Postalische Kettenbriefe: Die Mutter aller Ketten-Mails

Damals waren es noch Kettenbriefe, und sie kamen mit der Post. Um zu antworten, musste man wenigstens ein bisschen Zeit, eine Briefmarke und einen Gang zum Briefkasten investieren. Mittlerweile werden die Kettenbriefe bevorzugt per Mail geschrieben und sie kosten nur noch ein bisschen Zeit. Und weil ihre Weiterleitung nichts mehr kostet und kaum Arbeit macht, haben sie auch eine größere Reichweite. Denn mit nur einem Klick hat man ein herzzerreißendes Anschreiben an alle seine Kontakte geschickt – so funktioniert das Schneeballsystem. Und was bleibt, ist das wohlige Gefühl, vielleicht jemandem geholfen zu haben. Doch das ist ein Trugschluss. Geholfen haben Sie im Regelfall niemandem – außer dem Absender selbst.

Das Prinzip von Kettenbriefen

„Hoax“ heißt ein derartiger Brief in elektronischer oder gedruckter Form; das ist die englische Bezeichnung für Scherz oder Falschmeldung. Und um einen üblen Scherz handelt es sich auch in den meisten Fällen, wenn ein kleiner krebskranker Junge ihre Hilfe braucht, um ins Guiness-Buch der Rekorde zu kommen oder vor einem Handy-Virus gewarnt wird.

Die Frage ist: Wer lässt sich so etwas einfallen? Und was hat der Erfinder solcher Lügen von deren Verbreitung? Außer (zweifelhaftem) Ruhm und Ehre in der Hoax-Szene hat der Absender gar nichts von derartigen Kettenbriefen. Den meisten Absendern reicht die Genugtuung aus, dass manche Briefe seit Jahren kursieren und dass von ihnen berichtet wird. Um möglichst viele Menschen zu motivieren, die Briefe weiterzusenden, drücken die Erfinder von „Hoaxes“ mit ihren Geschichten mächtig auf die Tränendrüse oder üben psychologischen Druck aus. So drohen einige Briefe mit eintreffendem Unglück, wenn die Mail nicht binnen einer bestimmten Zeit an eine bestimmte Anzahl von Menschen weitergeleitet wird. Falsch ist, dass sich mit Kettenbriefen Geld verdienen lässt, indem die so gewonnenen Adressen verkauft werden.

Die Inhalte von Ketten-Mails

Sie sind emotional und dramatisch geschrieben. Sie handeln von krebskranken Menschen, von Tieren, die ein Zuhause suchen oder von Warnungen von nicht-existenten Computerviren. Die Technische Universität Berlin beschäftigt sich schon seit Jahren mit derartigen „Hoaxes“. Auf ihrer Website www.hoax-info.de listet sie aktuelle und besonders beliebte Inhalte von Kettenbriefen auf. Zu den häufig kursierenden Nachrichten gehören zum Beispiel:

  • Die Suche nach einem Knochenmarkspender für einen an Leukämie erkrankten Menschen
  • Hilfegesuche für ein an Hirnkrebs erkranktes Baby mit Foto
  • Die Fusion von Microsoft und AOL, wegen der Microsoft nun für jede E-Mail-Weiterleitung zahlt

Neben der Aufforderung, den Brief an möglichst viele Menschen weiterzuleiten, gibt es noch weitere Faktoren, die auf einen Hoax hindeuten: So fehlen häufig Angaben zur Aktualität des Schreibens. Statt eines Datums werden vage Zeitangaben gemacht wie „Samstag“ oder „morgen“. Kein Wunder, denn schließlich sollen die Mails ja bestenfalls viele Jahre unterwegs sein. Um ihre Glaubwürdigkeit zu unterstreichen, werden als Quelle oft bekannte und namhafte Organisationen und Unternehmen genannt, manchmal sogar mit Ansprechpartnern und Telefonnummern. Die Kontaktdaten erweisen sich erst dann als falsch, wenn sich der Empfänger die Mühe macht, sie zu überprüfen.

Kettenbriefe werden als Gewinnspiele, Schenkkreise (auch Herzkreise und Männerkreise), Glücksbriefe, Virenwarnungen, Hilfsbitten, sinnlose Petitionen oder Wandersagen getarnt. Wenn Sie einen derartigen Brief bekommen haben, rät die Technische Universität Berlin: Verbreiten Sie den Unfug nicht weiter. Löschen Sie den Hoax und verschwenden Sie Ihre kostbare Zeit nicht damit. Und wenn Sie unsicher sind, finden Sie unter www.hoax-info.de Informationen, wohin Sie den Kettenbrief zur Überprüfung schicken können.

Autorin: Kerstin Brenig, Platinnetz-Redaktion