Mit 40.000 Firmenpleiten rechnen die Experten in 2010. Die Zahl der Privatpersonen, die in die Insolvenz gehen müssen, wird nach den Erwartungen der Wirtschaftsexperten ebenfalls steigen. Ein Rückblick der anderen Art auf das Jahr 2009 und seine großen Wirtschaftspleiten:

Insolvenz im großen Stil

Anfang des letzten Jahres begann das Jahr der Firmenpleiten mit der Insolvenz eines Traditionsunternehmens: Rosenthal. Der fränkische Porzellan-Hersteller konnte sich den Problemen seines britischen Mutterkonzerns Waterford Wedgewood nicht entziehen. Anfang des Jahres meldete das Unternehmen Insolvenz an. Bis zum 20. Juli mussten die Mitarbeiter zittern, dann war ein Käufer gefunden. Ein Drittel der 1800 Arbeitsplätze ging im Zuge der Sanierung verloren, als Rosenthal im Sommer von der italienischen Sambonet Paderno-Gruppe übernommen wurde.

Der für seine Feinripp-Produkte bekannte Wäsche-Hersteller Schiesser wurde 1875 gegründet. Doch alle Tradition hilft nichts - die Wirtschaftskrise schlägt 2009 erbarmungslos zu. Trotz der Restrukturierungsmaßnahmen, sitzt Schiesser auf einem großen Schuldenberg. Doch momentan sieht es gut aus für Deutschlands größten Wäsche-Hersteller. Nachdem er im Februar 2009 Insolvenz anmeldete, scheinen sich nun neben Wolfgang Joop auch noch andere potentielle Käufer für den Konzern zu interessieren. Die Mitarbeiter können also noch hoffen.

Eine Insolvenz, die viele tausend Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit stürzte war die des Konzerns Arcandor. Am 9. Juni 2009 beantragte die Arcandor AG das Insolvenzverfahren - auch für die Tochtergesellschaften Karstadt und Quelle. Voraussichtlich werden nur ein Zehntel der 10.500 Beschäftigen ihren Arbeitsplatz behalten. Die eingeforderten Summen der Gläubiger stellen einen neuen deutschen Rekord auf: Die Forderungen erreichen eine Höhe von 19 Milliarden Euro.

Große Traditionsunternehmen in der Insolvenz

Warum geraten immer mehr Firmen wie Rosenthal, Schiesser oder auch Märklin in so arge Geldnöte, dass sie Insolvenz beantragen müssen? Zunächst einmal muss man sagen, dass eine Insolvenz nicht unbedingt das Ende eines Unternehmens bedeutet, sondern ihm auch aus der Krise heraus helfen kann. So wie beispielsweise dem Unternehmen Schiesser: Hier kann höchst wahrscheinlich nicht nur die Firma, sondern können auch nahezu alle Arbeitsplätze gerettet werden. Die Insolvenz ist also auch immer eine Chance.

Auf die Frage, warum 2009 so viele deutsche Traditionsfirmen in Bedrängnis geraten sind, gab der Insolvenzverwalter der Firma Schiesser Volker Grub im Interview mit der Zeit eine Antwort: "Viele Unternehmen, die nicht ganz auf festen Beinen standen, gerieten durch die Krise ins Wackeln oder sind gefallen. Normalerweise gehen etwa 90 Prozent der Pleiten auf Fehler des Managements zurück. 2009 war es höchstens die Hälfte. Man muss die Insolvenz als Chance begreifen. Viele Firmen suchen erst in der Insolvenz nach dem Machbaren und besinnen sich auf ihr Kerngeschäft. Das tut ihnen gut." Hinzu kommt, dass gerade deutschen Traditionsfirmen die Insolvenz hilft, weil die Käufer darauf mit vermehrtem Konsum reagieren. Das könnte zum einen am Mitleids-Gedanken, zum anderen daran liegen, dass dem Kunden erst jetzt bewusst wird, dass er auf Schiesser-Produkte eigentlich nicht verzichten möchte.

Das Problem gerade der Traditionsunternehmen ist zudem, dass sie zu wenig mit der Zeit gehen. Märklin beispielsweise hat zu lange auf die Kaufschicht der Sammler und Liebhaber der Modelleisenbahn gebaut. Von diesen Kunden gibt es jedoch immer weniger, so dass man sich in Zukunft auf jüngeres Publikum wird konzentrieren müssen.

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion