Jeder kann sich bei Twitter registrieren und dann Textnachrichten von einer Länge von maximal 140 Zeichen verfassen und anderen senden. Wie es auch bei einem Blog üblich ist, können Nutzer die Beiträge anderer, die Tweets (engl. to tweet = zwitschern) genannt werden, abonnieren. Die Abonnenten eines Autors werden als Follower (engl. to follow = folgen) bezeichnet. Über zusätzliche Softwareprogramme können die Beiträge über verschiedene Kanäle, zum Beispiel das Handy, gelesen, aber auch neue Tweets eingestellt werden. Angefangen hat alles innerhalb einer Firma in San Francisco. Drei Mitarbeiter erfinden Twitter, das zunächst intern von den Kollegen zur Kommunikation genutzt wird. Im März 2007 gewinnt es schließlich einen Web Award, wird eine eigenständige Firma und erlangt bis heute immer mehr Popularität. In Deutschland gibt es schon fast zwei Millionen Nutzer von Twitter und es werden täglich mehr.

Twitter - ein populärer Dienst für Jedermann?

Nun wird sich der eine oder andere fragen, ob die Welt auch noch Twitter gebraucht hat? Oder ob das nicht eine der vielen, zwar technisch interessanten, aber doch eher unnützen Kommunikationsmöglichkeiten des Alltags ist? Wie immer im Fall einer neueren Technologie gibt es Befürworter und Skeptiker. Die vorgegebene Höchstlänge der Nachrichten erlaubt es nur, kurze Informationen auszutauschen. Doch die Länge der Tweets kann auch ein Vorteil sein, da sie die Autoren zwingt, sich kurz zu fassen. Viele Verfasser loben auch die Unkompliziert- und Direktheit: Nachrichten sind schnell verfasst und eingestellt. Die Beiträge sind so unterschiedlich wie die Nutzer von Twitter: Die einen sehen in Twitter ein schnelles Online-Tagebuch und informieren Freunde und Kollegen über alltägliche Dinge: Welches Buch sie gerade lesen, was sie kochen und wohin der nächste Urlaub geht. Die Online-Ableger großer Zeitungen und Magazine nutzen Twitter dagegen immer öfter, um über neue Artikel und Geschehnisse in der Welt zu berichten. Da für viele Menschen der Computer und das Internet zum Alltag gehören, sind sie über Twitter immer schnell auf dem aktuellsten Stand. So mancher Technikfreak geht schon dazu über, das Twittern als SMS-Ersatz zu benutzen.

Twitter und die Politik

In den letzten Monaten gab es einige Ereignisse, die Twitter zu größerer Berühmtheit verholfen haben: Während der Unruhen nach den Wahlen im Iran nutzen viele Menschen Twitter, um über die Zustände im Iran, auf dem Laufenden zu halten. Zum Teil ist dies die einzige Chance, Neuigkeiten zu vermelden, da andere Informationsmöglichkeiten streng kontrolliert werden. Allerdings gibt es hierbei den Nachteil, dass sich im Grunde jeder einen Twitter-Zugang einrichten kann und die Leser von Tweets kaum eine Möglichkeit haben, zu überprüfen, wer wirklich hinter den getwitterten Nachrichten steckt, noch ob diese tatsächlich wahr oder frei erfunden sind. Dies bezieht sich natürlich nicht nur auf die Situation im Iran, sondern ist ein generelles Problem von Twitter. Es ist zum Beispiel auch denkbar, sich unter dem Namen eines Prominenten zu registrieren und zu twittern. Natürlich ist dies nicht erlaubt, aber es lässt sich kaum verhindern, da die Einrichtung eines Twitter-Zugangs einfach möglich ist. Während die Nutzung von Twitter im Iran überwiegend positiv beurteilt wird, erlangt es in Deutschland im Mai 2009 zweifelhafte Popularität: Während der Wahl des Bundespräsidenten durch die Bundesversammlung wird das Ergebnis vor der offiziellen Bekanntgabe durch "geschwätzige" Politiker frühzeitig per Twitter bekanntgegeben. Da Twitter ein zeitnahes Medium ist, wird das Ergebnis in rasanter Geschwindigkeit verbreitet. Ein peinlicher Zwischenfall für die deutsche Politik.

Letztendlich muss jeder selbst entscheiden, ob er sich mit dem neuen Medium auseinandersetzen möchte oder nicht. Ein Zugang ist schnell eingerichtet und wer sich genau überlegt, über wessen Aktivitäten er auf dem Laufenden gehalten werden möchte, wird vielleicht eine neue Welt für sich entdecken.

Autorin: Dorothee Ragg, Platinnetz-Redaktion