Dieses steht für die Barmherzigkeit. Der heutige Dalai Lama ist schon die 14. Reinkarnation (Wiedergeburt) dieses Bodhisattva. Dalai bedeutet übersetzt "Meer des Wissens" und Lama steht für "Priester", manche übersetzen Dalai Lama auch mit "ozeangleicher Lehrer".

Dalai Lama -  wie alles begann

Nach tibetischer Tradition wird nach dem Tod eines Dalai Lamas ein Nachfolger gesucht. Dazu schließen sich einige Mönche zu einer Kommission zusammen, die dann kleine Kinder in deren Familien aufsuchen, um herauszufinden, ob der Dalai Lama unter ihnen ist. Schon im Alter von fast zwei Jahren wird so der heutige Dalai Lama von zwei Mönchen entdeckt. Diese hatten zuvor eine Vision von ihm und zusätzlich besteht der kleine Junge weitere Tests: Ihm werden zum Beispiel mehrere Gegenstände gezeigt, aus denen er diejenigen erfolgreich heraussucht, die dem 13. Dalai Lama gehört hatten. Für westliche Vorstellungen eine schwer nachvollziehbare Art, ein für Tibet so wichtiges Amt zu besetzen. Da für Tibeter der Dalai Lama aber jeweils eine Wiedergeburt seines Vorgängers ist, lässt sich damit die Idee, dass der kleine Junge Gegenstände seines Vorgängers wiedererkennt, erklären. Am 22. Februar 1940 wird der heutige Dalai Lama schließlich im Alter von nur vier Jahren im Potala-Palast in Tibet inthronisiert. Hier wird er als buddhistischer Mönch erzogen und erhält eine Ausbildung.

Dalai Lama und Heinrich Harrer: Eine besondere Beziehung

Der Dalai Lama hat bis heute eine enge Verbindung zum deutschsprachigen Raum, die mit der Rolle zu tun hat, die Heinrich Harrer in seinem Leben spielt. Der österreichische Bergsteiger, der 1939 an einer deutschen Expedition zum Nanga Parbat - Berg im Himalaya von 8125 Meter Höhe - teilnimmt, wird Anfang des Zweiten Weltkriegs in Indien von britischen Truppen inhaftiert. 1944 gelingt Harrer gemeinsam mit einem Freund die Flucht aus der Gefangenschaft, die ihn schließlich nach Tibet führt. Dort arbeitet er zunächst als Fotograf und Übersetzer der Regierung von Tibet und wird schließlich Lehrer, Berater und auch Freund des Dalai Lamas. Heinrich Harrer, der Geografie studiert hat, vermittelt dem Dalai Lama Einblicke in die westliche Welt. Nach seiner Rückkehr nach Europa schreibt Harrer das Buch "Sieben Jahre in Tibet", das ein Weltbesteller und schließlich Ende der 90er Jahre verfilmt wird. Heinrich Harrer nimmt somit eine Vermittler-Funktion zwischen der westlichen Welt auf der einen Seite und dem Dalai Lama auf der anderen Seite ein: Die westliche Welt erhält einen intimen und einzigartigen Einblick in das Leben und die Erziehung des jungen Dalai Lamas und dieser wiederum bekommt als junger Mensch Einsicht in die gedankliche Welt Europas.

Exil in Dharamsala

Nachdem die chinesische Armee 1951 in Tibet einmarschiert, unterzeichnen Vertreter der tibetischen Regierung ein Abkommen mit China, das Tibet Religionsfreiheit und zumindest innenpolitisch Autonomie zusichert, aber alle außenpolitischen Entscheidungen zur Sache Chinas erklärt. Bis 1958 gelingt so ein friedliches Zusammenleben von Tibet und China, das jedoch mit der Einrichtung eines Komitees, das Tibet unter Vorsitz des Dalai Lamas auf die Autonomie vorbereiten soll, beendet wird. Der Dalai Lama muss aus Tibet nach Dhramsala, das im Himalaya in Indien liegt, fliehen. Seinen hohen Bildungsstand beweist er vorher noch mit der Erlangung der Doktorwürde (Geshe) in der Theologie des Buddhismus, die ihm unter anderem aufgrund von erfolgreich geführten Debatten mit Mönchen verliehen wird.

Dalai Lama - ein reisender Philosoph

Der Dalai Lama erregt auf seinen Reisen durch die Welt immer wieder große Aufmerksamkeit. Die Lage Tibets ist von außen zwar schwer zu beurteilen, doch der Dalai Lama erhält für seine Art, durch friedliche Aktivitäten auf die kritische Situation in Tibet aufmerksam zu machen, 1989 den Friedensnobelpreis. In vielen Menschen erweckt der Dalai Lama auch unabhängig von seiner Rolle als Repräsentant von Tibet, eine große Sympathie. Dazu trägt seine positive Ausstrahlung und das fortwährende Lächeln, mit dem er in der Welt unterwegs ist, bei. Er setzt sich durch Vortragsreisen und diverse Schriften für einen Dialog unter Menschen ein, der von Frieden und Mitgefühl geprägt ist. In den USA ist unter anderem dank seiner Initiative ein Institut entstanden, das sich der Förderung eines Dialogs zwischen moderner Wissenschaft und dem Buddhismus verschrieben hat. Unter dem Namen "Mind and Life" - also Geist und Leben - ist es nicht profitorientiert und erforscht zum Beispiel neue Wege in der Erziehung von Kindern. Seit 2006 geht es in einem Projekt um die Frage, wie man Kinder erziehen kann, damit sie über die wichtigen Eigenschaften: Konzentration, Stabilität und Empathie verfügen.

Autorin: Dorothee Ragg, Platinnetz-Redaktion