Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert, dass die Kosten, die bei Verträgen im Internet entstehen, zuvor von den Nutzern immer separat bestätigt werden müssen. Durch vermeintliche Gratis-Dienste wie Hausaufgabenhilfe, Kochrezepte oder Software locken Internet-Anbieter die Verbraucher in eine Kostenfalle. Ohne dass man es merkt, hat man ein teures Abo bestellt oder einen kostenpflichtigen Zugang eingerichtet. Erreicht einen die Rechnung für unbewusst abgeschlossene Dienstleistungen, sind Beträge von 200 Euro oder Verträge über zwei Jahre keine Seltenheit. Wer nicht bezahlt wird mit Drohungen, Mahnschreiben und Inkassobriefen bombadiert. Und wie der Verbraucherzentrale Bundesverband leider immer wieder feststellen muss, zeigt dieses Vorgehen oft Wirkung: Viele Verbraucher zahlen aus Angst.

Was der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert

Um den Verbraucherschutz zu stärken, müssen klarere gesetzliche Vorgaben her und die Preistransparenz im Internet höher werden. "Dass ein Angebot Geld kostet, muss für jedermann erkennbar sein, etwa durch ein deutlich sichtbares Abfragefeld", verlangt Gerd Billen, Vorstand des Verbraucherzentralen Bundesverbandes. In Frankreich etwa, wo ein solches Gesetz zum Verbraucherschutz bereits Gültigkeit hat, gibt es das Thema Kostenfalle nicht mehr. In Deutschland dagegen verursachen unseriöse Abzocke-Firmen einen Schaden von mehreren Millionen Euro. So verschickte eine dieser Firmen, nach Angaben der Zeitschrift Computerbild, innerhalb einer einzigen Woche 170 000 Rechnungen zu je 96 Euro. Wenn diese Rechnung auch nur jeder Zehnte Betroffene bezahlt hat, bliebe der Firma ein Gewinn von rund 1,5 Millionen Euro - und das in einem Zeitraum von wenigen Tagen. Genau gegen solche Online-Anbieter geht der Verbraucherzentrale Bundesverband seit Jahren gerichtlich vor. Es nützt jedoch wenig: Geringe Anpassungen im Angebot werden vorgenommen, dann geht der Betrug im Internet weiter. Von Jahr zu Jahr nimmt die Abzocke der Verbraucher zu - der Verbraucherschutz bleibt auf der Strecke. Deshalb fordert der Verbraucherzentrale Bundesverband schärfere Sanktionen gegen die Hintermänner der Online-Betrügereien. "Anwälten, die im Auftrag der Betreiber Mahnschreiben wie Postwurfsendungen verschicken, muss die Zulassung entzogen werden können", fordert Billen. Außerdem müsste einschlägig bekannten Anbietern von den Banken ein Konto verweigert werden. Doch solange diesen Forderungen keine gesetzlichen Maßnahmen folgen, bleibt den Verbraucherzentralen nur das Mittel der Warnung. Aus diesem Grund hat sich der Verbraucherzentrale Bundesverband mit der Zeitschrift Computerbild zusammen getan und ein Warnsystem entwickelt, das die Verbraucher in Zukunft vor dem Online-Nepp schützen soll.

Der Verbraucherzentrale Bundesverband und Computerbild bündeln ihre Kräfte

Eine extra für den Verbraucher entwickelte Software soll vor einer versteckten Kostenfalle im Internet schützen. Das von Computerbild entwickelte Programm "Abzock-Schutz" lässt sich kostenlos herunterladen und in den Firefox-Browser oder den Internet Explorer integrieren. "Es warnt die Internetnutzer vor dem Besuch unseriöser Seiten und verweist auf gebührenfreie Alternativen", erklärt Chefredakteur Hans-Martin Burr. Die Software stützt sich auf eine Datenbank, die jede Menge Adressen von unseriösen Online-Anbietern enthält. Diese Liste wird von Verbraucherschützern, Anwälten, dem Internetportal abzocknews.de und der Computerbild-Redaktion immer neu ergänzt und erweitert. Gerät man nun online auf eine dieser Abzock-Seiten, warnt die Software vor der versteckten Kostenfalle. Der Verbraucherzentrale Bundesverband hofft, auf diese Weise die Zahl der Betrugsfälle reduzieren zu können.

Ist man bereits auf ein Angebot einer Abzock-Firma hereingefallen, rät der Verbraucherzentrale Bundesverband, die Rechnungen nicht zu begleichen und sich im Zweifel an die örtliche Verbraucherzentrale zu wenden. Angst vor einer Klage müsse man in der Regel bei solch unseriösen Firmen nicht haben, da diese es nur darauf anlegen, dass die Nutzer aus Angst bezahlen. An einer gerichtlichen Auseinandersetzung sind betrügerische Anbieter naturgemäß nicht interessiert. Ist das Geld jedoch erst einmal überwiesen, ist es meist für immer verloren. Es auf gerichtlichem Wege zurück zu bekommen, ist so gut wie unmöglich, da die meisten der Unternehmen im Ausland sitzen und von der Bildfläche verschwinden, sobald ein Betroffener Ansprüche stellt.

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Redaktion