Noch vor wenigen Jahren hatte man es schwer, wenn man beim Kauf von Kleidung Wert auf fairen Handel und chemiefreie Baumwolle legte. Geschäfte, in denen es solche Mode zu kaufen gab, waren rar und von modischem Stil waren die Kleidungsstücke weit entfernt. Das hat sich heute grundlegend geändert. Bio ist in und viele Models und Stars zeigen sich gern in grüner Mode. Sie unterstützen damit einen Trend zu mehr sozialer Verantwortung und Umweltschutz.

Warum grüne Mode?

Jeder Deutsche verbraucht im Jahr etwa 20 Kilogramm Baumwollstoff, wovon ungefähr die Hälfte für Kleidung verwendet wird. Dabei werden für den Anbau von Baumwolle mehr Düngemittel und Pestizide eingesetzt, als für irgendeine andere Feldpflanze. Rund ein Viertel der weltweit verwendeten Insektizide und rund elf Prozent aller Pestizide werden auf Baumwollfeldern versprüht. Der Anbau von Baumwolle ist für die Bauern in den Herkunftsländern sehr gefährlich: Jährlich sterben rund 20.000 Menschen an einer Pestizidvergiftung. Hinzu kommt, dass die Bauern die Chemikalien selbst anschaffen müssen, so dass sie sich mit hohen Krediten verschulden. Diese Kredite zurückzuzahlen, kostet sie die Hälfte ihrer ohnehin schon geringen Erlöse. Auch die Umwelt leidet unter diesem massiven Einsatz von Giften. Die Chemikalien belasten den Boden und verunreinigen das Grundwasser. Bei der Verarbeitung der Baumwolle kommen weitere chemische Behandlungen hinzu. Dazu zählen reizende, umweltschädliche Farbstoffe oder chemische Veredelungsmaßnahmen, die Textilien zum Beispiel fusselfrei oder schmutzabweisend machen. Ein T-Shirt aus konventionellem Handel ist so letzten Endes mit einem beachtlichen Gift-Cocktail angereichert.

Die günstigen Preise konventionell hergestellter Mode können häufig nur dadurch gehalten werden, dass den Produzenten und Arbeitern im Herstellungsland niedrigste Löhne gezahlt werden, von denen sie kaum leben können. Damit eine Familie zu ernähren ist unmöglich. Dabei sind Siebentagewochen und tägliche Arbeitszeiten von 14 Stunden keine Seltenheit. In so genannten „Sweat Shops“, also Fabriken mit Hungerlöhnen und ohne Arbeitnehmervertretungen, arbeiten auch Kinder unter schlimmsten Bedingungen. Eine Alternative bietet Mode aus nachhaltiger Produktion.

Was ist das Besondere an Mode aus nachhaltiger Produktion?

Mit dem Kauf von grüner Mode tut man nicht nur sich selbst, sondern auch der Umwelt etwas Gutes und übernimmt ein Stück soziale Verantwortung. Längst besteht Kleidung aus nachhaltiger Produktion nicht mehr nur aus zeltartigen Leinensäcken in grau oder beige. Aktuelle Öko-Mode hat Stil und steht herkömmlicher Mode in nichts nach.

Die in Ökotextilien verarbeitete Baumwolle wird ökologisch produziert, fair gehandelt und enthält keine giftigen Chemikalien, die Haut und Atemwege reizen, und Allergien auslösen könnten. Beim Bio-Anbau kommen weder chemisch-synthetischer Dünger noch giftige Pflanzenschutzmittel zum Einsatz. Gentechnisch verändertes Saatgut darf nicht verwendet werden. Gedüngt wird mit Mist und Kompost, was die Bodenqualität verbessert. Beim Bio-Anbau wird außerdem auf einen Fruchtwechsel geachtet, das heißt, dass abwechselnd mit Baumwolle andere Feldfrüchte angebaut werden, so dass sich der Boden von einseitiger Belastung erholen kann. Der faire Handel garantiert den Produzenten einen festen Mindestlohn, von dem sie die Produktionskosten decken, und sich und ihre Familien ernähren können. Es werden langfristige Handelsbeziehungen angestrebt, die den Bauern auch auf lange Zeit ein verlässliches Einkommen sichern. Beim Kauf von fair gehandelten Textilien kann man sicher sein, dass sie nicht in Kinder- oder Zwangsarbeit produziert worden ist. Jede Form der Diskriminierung wird abgelehnt.

Woran erkennt man fair gehandelte Mode?

Wer Öko-Mode kaufen möchte, kann sich an einem der verschiedenen Siegel orientieren. Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe solcher Gütesiegel, die jeweils für verschiedene Inhalte stehen.

Eins der bekanntesten Siegel ist „FairTrade.“ Es zertifiziert im Textilbereich ausschließlich Produkte aus Baumwolle und kontrolliert nur den fairen Handel. Hierbei werden allerdings sehr hohe Anforderungen gestellt. Bio-Anbau muss durch ein weiteres Siegel wie zum Beispiel "ECOCERT" nachgewiesen werden.

Die "FairWear Foundation" setzt sich für bessere Arbeitsbedingungen in der Modeindustrie ein und überwacht die Einhaltung der Verhaltenskodizes der teilnehmenden Firmen. Auch hier wird biologischer Anbau nicht überwacht.

Hohe Ansprüche müssen für das "GOTS"-Siegel (Global Organic Textile Standard) erfüllt werden. Um dieses Siegel zu bekommen, müssen hohe Umwelt- und Sozialstandards nachgewiesen werden.

Auch der ökologische Anbauverband "Naturland" steht für soziale Verantwortung und Umweltschutz. Dabei sind die Anforderungen im Bereich der sozialen Standards nicht ganz so streng wie bei "FairTrade".

Das Qualitätszeichen "Öko–Tex" (Textiles Vertrauen) steht ausschließlich für die Schadstofffreiheit des fertigen Produkts. Über die Anbau- und Produktionsbedingungen macht es keine Aussage. Bei der Erweiterung "Öko–Tex Standard 1000" muss die Fabrikationsstätte umweltfreundlich sein und es müssen gewisse soziale Mindeststandards eingehalten werden.

Neben diesen gibt es diverse weitere Qualitätszeichen, die alle für Bio-Anbau oder fairen Handel stehen. Das Angebot an grüner Mode ist mittlerweile so groß, dass für jeden Geschmack, Anlass und Geldbeutel etwas dabei ist. Die größte Auswahl an fair gehandelter Kleidung findet sich in Internet-Shops aber auch große Modeketten bieten zum Teil Biokollektionen an. So fällt es leicht, soziale Verantwortung zu übernehmen und die Umwelt zu schützen.

Autorin: Elke Liermann, Platinnetz-Redaktion

Datum: 4. November 2009