Die Schönheit von Bernstein fasziniert den Menschen schon seit Jahrtausenden. Sogar mit Sonnenstrahlen hat man ihn verglichen und schon der römische Kaiser Nero soll Bernstein im Überfluss zu Repräsentationszwecken verwendet haben. Reiche römische Bürger sollen aus Bernsteinkelchen getrunken und römische Frauen ihr Haar bernsteinfarben gefärbt haben. Dabei ist der Bernstein genau genommen gar kein edler Stein. Mit dem nüchternen Blick der Naturwissenschaft betrachtet ist Bernstein nichts anderes als fossiles Baumharz, das bis zu 260 Millionen Jahre alt sein kann. Aus dem zähflüssigen Harz, das aus den Bäumen tropfte, wurde im Lauf der Zeit eine feste Masse. Die typischen Einschlüsse im Stein, die Inklusen, entstehen, wenn ein Insekt vom fließenden Harz so weit umschlossen wird, dass es bewegungsunfähig wird. Außer Insekten und Kleintieren findet man auch Pilze, Moose, Gräser oder Tierhaare im Bernstein. Echte Inklusen sind allerdings relativ selten. Nur etwa jedes fünfte Bernsteinstück hat einen solchen Einschluss. Übrigens: Die Vorstellung, dass man aus einer Inkluse wie im Film Jurassic Park die DNA eines Sauriers rekonstruieren könnte, entstammt dem Reich der Phantasie und ist nicht Stand der Wissenschaft.

Bernstein ist von hellgelber bis braun-orangener Farbe, durchscheinend bis milchig-trüb. Man findet ihn in Mittelmeerländern und in der Dominikanischen Republik, wo er auch in einer seltenen, bläulichen Färbung vorkommt. Diese Färbungen sind sehr begehrt und extrem teuer. Der Name Bernstein leitet sich aus dem mittelniederdeutschen „Börnsteen“ ab, was Brennstein bedeutet und auf die Brennbarkeit des Steins zurückgeführt wird, denn unglaublich aber wahr: Bernstein lässt sich mit einem Streichholz entzünden. Eine weitere außergewöhnliche Eigenschaft von Bernstein ist, dass er sich elektrostatisch aufladen lässt, indem man ihn mit einem Tuch reibt. Der griechische Naturphilosoph Thales von Milet berichtet, dass der Stein dann wie ein Magnet wirke.

Mystik und Magie rund um den Bernstein

In Antike und Mittelalter glaubten die Menschen  - vielleicht gerade wegen der außergewöhnlichen Eigenschaften des Steins - der Bernstein habe magische Kräfte. So glaubte man in der Antike, der Bernstein könne als magisches Licht den Verstorbenen den Weg durch die Unterwelt weisen und Magiern besondere Kräfte verleihen. In arabischen Ländern wurde der Bernstein als Amulett gegen böse Geister getragen, und auch im europäischen Mittelalter wurde er benutzt, um Zauberer, Hexen und Dämonen zu vertreiben. Man empfahl, Ehefrauen nachts einen Bernstein auf die Brust zu legen, damit sie am nächsten Tag ihre schlechten Taten gestehen sollen.

Der Bernstein in der Naturheilkunde

Für viele Menschen gehört die Edelsteintherapie selbstverständlich zur Gesundheitsvorsorge dazu - und das sowohl im körperlichen, als auch im seelischen Sinn. Heilpraktiker, Esoteriker und Anhänger der Naturheilkunde schreiben dem Bernstein diverse Heilwirkungen auf Körper und Seele zu. So soll Bernstein, auf der Haut getragen, nahezu alle Allergien und Hautkrankheiten heilen und außerdem gegen Grippe, Halsentzündung und Fieber schützen. Überhaupt wird dem Bernstein eine entzündungshemmende Wirkung nachgesagt. Er soll die Wundheilung unterstützen, und helfen, Gelenke zu regenerieren. Astrologisch wird er den Sternzeichen Zwilling, Löwe und Jungfrau zugeordnet. Von Heilpraktikern und alternativen Therapeuten wird der Bernstein gern auch als Heilstein für die Psyche eingesetzt. Man sagt, er beeinflusse den Gemütszustand positiv, indem er Selbstvertrauen, Flexibilität und Intuition fördere. Bernstein soll durch seine warme Ausstrahlung für Sorglosigkeit und Optimismus sorgen und insgesamt Wärme und Wohlbefinden verbreiten.

Wie bei allen Heilsteinen gibt es verschiedene Möglichkeiten, die Heilkräfte des Bernsteins zu nutzen. Man kann ihn als Kette um den Hals tragen oder als Handschmeichler immer in der Tasche oder Handtasche haben. Wenn man keinen Schmuck tragen möchte, kann man ihn auch auf den Solarplexus auflegen oder -kleben. Ein bisschen Glauben an die Kräfte der Natur gehört wahrscheinlich auch dazu.

Autorin: Elke Liermann, Platinnetz-Redaktion