"Beim Geld hört die Freundschaft auf!" Dieses Sprichwort kennt wahrscheinlich fast jeder - mancher zu seinem Bedauern sogar aus eigener Erfahrung. Wenn es darum geht, Geld zu verleihen, haben viele Deutsche ein ungutes Gefühl. 30 Prozent verleihen generell kein Geld, auch nicht an gute Freunde. Das zeigte eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag der comdirect bank. Frank (45) gehörte früher nicht zu diesen 30 Prozent - heute allerdings schon. "Ich habe einem sehr guten Freund, den ich schon seit der Grundschule kenne, Geld geliehen. Er wollte sich selbstständig machen und ist gescheitert. Ich hatte ihm mehrere tausend Euro im Vertrauen und guten Glauben an unsere langjährige Freundschaft geliehen. Das Geld habe ich leider nie wieder gesehen - er hat anschließend behauptet, es wäre ein Geschenk gewesen."

Der Kredit als Kapitaleinlage

So wie Frank geht es leider immer wieder Menschen, die Geld an Freunde oder auch innerhalb der Familie verleihen. Selbst gute Freundschaften werden zerstört, weil der Schuldner das Darlehen einfach nicht zurückzahlen kann und in seiner Not lieber die Freundschaft zerstört als um seine Existenz bangen zu müssen. Die Umfrage zeigte, dass die Deutschen eigentlich nur im Notfall bereit sind, einem Freund einen Kleinkredit zu gewähren. So wollen 84 Prozent der privaten Kreditgeber erst einmal wissen, wozu der Freund das Geld überhaupt benötigt. Denn nicht in jedem Fall, sind die Befragten bereit, einen Kredit zu gewähren. 80 Prozent würden Freunden bei einer Arztrechnung mit Geld aushelfen und 57 Prozent würden ihre Freunde im Falle eines Rechtsstreits finanziell unterstützen. Bei Spielschulden oder für Urlaubsreisen dagegen würden nur acht Prozent mit einem Kredit aushelfen.

Auch wenn sich jemand aus dem Freundes- oder Familienkreis selbstständig machen möchte, kommt es oft vor, dass er auf den privaten Kredit einer ihm nahe stehenden Person zurückgreift. Gerade in einem solchen Fall gibt es neben einem Kredit als Darlehen auch die Möglichkeit, den Kredit als Kapitaleinlage festzulegen. Ist der Gläubiger von der Geschäftsidee des Schuldners überzeugt, kann er zum Beispiel stiller Teilhaber werden. Dafür wird in der Regel eine Gewinnbeteiligung des Kreditgebers am Geschäftsgewinn festgelegt. Auf diese Art kann der Gläubiger sogar noch an dem vergebenen Kredit verdienen. Geht das Unternehmen allerdings pleite, verliert der Kapitalgeber sein Geld.

Kein Kredit ohne Vertrag

In Klaus' Fall hätte es ihm nichts gebracht, seinen Freund durch eine Kapitaleinlage zu unterstützen, denn dessen Geschäft ging schnell pleite. Dabei hatte Klaus von Anfang an ein schlechtes Gefühl, so viel Geld zu verleihen, doch es fiel ihm zu schwer, seinem guten alten Freund diesen "Freundschaftsdienst" zu verweigern. "Mein Freund war schon längere Zeit arbeitslos und fand einfach keinen Ausweg. Er hat es wirklich versucht, das habe ich ja mitbekommen. Dann kam er auf die Idee, sich mit einem kleinen Laden selbstständig zu machen und war unglaublich froh, endlich aus der Arbeitslosigkeit heraus zu kommen - da konnte ich einfach nicht nein sagen."

Leider macht es jeder dritte Deutsche so wie Klaus, schenkt seinen Freunden volles Vertrauen und begnügt sich mit einer mündlichen Vereinbarung, wenn er Geld verleiht. Das ist jedoch gerade bei größeren Summen immer ein Fehler, denn das kann sowohl für den Gläubiger wie auch für den Schuldner nach hinten los gehen. Zu oft geraten selbst die besten Freunde oder enge Verwandte über einen Kredit in einen unversöhnbaren Streit - und dann ist im Zweifel nicht nur die Beziehung zueinander zerstört, sondern auch noch viel Geld weg.

Egal ob als Darlehen oder Kapitalanlage: Verleiht man privat Geld an Freunde oder Verwandte, sollte man bei jedem Kredit zuvor alles eindeutig schriftlich festhalten. Wichtig ist es, sich bereits im Vorfeld über die Rückzahlungsbedingungen zu einigen. Sollen es Raten sein? Wie hoch sind diese und über welchen Zeitraum werden sie  bezahlt? Außerdem sollte nicht nur festgehalten werden, um welchen Betrag es sich exakt handelt, sondern auch, ob Zinsen anfallen sollen. Eine anvisierte Rückzahlungsgrenze sollte sowohl bei Raten- als auch bei Einmalrückzahlung festgelegt werden. Eventuelle Kündigungsmöglichkeiten müssen genau so abgesprochen und fixiert werden wie Sicherheiten, im Falle, dass der Schuldner zahlungsunfähig wird.

Man sollte also nicht aus Gründen wie "das ist mir meinem guten Freund/ Verwandten gegenüber peinlich" auf schriftliche Vereinbarungen verzichten. Machen Sie nicht den Fehler zu glauben, dass ein Vertrag ihren Freund oder Verwandten Glauben machen würde, Sie vertrauten ihm nicht genug. Denn so ein Vertrag schützt immer beide Seiten vor unvorhersehbaren Situationen. Denn leider geschieht es nicht nur immer wieder, dass Geld nicht zurückgezahlt wird, sondern zum Beispiel auch, dass ein Gläubiger behauptet, er hätte eine bestimmte Rate gar nicht erst erhalten. Hier kann eine einfache Quittung beide Seiten absichern. Sollte es einem wirklich zu unangenehm sein, seinen Freund oder Verwandten um eine Quittung zu bitten, empfiehlt es sich, sämtliche Zahlungen nicht bar, sondern nur per Überweisung abzuwickeln, denn dann lässt sich anhand des Kontoauszugs alles immer leicht nachvollziehen.

Um nicht in die missliche Lage zu gelangen sollte jeder der einen Kredit sucht sich vorher bei der Hausbank erkundigen oder mal im Internet bei einem Kreditrechner nachforschen. Auf Finanzierungsrechner.net kann man schnell und einfach einen Ratenkredit Vergleich durchführen und sich den passenden Kredit heraussuchen.

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion