Bevor der Beat-Club über die deutschen Bildschirme flimmerte, war es mit moderner englischsprachiger Musik im Deutschland der 60er Jahre nicht weit her. Die meisten Radiostationen verweigerten sich der neuen, „ausgeflippten“ Beat-Musik, auch im Fernsehen gab es nichts dergleichen. Wer fernab von der gängigen deutschen Kultur Musik hören wollte, musste auf Piratensender oder das populäre Radio Luxemburg ausweichen. Doch die deutsche Musikbranche konnte die Beatmusik und damit den Rock’n’Roll nicht länger ignorieren, als diese langsam aber sicher die Charts eroberten. Radio Bremen, das auch heute noch zur ARD gehört, brachte den Stein ins Rollen und beauftragte den Musikredakteur „Mike“ Leckebusch und den DJ „Gerd“ Augustin, eine Musiksendung für junge Leute zu entwickeln. Am 25. September 1965 war es dann soweit und die erste Sendung des Beat-Club flimmerte über die Bildschirme – mit Live-Musik, GoGo-Girls und tanzenden Jugendlichen vor der Bühne.

Der Beat-Club zwischen Verehrung und Kritik

Der Beat-Club schlug schon in dieser Form von Beginn an große Wellen. Als sich der spätere Tagesschausprecher Wilhelm Wieben vor der ersten Sendung mit folgenden Worten an die Eltern richtete: "Sie aber, meine Damen und Herren, die sie Beat-Musik nicht mögen, bitten wir um Verständnis", ahnten die Macher des Beat-Club wohl schon, dass das Format Entrüstung auslösen könnte. Damit lagen sie richtig, „Urwaldmusik“ war dabei noch eine der freundlicheren Bezeichnungen, die viele Erwachsene für den Beat Club übrig hatten. Diese ablehnende Haltung lag allerdings nicht nur an der Musik. Sondern auch die wild tanzenden Menschen mit langen Haaren, die GoGo-Girls im Hintergrund und nicht zuletzt die immer kürzer werdenden Röcke der kecken Moderatorin Uschi Nerke glichen einer Provokation. Was für ein Angriff auf die guten Sitten! Doch bei den Jugendlichen traf der Beat-Club absolut den Nerv der Zeit. Günther (59) erinnert sich: „Wenn der Beat-Club im Fernsehen  lief, durfte mich niemand stören. Im Freundeskreis trafen wir uns bei demjenigen, der sturmfreie Bude hatte, dämmten die Lichter und tanzten zur Musik. Das war eine wilde Zeit“. Zum Teil war es auch die ablehnende Haltung der Erwachsenen, die den Reiz ausmachte. „Natürlich fand ich es klasse, dass sich mein Vater so über die Musik aufgeregt hat“, gibt auch Günther grinsend zu. Trotz – oder gerade wegen der harschen Ablehnung – wurde der Beat-Club blitzschnell zur Kultsendung.

Der Beat-Club und das Lebensgefühl

Der Beat-Club, ab 1970 in Farbe gesendet, bot seinen begeisterten jungen Zuschauern einen bunten Musik-Mix. Während zu Beginn hauptsächlich deutsche Bands wie „The Lords“ oder „The Rattles“ auftraten, gaben sich immer größere Stars im Beat-Club die Klinke in die Hand. Musik und Auftritte vom gemäßigten Cat Stevens bis hin zu rebellischen Gruppen wie Black Sabbath, Jimi Hendrix oder Frank Zappa bekamen ihren Platz in der ersten deutschen Musiksendung. Selbst die Rolling Stones wurden in Videos eingespielt, die Sendung wurde aufgepeppt mit quietschbunten psychedelischen Einspielern oder anderen grafischen Späßen, die den neuesten Stand der Technik des noch jungen Mediums Fernsehen ganz ausreizten. In dieser fast anarchischen Aufmachung bedeutete der Beat Club für die Jugend ein ganzes Stück Freiheit. Günther berichtet „Ach, das war rückblickend wie eine Art Befreiung vom Mief der fünfziger Jahre! Ich hatte dann auch lange Haare und wollte damit ein Zeichen gegen das Establishment setzen, aber natürlich standen damals das Tanzen und der Spaß im Vordergrund. Ich glaube heute aber, dass vor allem die Rebellion so viel Spaß gemacht hat.“

Der Beat-Club lebt weiter

1972 wurde der Beat-Club zwar eingestellt, doch in Vergessenheit geraten ist er bei seinen Fans längst nicht. Seit einigen Jahren hat Radio Bremen den Beat Club zumindest im Radio wieder auferstehen lassen – am Mikrofon steht wieder die Moderatorin von damals, Uschi Nerke. Zu hören ist das Radioprogramm jeden Samstagnachmittag auf Radio Bremen und ist auch als Internetradio jederzeit verfügbar. Für Fans des Originals gibt es aber auch eine andere Möglichkeit, in alten Zeiten zu schwelgen: Inzwischen wurden fast alle Folgen des Beat-Clubs auf DVD veröffentlicht.

Autorin: Julia Heilig, Platinnetz-Redaktion

Datum: 24. November 2009