Die Finanzforscher waren sich lange nicht sicher, wie sich die Wirtschaftskrise auf das Sparverhalten und die Investitionsfreudigkeit der Bevölkerung auswirkt. Ist das Vertrauen in die Banken vollends erschüttert und das Geld wird wieder unter der Matratze gebunkert? Oder investieren die Menschen jetzt erst Recht in Gold, Häuser und Haushaltsinventar, um die niedrigen Zinsen und zahlreiche Rabatte auszunutzen? Und wo sparen die Deutschen?

Finanzen regeln: Wo die Sparschraube ansetzen?

Ein Großteil der Deutschen will laut aktuellen Umfragen gerade bei den Ausgaben sparen, die im Haushalt anfallen. Die Mehrheit der Befragten gab an, durch den Wechsel des Anbieters bei der Energieversorgung oder beim Telefonieren sparen zu wollen. Das zeigt, dass die Deutschen gezielt da den Rotstift ansetzen, wo auch deutliche Einsparungen möglich sind. So auch Gerhard (49): "Jahrelang hatte ich einen Handyvertrag, den ich nicht angerührt habe, weil ich zufrieden damit war. Erst jetzt habe ich erfahren, dass ich schon eine ganze Weile viel zu viel bezahlt habe. Dass die Preise so extrem gefallen sind, ist völlig an mir vorüber gegangen. Jetzt zahle ich nur noch die Hälfte." Der Vergleich mit den Anbietern und der Frage "Welches Angebot passt zu meinem Verbrauch" lohnt sich heute so sehr wie schon lange nicht mehr. Nicht nur beim Mobilfunk lässt sich kräftig sparen. Auch bei Stromanbietern, Gaslieferanten oder der DSL-Verbindung kann man zurzeit durch die fallenden Preise kräftige Einsparungen bei den Finanzen erreichen. Die Zeichen der Zeit sind also ganz deutlich bei den Bürgern angekommen und sie nutzen die vielen Möglichkeiten, Geld zu sparen, ohne Einbußen in der Lebensqualität hinnehmen zu müssen.

Finanzen regeln: An die Zukunft denken

Bei der Lebensqualität wollen die Bürger erst an zweiter Stelle sparen. Und wenn, dann in geringem Ausmaß. Norbert (64) und Petra (60) streichen etwa nicht ihren jährlichen Urlaub. "Eine schöne Reise gehört für uns zur Lebensqualität dazu, deswegen werden wir auch weiterhin regelmäßig in den Urlaub fahren, auch wenn mein Geldbestand auf der Bank etwas geschmolzen ist", erklärt Norbert. "Aber wir schauen jetzt eben mehr auf den Preis und fliegen nur ans Mittelmeer, nicht mehr auf die andere Seite des Globus."  Norbert und Petra liegen dabei ganz im Trend. Die meisten wollen weniger Geld in Restaurants liegen lassen und auch beim Urlaub sparen, ohne zu viel an Lebensqualität zu verlieren.

Dass die Sparer beim Umkrempeln der eigenen Finanzen auch an die Zukunft denken, zeigt sich daran, dass die Allerwenigsten angeben etwa bei der Altersvorsorge den Rotstift anzusetzen. Auch der Notgroschen wird weiterhin zurückgelegt. "Nein", bestätigt auch Petra, "wir würden niemals weniger Geld für die Zukunft zurücklegen, wir zahlen sogar etwas mehr auf unser Rentenkonto ein. Wer weiß, wie sich die Krise weiter entwickelt, da halten wir unser Geld lieber zusammen und achten darauf, wie wir die Finanzen auch für die Zukunft regeln." Mehr Geld anzulegen ist derzeit allerdings nicht der Trend. Oft werden sogar neue Kredite aufgenommen, dabei sollte man jedoch darauf achten eine entsprechende Kreditabsicherung vorzunehmen.

Die Deutschen wollen weniger Geld anlegen

Eine aktuelle Studie der GfK Gruppe, die regelmäßig das Sparverhalten der Deutschen untersucht, zeigt dass die Unsicherheit deutlich gewachsen ist. Jeder dritte Deutsche gibt an, generell weniger anlegen zu wollen, sondern sein Geld lieber in konkrete Anschaffungen zu investieren, wie zum Beispiel ein Auto. Wer sich dann doch dazu entscheidet, sein Geld anzulegen, der greift tendenziell auf weniger rentable, aber stattdessen auf sichere Methoden, wie z.B. das Tagesgeld zurück. Tagesgeld Konten, bei dem man trotz Zinsen täglich auf das Angesparte zurückgreifen kann, ist daher weiterhin die beliebteste Sparanlage der Deutschen. Fast ebenso beliebt wie das Tagesgeld ist die Investition in Immobilien und das Geldanlegen über Bausparen. Das sind alles sichere Produkte, während wenig überraschend, Anlagen wie Aktien und Investmentfonds bei der Beliebtheit eine Talfahrt hinter sich haben. Sicherheit geht also vor, wenn es um die Finanzen geht. Knapp jeder Fünfte gab an, sogar ganz auf Zinsen verzichten zu wollen, so lange er die Kontrolle über sein Geld nicht abgeben muss. 18 Prozent gaben zu, das Angesparte am liebsten Zuhause zu deponieren. Das Geld unter der Matratze ist gar kein so weltfremdes Bild, wie man zunächst denken mag.

Die Angst ist also groß, das mühevoll angesparte Geld schnell wieder zu verlieren. Wer heute seinen Finanzen kontrollieren will, der steckt sein Geld am liebsten in konkrete Anschaffungen und sichere Anlagen oder verzichtet sogar ganz auf Zinsen. Die Wirtschaftskrise und ihre Botschaft, dass allzu gewinnversprechende Anlagen ein hohes Risiko und viele Gefahren mit sich bringen können, ist also auch in den Haushalten angekommen. Die Deutschen setzen den Rotstift vor allem da an, wo es auch die Möglichkeit dazu gibt. Rabatte, fallende Preise, günstige Zinsen und Kampagnen wie die Abwrackprämie haben in den Köpfen der Bevölkerung ihre Wirkung gezeigt.

Autorin: Julia Heilig, Platinnetz-Redaktion