Wenn Sie erben, dürfen Sie in der Wohnung bleiben

Der einfachste Fall: Sie selbst sind Eigentümer von Haus oder Wohnung, oder Sie haben ein Häuschen gemeinsam mit Ihrem Partner gekauft. Was geschieht, wenn Ihr Lebenspartner Kinder hatte, die nun das Haus oder die Eigentumswohnung erben?

In jedem Fall steht Ihnen das Vorausvermächtnis zu. Das bedeutet, dass Sie sofort das Recht bekommen, in der Wohnung zu bleiben. Sie müssen dazu nicht verheiratet gewesen sein. Es stehen Ihnen außerdem Möbel, Haushaltsgeräte, Teppiche, Bilder und der Fernseher zu, da diese Sachen ja meist gemeinsam angeschafft wurden. Allerdings müssen diese in irgendeiner Form einen „Haushaltszweck“ erfüllen. Mit dem Vermächtnis möchte der Gesetzgeber ermöglichen, dass Sie in Ihrer vertrauten Umgebung bleiben können. In der gesetzlichen Erbfolge wird Ihnen das Vorausvermächtnis nicht auf Ihren Erbteil angerechnet. Sie müssen übrigens keine Auflagen erfüllen, um das Wohnrecht zu erhalten. Eine seltene Ausnahme, bei der das Wohnrecht entfällt: Enterbung per Testament.

Sie müssen keine Miete zahlen, aber Nebenkosten

Das Wohnrecht gilt auf Lebenszeit. Es gilt für den Wohnraum, den Sie früher gemeinsam mit dem Partner bewohnt haben. Sie müssen dafür keine Miete bezahlen. Nebenkosten wie Heizung, Strom und Wasser gehen aber auf Ihre Rechnung. Auch kleinere Reparaturen sind Ihre Sorge. Um Tilgung von Krediten oder größere Umbaumaßnahmen müssen sich dagegen die Erben kümmern.

Sie können das Wohnrecht nicht vererben oder auf andere übertragen. Das Recht erlaubt Ihnen, entweder alleine Haus beziehungsweise Wohnung zu bewohnen oder Ihre Familie oder einen neuen Partner mit einziehen lassen. Doch dürfen Sie keine Mieten einnehmen. Dies unterscheidet das Wohnrecht vom so genannten Nießbrauch. Doch Sie haben einen Spielraum, um mit den Erben einen neuen Vertrag auszuhandeln, der die Vermietung erlaubt.

Bedeutung des Wohnrechts, wenn Sie erben

Wenn Sie nur einen Teil des Hauses gemeinsam bewohnt haben, steht Ihnen nun nicht das Wohnrecht auf das gesamte Haus zu. Auch können Sie von den Erben keine andere Wohnung einfordern, wenn Sie in der alten Wohnung nicht mehr wohnen mögen. Übrigens kann das Vererben des Wohnrechts auch helfen, überschuldeten Kindern etwas zukommen zu lassen: Wohnrecht ist nicht pfändbar. Hier ist also die Zubilligung des Wohnrechts die bessere Alternative als die Übertragung von Wohneigentum oder die Beteiligung des Kindes an der Erbengemeinschaft.

Autorin: Birgit Hertwig, Platinnetz-Redaktion