Ohne das Gedächtnis würde unser Bewusstsein in eine Kette einzelner Augenblicke zerfallen.

Die Schaltzentrale Hirn schläft nie

Die Hirnregion steuert, welche Ereignisse als Erinnerung gespeichert werden. Aber wo befinden sich eigentlich die Bereiche des Gehirns, die Langzeit- und Kurzzeitgedächtnis prägen? Unser Gehirn macht gerade einmal 2 Prozent des Körpergewichtes aus, verfügt aber über 100 Milliarden Nervenzellen. Die grauen Zellen im Kopf verbrauchen immerhin 20 Prozent unserer täglich benötigten Energie. Erst so können die vielen Sinnesreize, die auf das Gehirn einströmen, verarbeitet werden.
Dank neuer Untersuchungsmethoden wie beispielsweise Kernspintomografie kann man bei bestimmten Aktivitäten genau beobachten, welche Hirnbereiche und Nervenzellen gerade aktiv sind. Längst wissen Forscher, welche Hirnregionen für die Verarbeitung der unendlich vielen Wahrnehmungen zuständig sind.
Wissen wird, abhängig von seiner Art, in unterschiedlichen Hirnbereichen gespeichert. Man unterscheidet deklaratives und prozedurales Wissen. Deklaratives Wissen ist zum Beispiel, wenn wir die Hauptstadt eines Landes zuordnen können. Beim Radfahren beispielsweise erinnert sich das Gehirn unbewusst daran, welche Muskeln tätig werden müssen. Das ist das prozedurale Gedächtnis. Das Speichern von Wissen geschieht nicht nur tagsüber, sondern auch nachts. Der Schlaf ist sogar ungeheuer wichtig, damit Gedächtnisinhalte für längere Zeit behalten werden können. Wer also kurz vor dem Zubettgehen Gedächtnistraining betreibt, kann Inhalte vermutlich besser abspeichern. Dazu eignen sich leichte Spiele wie Memory, Rätsel oder Sprichwörtern ergänzen.

Erinnern und Vergessen - ein nur teilweise entschlüsseltes Rätsel

Im Kurzzeitgedächtnis sind sowohl die vorderen als auch die hinteren Hirnbereiche aktiv. Nach neuesten Erkenntnissen ist für das Kurzzeitgedächtnis viel entscheidender, dass Informationen aus allen Hirnregionen sinnvoll zusammengeführt werden. So kann man die Hirnbereiche auch durch Gedächtnistraining aktivieren. Sobald wir etwas Neues lernen, verstärkt sich die Verbindung zwischen den einzelnen Nervenzellen des Gehirns. Gehirnjogging wirkt sich also positiv auf das Kurzzeitgedächtnis aus. Je häufiger wird das wiederholen, dass stärker wird dieses Neuronennetz verknüpft. Das Gedächtnis teilt sich die notwendigen Arbeiten dafür auf. Eigenschaften und Dinge, an die wir uns erinnern, werden den gleichen Hirnregionen zugeordnet, die auch für die Wahrnehmung dieser Eigenschaften zuständig sind. Wenn wir uns beispielsweise an eine Pflanze erinnern, so ruft unser Gehirn sämtliche Informationen über Form, Farbe, Funktion und Duft dieser Pflanze von unterschiedlichen Hirnbereichen ab. In Bruchteilen von Sekunden entsteht das Bild der Pflanze vor unserem geistigen Auge.

Das Wunderwerk Langzeitgedächtnis

Hier ist alles zu finden, was wir dauerhaft behalten. Die gespeicherten Informationen im Langzeitgedächtnis stehen uns nicht nur bewusst, sondern auch unbewusst zur Verfügung. Die Inhalte im episodischen Gedächtnis sind uns bewusst und wir können sie mit Gehirnjogging trainieren. Darin ist zum Beispiel unsere Lebensgeschichte gespeichert. Wir erinnern uns an das heutige Frühstück oder an die erste Reise mit dem Partner. Im semantischen Gedächtnis sind Fakten verankert. Hier finden wir Informationen wie die Namen oder chemische Formeln. Unser Gehirn kann viel mehr erinnern, als wir bewusst wahrnehmen.