Welcher ist der erfolgreichste Film aller Zeiten? Vom Winde verweht, Titanic, Ben Hur oder der letzte Teil der Herr der Ringe-Trilogie? Für die meisten Zuschauer einfach eine Frage des persönlichen Geschmacks. Doch lässt sich natürlich trotzdem eine allgemeine Bestenliste aufstellen. Doch genau hier liegt das Problem: Wenn es darum geht, den Erfolg eines Filmes zu bestimmen, lassen sich unterschiedliche Kriterien berücksichtigen. Möchte man den Erfolg eines Filmes etwa an der Anzahl der gewonnenen Oscars messen, teilen sich gleich drei Filme den ersten Platz. Beurteilt man ihn anhand der Gunst des Publikums und somit über die Einspielergebnisse, kommt man ebenfalls nicht zu einem eindeutigen Ergebnis. Denn schließlich war eine Kinokarte früher eben viel günstiger als heute, weshalb es auch in dieser Kategorie gleich zwei Bestenlisten gibt.

Hollywood und seine Legenden

Vom Winde verweht ist wohl einer der bekanntesten Liebesfilme aller Zeiten. Seine Hauptfiguren Scarlett O'Hara und Rhett Butler kennen nicht nur Film-Fans. Der Film aus dem Jahr 1939 machte die Schauspieler Vivien Leigh und Clark Gable weltberühmt. Vom Winde verweht ist die Verfilmung des Romans von Margaret Mitchell, der nach der Veröffentlichung 1936 zum bis dahin größten Bestseller der US-amerikanischen Literaturgeschichte geworden war. Der Film gewann zehn Oscars und belegte damit bis 1960 den ersten Platz der Oscargeschichte. Geehrt wurden unter anderem nicht nur Vivien Leigh als beste Hauptdarstellerin und Victor Fleming als der beste Regisseur, sondern vor allem auch William Cameron Menzies für seinen revolutionären Gebrauch von Farbeffekten, was zu diesem Zeitpunkt als technische Meisterleistung galt und mit einem Sonderpreis honoriert wurde.

Die Liebesgeschichte zwischen Scarlett und Rhett gilt bei vielen auch heute noch als der kommerziell erfolgreichste Film aller Zeiten. Berechnet man nämlich die Inflation mit ein, spielte Vom Winde verweht das meiste Geld an den Kinokassen weltweit ein.

Die aufwendigste Produktion seiner Zeit war der Film-Epos Ben Hur aus dem Jahr 1959. Charlton Heston spielte die Hauptrolle in dem Film, der alle bis dahin in Hollywood bekannten Dimensionen sprengte. Der Film sollte das Filmstudio MGM retten, dass kurz vor dem Ruin stand. Das monumentale Filmprojekt setzte dazu auf einen unvorstellbaren Personal- und Materialaufwand: 365 Sprechrollen, 50.000 Komparsen, über eine Million Requisiten und 40.000 Tonnen Mittelmeersand trugen dazu bei, dass die Rettungsaktion zum Erfolg wurde. Nach einer fünfjährigen Vorbereitungszeit und einer Drehzeit von zwei Jahren, gewann Ben Hur elf Oscars und verdrängte damit Vom Winde verweht von Platz eins der Ewigenliste der Oscar-Abräumer. Wie in nahezu jedem Film aus der Traumfabrik Hollywood haben sich auch bei diesem Film kleinere Filmfehler eingeschlichen. Ein Anschlussfehler etwa ist es, wenn Charlton Heston nach dem Wagenrennen seinen Siegeskranz beim Eingang niederlegt, der dann in einerkurzen Zeit später folgenden Einstellung verschwunden ist. Das sich hartnäckig haltende Gerücht, einer der Statisten sei mit einer Armbanduhr zu sehen, wird von manchen sogar als der "berühmteste Filmfehler aller Zeiten" bezeichnet. Jedoch handelt es sich hierbei lediglich um eine Verwechslung: Diesen Filmfehler gibt es in Ben Hur, allerdings nicht in der erfolgreichen Fassung von 1959, sondern in der aus dem Jahr 1925.

Eine neue Generation erobert Hollywood

In den modernen Zeiten von Computeranimationen und modernster Tricktechnik, werden in Hollywood aufwendige Bildbearbeitungen betrieben, damit auch kleinste Details möglichst realitätsnah auf der Kinoleinwand dargestellt werden können. Der Film Titanic aus dem Jahr 1997 nutzte viele dieser Möglichkeiten - und das mit Erfolg. Er gewann genau wie Ben Hur elf Oscars und führt die nicht inflationsbereinigte Liste der höchsten Einspielsummen an. Es wurden keine Kosten und Mühen gescheut, um Koffer, Kleider und Einrichtungsgegenstände möglichst orginalgetreu nachzubilden. Für sehr viel Geld wurden Filmaufnahmen vom Wrack der Titanic gemacht, die in den Film eingebunden wurden. Damit im Film das Schiff in richtiger Richtung den Hafen in Southampton verlassen konnte, was in der Nachbildung nicht möglich war, wurden Aufschriften auf Requisiten und Kostümen in Spiegleschrift aufgetragen und jemand, der laut Drehbuch nach rechts gehen sollte, ging in die andere Richtung. Erst in der Postproduktion des Films wurde das Material durch Spiegeln berichtigt und das Schiff konnte "richtig herum" auslaufen. Da wundert es, dass trotz solch großen Aufwandes Titanic auch den zweifelhaften Ruhm genießt, besonders viele Filmfehler zu beinhalten, wie etwa, dass Zigaretten mit Filter gezeigt werden, die es damals aber noch gar nicht gab. Trotzdem wurde Titanic von vielen Kritikern als technisches Meisterwerk gelobt und sogar mit dem Film-Epos Ben Hur verglichen. Auch der Soundtrack mit dem Liebeslied My Heart will go on von Celine Dion leistete einen großen Beitrag zum Erfolg des Films. In der 2004 aufgestellten Liste, der 100 besten amerikanischen Filmsongs, steht er momentan auf Platz 14.

Ein absolutes Meisterwerk einer Literaturverfilmung ist die Herr der Ringe-Trilogie. Besonders erfolgreich war der letzte Teil des Fantasy-Werks Die Rückkehr des Königs. Der Film gewann elf Oscars und zog damit mit Ben Hur und Titanic gleich. Das erste Mal gewann eine Fantasy-Produktion den Oscar für den besten Film. Jahrzehnte lang galten die Romane von J. R. R. Tokien als unverfilmbar - zu umfangreich und detailliert war die Welt, die der Autor in den Büchern erschaffen hatte. Doch Hollywood gab nicht auf. Schließlich war es Peter Jackson, der mit viel Herzblut, Begeisterung und Detailverliebtheit ans Werk schritt. Gedreht wurden die Filme auf Neuseeland, unzählige Statisten trugen zu den enormen Schlachtenszenen bei. Das Team wuchs bei den Dreharbeiten stark zusammen. So tätowierten sich zum Beispiel die Schauspieler, die im ersten Teil Die Gefährten gemeinsam in den Kampf gegen das Böse ziehen, ein Symbol für ihre bei den Dreharbeiten entstandene Freundschaft auf den Leib. Ein Film, der nicht nur die Darsteller selbst in seinen Bann zog sondern auch seine Zuschauer.

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion