Ein traditioneller Buchclub: Eine Gruppe begeisterter Leseratten trifft sich regelmäßig, legt Bücher fest, die alle Mitglieder lesen und diskutiert nach der Lektüre gemeinsam über alle Aspekte des jeweiligen Textes. Eine schöne Form, sich privat der Literatur zu widmen und sich gleichzeitig mit anderen Menschen auszutauschen. Ein solcher Buchclub schult und bildet nicht nur, er erweitert den persönlichen Horizont und sorgt für gedankliche Bewegungsfreiheit. Wer meint, dass solche Clubs schon längst einer romantischen Vergangenheit angehören, der irrt. Ganz im Gegenteil: Nicht zuletzt durch das Internet haben sich die Formen und Varianten eines solchen Clubs vervielfacht.

Der Buchclub im Internet

Viele Menschen gehen einigen Beschäftigungen fast nur noch online nach. Die Kommunikation läuft über den Chat, ferngesehen wird online und E-Cards ersetzen die Geburtstagseinladung per Post. Dabei sind die Geschmäcker sehr verschieden, denn nur weil man im Internet viele Optionen hat, heißt das nicht, dass man diese auch alle gerne in Anspruch nimmt. Während die einen nur noch im Internet Radio hören, können die anderen sich nicht vorstellen, an einem anderen Ort als dem Auto ihrem Lieblingssender zu lauschen. Genauso geht es auch den Literaturfreunden: Die einen sind froh, dass sie nicht extra in den Buchladen fahren müssen, um schnell an den neuesten Krimi zu kommen, die anderen können sich nicht vorstellen, auf das Stöbern im Buchladen zu verzichten. Und so wie es längst die virtuelle Buchhandlung gibt, gibt es auch den virtuellen Buchclub.

Im Internet stößt der suchende Literaturliebhaber schnell auf jede Menge Foren, die sich dem Thema "Lesen" widmen. Hier kann man an jeder Menge literarischer Aktivitäten teilnehmen. Man findet eine Gruppe, die gerade über das eigene Lieblingsbuch diskutiert, Leseratten, die immer auf der Suche nach neuen Tipps und Anregungen sind oder auch einer Gemeinschaft, die sich regelmäßig im Forum trifft, um dann gemeinsam über ein bestimmtes Buch zu diskutieren. Das "gemeinsame Lesen" ist geprägt vom Austausch untereinander. Denn meist sorgt erst die Reflexion oder ein Gespräch über ein Buch dafür, dass man sich richtig bewusst mit dem Text auseinander setzt.

Bücher jagen: Ein Buchclub der anderen Art

Ebenfalls über das Internet hat sich in den letzten Jahren das so genannte Geocaching verbreitet, dass unter Alt und Jung immer mehr begeisterte Anhänger findet. Dabei geht es um eine Kombination von Schnitzeljagd und Rätselraten in freier Wildbahn. Und solch ein ähnliches Projekt gibt es auch als eine Art moderner Buchclub. "BookCrossing" nennt sich das Ganze und ist so simpel wie faszinierend. Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder man "erjagd" ein Buch oder man lässt eins "frei" und eröffnet damit selbst die Jagd auf das gute Stück. Wer jagen möchte, findet auf der Internetseite die Orte, an denen ein Buch "ausgesetzt" wurde und wie lange es sich schon in freier Wildbahn befindet. Die Angaben sind dabei mal mehr, mal weniger präzise - auf jeden Fall kann sich der interessierte Jäger nun auf die Suche begeben. Wer dagegen selbst ein Buch hat, das er gerne an begeisterte BookCrosser weiter geben möchte, registriert dieses auf der Seite und gibt Zeitpunkt und Ort der "Freilassung" an, damit andere Leseratten es aufspüren können. Dieser Buchclub bietet auf seiner Internetseite auch die Gelegenheit des Austauschs und der Diskussion über die Bücher - denn die Gemeinschaft lebt von der Kommunikation.

Auch wenn der Buchhandel beim Start dieses globalen Projekts im Jahr 2001 eher skeptisch reagierte, hat er doch schnell erkannt, dass ein solcher Buchclub auch durchaus zur Belebung des Geschäfts beitragen kann. Schnell stifteten selbst Verlage regelmäßig das ein oder andere Buch der aktiven Gemeinschaft. Wer auf der Internetseite mal unter den in seiner Stadt ausgesetzten Büchern stöbert, wird überrascht sein, an wie vielen Expemplaren er auf dem Weg zur Arbeit, zum Supermarkt oder den Freunden vorbei gegangen ist.

Wer gerne und mit Leidenschaft liest, der redet in der Regel auch gerne über das, was er gelesen hat, statt einfach nur zu konsumieren. Dabei muss es natürlich nicht sofort der Buchclub sein, in dem man mit gleich mehreren Teilnehmern diskutiert. Gerade Paare machen immer wieder tolle Erfahrungen damit, gleichzeitig das selbe Buch zu lesen und sich anschließend darüber auszutauschen. Denn das fördert nicht nur ein gemeinsames Hobby, sondern vor allem auch die Kommunikation. Man lernt Denk- und Sichtweisen des anderen kennen, derer man sich vorher nicht bewusst war.

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion

Datum: 23. November 2009