennt, heißt im Juristenlatein „vorgezogene Vermögensübertragung“. Die damit bezeichnete Schenkung kann aus verschiedenen Gründen im Vergleich zum Vererben sinnvoller sein. Abgesehen von Vorteilen in der Berechnung der Erbschaftssteuer ist es schön, die Dankbarkeit der Beschenkten genießen zu können. Zusätzlich gibt es andere, wenn auch profanere Vorteile, wenn man sein Haus oder sein Geld im vorab verschenkt. So sind Schenkungen sinnvoll, wenn das Geldvermögen die Freibetragsgrenze von 400 000 Euro überschreitet. Vorteile kommen durchaus auch Menschen mit weitaus kleineren Vermögen zugute. Auch wenn man nicht den Ehepartner oder die Kinder als Erben einsetzen will, sondern vielleicht Nichten und Neffen oder die Geschwister, kann ein Vorziehen des Erbes Sinn machen. Denn dabei sind die Freibeträge merklich niedriger. Meist geht es dabei nicht um die Erbschaft eines barocken Kaffeeservices oder alter Reisesouvenirs, die die Herzen der Neffen und Nichten so viel höher schlagen lassen. Eindeutig geht es um Schmuck, Geld und Möbel oder um das Eigenheim, wenn Deutsche ans Vererben denken. Es betrifft immer mehr Immobilien. Bargeld hat zunehmend den Status finanzieller Spielmasse für einen aktiven, angenehmen Ruhestand.

Problemfall Immobilie
Ein Übertragungswahn ist ausgebrochen: Experten raten in Bezug auf Immobilien daher von der vorgezogenen Vermögensübertragung ab. Zuweilen werden heute Eltern von ihren Kindern gedrängt, ihnen das Erbe schon zu Lebzeiten zukommen zu lassen. Davor warnen Fachleute eindringlich. Besteht keine Not, sollte man die Immobilie nicht vorzeitig übertragen, insbesondere wenn es um selbst bewohnte Immobilien geht. Sollte man sich dennoch zur Immobilienübertragung entschließen, sollte man sich in jedem Fall das Nutzungsrecht sichern. Dabei ist zwischen Nießbrauch und Wohnrecht zu unterscheiden. Eigentümer können die Immobilie belasten oder verkaufen, der Schenkende bewohnt sie aber Kraft des Nießbrauchrechts. Letzteres ist empfehlenswert, profitiert man doch trotz vorgezogener Übertragung weiterhin von der Nutzung.

Unliebsame Erben
Die Schenkung ist eine Methode, beispielsweise unliebsame Kinder zu enterben. Deren unbestrittener Pflichtteilanspruch aus der Erbschaft verringert sich Jahr für Jahr nach der Schenkung um satte 10 Prozent. Auch vorzeitige Übertragungen kann man durch entsprechende Klauseln im Schenkungsvertrag in bestimmten Fällen rückgängig machen – beispielsweise im Scheidungsfall oder bei vorzeitigem Ableben des Beschenkten.