Gedankenlose Geschenke schaffen Frust

Ein Korkenzieher, den Sie nicht brauchen, eine Espressomaschine, die Sie schon haben oder eine Julio Iglesias-CD, die Sie nicht wollen, hinterlassen Ärger, auf den Sie ebenfalls getrost verzichten könnten. Zu der Hitliste der unliebsamsten Geschenke zählen bei vielen Herren Socken, Unterhosen und Krawatten, bei Frauen Küchen- und Haushaltsgeräte. Es sei denn, sie sind ausdrücklich erwünscht.

Unbedachte Präsente, die erkennen lassen, dass sich der Schenkende wenig Mühe gegeben hat, können nicht nur missfallen, sondern gar verletzen. Die Blumenvase, auf der noch der Preis klebt, Socken, die fünf Nummern zu groß sind oder eine Anti-Falten-Creme, die als bittere Anspielung empfunden wird, bereiten keine Freude, sondern Frust. Das, was schmerzt, ist die Gedankenlosigkeit, die dahinter steht.

Hohe Erwartungen ersticken die Freude

Wenn Geschenke keine Begeisterung auslösen, liegt das nicht immer nur an der Unbedachtheit des Schenkenden. Vielleicht müssen Sie sich auch an Ihre eigene Nase fassen. Waren Ihre Erwartungen eventuell zu hoch? Konnte der Schenkende wirklich ahnen, was Sie sich von ihm wünschen? Oder haben Sie die verklärte Vorstellung davon, dass er schon von alleine darauf kommt, wenn er nur aufmerksam genug ist? Der grundlegende Fehler bei dieser Annahme ist: Andere Menschen sind nicht wie Sie. Sie denken und fühlen anders – und Sie wertschätzen und freuen sich über andere Dinge. Manchmal liegt die Bewertung, ein „falsches“ Geschenk bekommen zu haben, auch einfach nur im Auge des Betrachters.

Ehrlich sein und Wünsche offen ansprechen

Sicherlich gilt es als diplomatisch, Geschenke dankend anzunehmen und sich darüber zu freuen. Wenn sich dieses Gefühl jedoch beim Anblick eines Korkenziehers partout nicht einstellen möchte, würde das bedeuten, dass Sie Freude vortäuschen müssten. Richtig schlau ist diese Strategie auf Dauer nicht, denn jede geheuchelte Freude zieht „Folgekosten“ nach sich: Denn mit Ihrer Reaktion bestätigen Sie den Schenkenden in seiner Annahme, genau das Richtige für Sie ausgesucht zu haben. Also können Sie in Zukunft auch mit weiteren „Fehlkäufen“ rechnen.

Bevor Sie das nächste Mal herbe enttäuscht werden, sprechen Sie Ihre Wünsche doch lieber offen an. Ihnen geht dann zwar der Überraschungsmoment verloren, dafür entlasten Sie jedoch beide Seiten: Der Schenkende kann nichts falsch machen, und er hat die Garantie, dass Sie sich über sein Geschenk freuen. Und Sie bekommen, was Sie sich wünschen und müssen keine Freude heucheln. Wünschen Sie sich also einen Fotoanhänger, so bekommen Sie ihn auch.

Unliebsame Geschenke - was tun?

Haben Sie sich ein Herz gefasst und die Wahrheit angesprochen, steht der Frage nun nichts mehr im Wege: Was tun mit dem überflüssigen Überdruckkorkenzieher? Hier müssen Sie wissen: Ein Recht auf Umtausch gibt es bei Nichtgefallen nicht. Als Verbraucher sind Sie auf die Kulanz der Händler angewiesen. Lässt dieser sich auf einen Umtausch ein, steht ihm frei, Ihnen das Geld zurück zu erstatten oder Ihnen einen Gutschein über den Betrag auszustellen.

Wenn ein Umtausch nicht möglich ist, gibt es am Ende noch die Alternative, das Geschenk im Internet oder auf dem Flohmarkt zu Geld zu machen. Oder Sie verschenken es einfach weiter. Am besten an jemanden, der sich darüber freut – sonst wird das Geschenk schnell zum Wanderpokal…

Autorin: Kerstin Brenig, Platinnetz-Redaktion