Schlagermusik ist, was sie ist: Unterhaltungsmusik. Zum Karneval etwa stört sich kaum jemand an simplen Melodien und eingängigen Texten. Und der Ballermann auf Mallorca wäre undenkbar ohne die zeitlosen Hits deutscher Musiker. Schlagermusik nimmt sich nicht zu ernst und will nichts etwas darstellen, was sie nicht ist. Im Allgemeinen wird deshalb auf künstlerischen Anspruch im Bereich der Schlagermusik kaum geachtet. Während deutscher Pop häufig betont anspruchsvoll verpackt ist, bleibt man hier in der Regel bodenständig. Dabei wird eines leicht vergessen: Die Lieder sind nicht mehr oder weniger tiefsinnig als das meiste, was sich im Bereich des Pop so bewegt. Im Grunde genommen ist nämlich Schlagermusik nichts anderes als deutschsprachiger Pop. Gerade eine eher junge Band wie Rosenstolz zeigt dies sehr deutlich. Und Texte über Liebeskummer, Herzschmerz und Zweisamkeit werden nie aus der Mode kommen. Ob es sich nun um den neuesten Popsong von beispielsweise Silbermond oder eben um Schlagermusik von Peter Maffay, Marianne Rosenberg oder Dieter Thomas Kuhn handelt.

Marianne Rosenberg als Beispiel für anspruchsvolle Töne in der Schlagermusik

Auch wenn allein bei dem Wort sich bei manchem schon die Ohren schließen, gibt es eine ganze Reihe von Beispielen, bei denen Schlagermusik weitaus mehr Publikum erreicht hat als man annehmen könnte. Man denke nur an Marianne Rosenberg: Ihr Hit „Er gehört zu mir“ ist heute noch – und vor allem bei der jüngeren Generation – ein zeitloser Partyhit. Die Sängerin hat seit den 80er Jahren einen Imagewandel vollzogen und auch politische Themen aufgegriffen. Dabei sollte auch nicht vergessen werden, dass Rio Reiser, die verstorbene Ikone des Protestsongs, einige (preisgekrönte) Texte für Rosenberg geschrieben hat. Reiser selbst hatte nie ein Problem damit, Texte zu Schlagermusik zu schreiben. Ein anderes Beispiel wäre Peter Maffay, der seit dem Beginn seiner Karriere immer zwischen Schlagermusik und Rock bewegt hat und heute zu den populärsten deutschen Musikern  überhaupt gehört. Bleibt zu sagen, dass der schlechte Ruf von Schlagermusik vor allem eines ist: ein Image. Das mag zwar nicht völlig aus der Luft gegriffen sein, spiegelt aber auch nicht unbedingt die Realität wieder.

Autor: Edgar Naporra, Platinnetz-Redaktion