Füttern, zum Tierarzt bringen oder mit nach Deutschland nehmen? Das fragen sich Touristen mit einem Herz für Tiere Jahr für Jahr, wenn sie das Elend der Straßentiere an ihrem Urlaubsort sehen. Die Misere ist groß und das Engagement der jeweiligen Behörden viel zu gering. In den Tierheimen Mallorcas werden Hunde, die nach 21 Tagen noch keinen neuen Besitzer gefunden haben, per Giftspritze getötet. Auf Kreta werden immer wieder Welpen in den Säcken der Mülltonnen gefunden. Und in Italien werden Hunde gezielt gezüchtet, ausgesetzt, wieder eingefangen und weggesperrt, um den profitablen "Streunerhundenotstand" aufrecht zu erhalten. Am Grundproblem lässt sich leider so schnell nichts ändern, doch was können Urlauber konkret tun, um einzelnen Tieren vor Ort zu helfen?

Durch Füttern helfen?

Immer wieder verlieben sich Urlauber in ein streunendes Tier, dass ihnen an ihrem Ferienort "zugelaufen" ist. Sie schließen es in ihr Herz und füttern es zwei Wochen lang regelmäßig, kümmern sich und schenken ihm Liebe, Streicheleinheiten und Aufmerksamkeit. Doch spätestens am Tag vor der Abreise stellt sich dann die Frage: Wird es dem lieb gewonnenen Vierbeiner auch gut gehen, wenn ich nicht mehr vor Ort bin? Habe ich seine Lage jetzt vielleicht sogar verschlimmert, weil er in Zukunft wieder auf sich allein gestellt sein wird? Dieses Problem übersehen in der Tat viele Urlauber. Aus Mitleid beginnen Sie, ein Tier zu füttern und binden es somit an sich. Damit ist dem Tier in keinster Weise geholfen. Also: Nicht füttern!

Kann der Tierarzt helfen?

Das Grundproblem in den süd- und auch osteuropäischen Ländern ist, dass die Haustiere meist nicht kastriert werden. Die Tierhalter in diesen Ländern haben oft ein lockereres Verhältnis zu ihren Tieren als wir es kennen. Sie lassen ihre Tiere tagsüber durch die Straßen streunen. Oft sind die Hunde und Katzen unterernährt, weil ihre Besitzer ihnen nicht genug zu Fressen geben - manchmal auch, weil sie es sich nicht leisten können. Auf den Straßen pflanzen sich die Tiere unkontrolliert mit ihren Artgenossen fort, doch aufgenommen wird der Nachwuchs von den Haltern in der Regel nicht. In den Familien wird meist höchstens der schönste der Welpen behalten, die anderen werden samt Muttertier ausgesetzt und sich selbst überlassen. Es ist natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein, doch wenn Sie ein Straßentier zum Tierarzt bringen und es dort entwurmen und kastrieren lassen, tun sie nachhaltig etwas Gutes. Je mehr Tiere sie zur Kastration bringen, desto besser. Gerade besonders abgemagert wirkenden Tieren ist mit einem Tierarztbesuch mehr geholfen als mit jeder Futterration. Denn leidet dass Tier unter einer Krankheit oder starkem Wurmbefall, ist ihm nur mit Medizin geholfen.

Mit nach Hause nehmen?

Der Deutsche Tierschutzbund rät unbedingt davon ab, ein Tier unüberlegt aus dem Urlaubsort mit nach Hause zu nehmen. Die Erfahrung zeigt, dass Touristen, die sich im Urlaub in ein Tier verliebt haben und es mitnehmen, meist im Alltag in Deutschland merken, dass sie einen Fehler gemacht haben. Denn eigentlich haben sie weder Zeit noch Geld, um sich richtig um das Tier kümmern zu können. Und dann landet es in einem der überlasteten deutschen Tierheime und ist in der fremden Umgebung noch einsamer als zuvor. Wenn Sie über diese Überlegungen hinaus jedoch ernsthaft erwägen, ein Tier mit nach Hause zu nehmen, müssen Sie zunächst folgende Dinge klären:

  • Ein Tierarzt muss versichern können, dass das Tier keine ansteckenden Krankheiten hat.
  • Der Hund oder die Katze muss unbedingt entwurmt werden.
  • Das Tier muss gegen einige bestimmte Krankheiten geimpft werden. Unerlässlich ist etwa eine Tollwut-Impfung, die jedoch vier Wochen vor Einreise des Tiers nach Deutschland vorgenommen werden muss.
  • Die Einfuhrbestimmungen des jeweiligen Landes müssen eingehalten werden. Dazu gehört zum Beispiel die Bestätigung eines Amtstierarztes über den Gesundheitszustand und die Impfungen des Vierbeiners.

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion

Datum: 31. Juli 2009