Der ADAC hat 34 Winterreifen getestet und ist dabei zu höchst unterschiedlichen Ergebnissen gekommen. Zwar finden Autofahrer laut ADAC "in allen Preisklassen wirklich gutes, wintertaugliches Material", doch gibt es auch einige Winterreifen, die bei den Tests vollkommen versagt haben. Dabei handelt es sich in der Regel um die Produkte aus Fernost, aber auch um die Zweit- oder Drittmarken der großen Markenhersteller, die auch auf dem Markt der Billig-Anbieter mitmischen wollen.

Gute Winterreifen haben ihren Preis

Im ADAC-Test wurden sowohl Winterreifen in der Dimension 185/60 R14 T für Autos wie Fiat Punto, Ford Fusion, Renault Clio oder VW Polo als auch in der Dimension 205/55 R 16 H für Fahrzeuge wie Audi A3, Fiat Stilo, VW Golf oder Opel Astra getestet. Dabei fielen die asiatischen Exoten gleich Reihenweise durch die Prüfungen. Der aus Taiwan stammende Goodride SW602 mag den Käufer durch die Namensähnlichkeit zum Markenherrsteller Goodyear in falsches Vertrauen wiegen - doch das würde schnell enttäuscht werden. Der Winterreifen aus Fernost wurde als "nicht empfehlenswert" eingestuft. In der Kategorie der kleineren Dimension etwa landeten die vier günstigsten Winterreifen auch auf den letzten vier Plätzen, alle mit dem Urteil "nicht empfehlenswert".

Doch auch wer meint, er könne mit den Billig-Produkten großer Marken sparen und deren Know-how und Techniken in ihren Zweit- und Drittmarken zum kleinen Preis bekommen, der irrt in der Regel. So mischen sich in unter die letzten Plätze der 185er-Winterreifen auch der Pneumant PN 150 oder der Sava Eskimo S3, aus dem Hause Goodyear. Doch wer hier genau hinschaut, kann manchmal eben doch sparen: Denn es gibt auch Ausnahmen, was die Zweit- und Drittmarken angeht. So belegte überraschend der Fulda Kristall Montero 3 den zweiten Platz unter den 185er-Reifen. Als Drittmarke des Goodyear-Konzerns schneidet der günstigere Winterreifen damit sogar besser ab, als der "original" Goodyear UltraGrip 7+. Auch in der größeren Dimension der Winterreifen gab es eine Überraschung: Unter die üblichen Verdächtigen auf den vorderen Plätzen mischte sich auch der größtenteils unbekannte neue ESA-Tecar Super Grip 7. Dieser Winterreifen ist zwar recht günstig, aber nur über die Werkstatt-Partner der Einkakufsorganisation des Schweizerischen Autogewerbes zu bekommen. Produziert wird auch dieser Winterreifen eigentlich vom Goodyear-Konzern.

Wer also auf Nummer sicher gehen möchte und Wert auf einen guten und sicheren Winterreifen legt, darf sich nicht allein auf die Zugehörigkeit zu einem großen Markenkonzern blenden lassen. Hier empfiehlt es sich wirklich, auf die einzelnen Modelle zu achten und sie unabhängig vom Hersteller zu vergleichen.

Sind Winterreifen Pflicht?

Seit dem 1. Mai 2006 gilt die Ergänzung des §2 Abs. 3a StVO, die da lautet: "Bei Kraftfahrzeugen ist die Ausrüstung an die Wetterverhältnisse anzupassen." Diese recht schwammige Formulierung liefert zwar keine klar definierte Norm, doch erleichtert sie den Versicherungen im Schadensfall die Ablehnung der Schadensregulierung aufgrund grober Fahrlässigkeit seitens des Unfallverursachers ohne Winterreifen. Von einer Winterreifen-Pflicht lässt sich also nicht direkt sprechen, doch empfiehlt nicht nur der ADAC unbedingt auf Winterreifen umzurüsten, sobald es kälter wird. Als Faustregel lässt sich der Zeitraum für Winterreifen von etwa Oktober bist Ostern festlegen. Diese Angabe kann jedoch genau so wie die 7° Celsius-Regel nur als Anhaltspunkt gelten. Denn ein Wintereinbruch kann immer schnell kommen und dann ist es gut, wenn die Autofahrer vorbereitet sind, vor allem weil gerade bei plötzlichem Wintereinbruch die Wartezeiten bei den Reifenhändlern oder Kfz-Werkstätten lang werden können. Winterreifen sind nicht nur bei Eis oder Schnee wichtig für die Sicherheit. Die Gummimischung in Sommerreifen härtet bei Temperaturen unter 7° aus und sie verlieren dadurch an Grip. Weil so der Bremsweg verlängert wird, sind Winterreifen auch schon vor dem ersten Schnee wichtig. Außerdem sollte man wissen, dass auch wenn die in Europa gesetzlich festgeschriebene Mindestprofiltiefe bei 1,6 mm liegt, sowohl der ADAC als auch andere Experten sich einig sind, dass eine Profiltiefe mit weniger als 4 mm die Wintertauglichkeit des Winterreifens extrem verringert. Entscheidend für den guten Grip von Winterreifen ist in erster Linie das Profil des Reifens. Doch auch das Alter der Autoreifen darf nicht aus den Augen verloren werden. Je nach Grad der Abnutzung, aber allerspätestens nach zehn Jahren, sollten die alten Reifen ausgetauscht werden.

Wer in einer Schneearmen Gegend wohnt oder die Möglichkeit hat bei Schnee auf das Auto verzichten zu können, findet vielleicht in den Allwetterreifen eine Alternative zu Winterreifen. Diese Ganzjahresreifen können unter diesen Umständen eine Kompromisslösung zu wechselnden Sommer- und Winterreifen darstellen und erfüllen laut dem ADAC auch die Anforderungen zur "angepassten Ausrüstung", wie sie in der StVO verlangt werden.

Autorin: Anne Bartel, Platinnetz-Team