Die Deutschen sind ein umweltbewusstes Volk. Mit einem Durchschnitt von täglich 127 Litern pro Person hat Deutschland eine der niedrigsten Wasserverbrauchsraten der Welt. Doch wenn man auch jenes  Wasser hinzurechnet, das bei der Erzeugung von Produkten des täglichen Lebens benötigt wird – das sogenannte "virtuelle Wasser" – dann wird diese Zahl um ein Vielfaches höher. Nach aktuellen Berechnungen verbraucht demnach jeder Deutsche täglich über 4000 Liter Wasser!

Unmengen an Wasser gehen bei der Herstellung von Produkten verloren

Wer von "virtuellem Wasser" spricht, meint Wasser, das zur Herstellung von Produkten verwendet wurde. Als Konsument bekommt man von diesem Wasserverbrauch nichts mit, die Wassermenge bleibt virtuell, sie wird nur in unserer Vorstellung anschaulich. Der Ausdruck wurde schon vor einem Jahrzehnt erfunden, doch die Zahlen dringen erst mit steigendem Umweltbewusstsein an die Öffentlichkeit.

Eines der Produkte, hinter dem am meisten Wasserverbrauch steckt, ist Kakaopulver. Denn der Kakaobaum ist eigentlich eine Urwaldpflanze und braucht ein feuchtes Klima, um zu gedeihen. Der größte Teil der Kakaobäume wird allerdings auf Plantagen angepflanzt – und das direkt an der Sonne. Ein immenser Bewässerungsvorgang wird nötig, damit der Baum auch in dieser trockenen Umgebung Früchte trägt. Wenn man diese und andere Faktoren mit einberechnet, kommt ein überraschendes Ergebnis heraus: Die Herstellung von einem Kilo Kakaobohnen verschlingt 27.000 Liter Wasser! Auch für andere Produkte wurde der virtuelle Wasserverbrauch ausgerechnet. Ein Auto verbraucht bei der Herstellung satte 400.000 Liter, eine Jeans 11.000 Liter und ein Burger, der kaum den kleinen Hunger zwischendurch stillen kann, verschlingt bei der Herstellung 2.400 Liter Wasser.

Wie kann man den virtuellen Wasserverbrauch beeinflussen?

Diese Zahlen sind schockierend und ein Gefühl von Machtlosigkeit macht sich breit, schließlich kann man die Produktion nicht beeinflussen. Und wer mag schon deshalb auf ein Auto, eine Tasse Kakao oder eine neue Jeans verzichten? Trotzdem kann man etwas tun. Zwar liegt es nicht am Verbraucher, wie die Produkte hergestellt werden, als Kunde kann man aber sehr wohl frei entscheiden, was und wo man kauft.

Grundsätzlich wird empfohlen, auf Importwaren zu verzichten und heimische Produkte zu kaufen. Wieso argentinisches Rindfleisch essen, wenn es auch aus der regionalen Metzgerei gutes Fleisch gibt? Allein ein weiter Transportweg verschlingt durch die nötigen Kühlprozesse nicht nur unnötigviel Wasser, sondern verbraucht auch andere Ressourcen, was die Umwelt nachhaltig schädigt. Auch sind die Anbaumethoden in anderen Ländern fraglich. Wer sich beispielsweise für Tomaten aus Spanien entscheidet, kauft Gemüse, das nur mithilfe künstlicher Bewässerungssysteme in den ansonsten trockenen Regionen wächst. Deshalb müssen die Pflanzen unverhältnismäßig stark bewässert werden. Auch Erdbeeren, die in südlichen Ländern schon im Februar mit einem immens hohen Bewässerungsaufwand angebaut werden, locken zwar außerhalb der Saison, aber man sollte lieber warten bis die süßen Früchte auch in Deutschland wachsen. Beim Kauf von umweltfreundlichem Papier kann man so richtig Wasser sparen. Für die Produktion von Recyclingpapier wird nur ein Prozent der Wassermenge benötigt, die man für die Herstellung von normalem Papier braucht.

Wo kann man im Haushalt Wasser sparen?

Und auch wenn Deutschland beim Umweltschutz ganz gut dasteht: Man sollte sich nicht auf den Lorbeeren ausruhen und stattdessen weiter versuchen, den Wasserverbrauch zu senken. Forscher haben ausgerechnet, dass ein Deutscher pro Tag im Haushalt ungefähr 127 Liter Wasser verbraucht. Den schlimmsten Wasserverlust macht dabei die Toilette aus, täglich rauschen pro Person 34 Liter reines Trinkwasser durch die Spülung! Wer eine Spülstopp-Taste hat und diese auch regelmäßig nutzt, kann mit nur einem Handgriff unnötige Wasserverschwendung verhindern.

Auch durch Wasser sparende Geräte wie Wasch- oder Spülmaschinen kann man eine Menge beitragen. Das wird vor allem dann deutlich, wenn man die aktuellen Zahlen mit dem Wasserverbrauch von vor 30 Jahren vergleicht. Ende der 80er Jahre lag der Wasserverbrauch pro Kopf noch bei 140 Litern am Tag. Zur Erinnerung: Heute sind es rund 13 Liter weniger. Das steigende Umweltbewusstsein der Deutschen hat sich also bereits ausgezahlt, jetzt kommt es darauf an, weiter auf ein umweltverträgliches Einkaufsverhalten zu achten.

Autorin: Julia Heilig, Platinnetz-Redaktion

Datum: 08. Oktober 2009