90 Prozent aller Betroffenen leiden an Typ-2-Diabetes, die in vielen Fällen auf einen ungesunden Lebensstil zurückzuführen ist. Übergewicht, Bluthochdruck, alarmierende Blutfettwerte sowie mangelnde Bewegung sind häufige Begleiterscheinungen, die eine Diabetes-Erkrankung begünstigen. Wer sich nicht mit lebenslangen Insulininjektionen und Tabletten anfreunden will, hat bei Typ-2-Erkrankung gute Chancen neben einer bewusster Ernährung mit Sport als alleiniger Therapie seine Blutzuckerwerte langfristig in den Griff zu bekommen.

Sport setzt Zucker frei

Warum hilft Sport bei Diabetes? Ganz einfach: Wenn wir uns bewegen, arbeiten unsere Muskeln und damit das so bleibt, benötigen sie dringend Zucker als Energielieferanten. Sobald die Muskelzellen keinen Zucker mehr zur Verfügung haben, holen sie sich den aus dem Blut, was eine Senkung des Blutzuckerspiegels zur Folge hat. Außerdem erhöht regelmäßige Bewegung die Empfindlichkeit der Körperzellen gegenüber Insulin, die bei Typ-2-Diabetikern stark beeinträchtigt ist. Durch körperliche Aktivität wird somit der Stoffwechsel zwischen Körperzellen und Blutgefäßen angeregt und die Zellen reagieren bereits auf kleinere Insulininjektionen, was die Reduzierung von Medikamenten ermöglicht.

Bewegung in den Alltag integrieren

Sport ist also besonders für Diabetiker förderlich und kann sogar zur vollständigen Absetzung von Medikamenten führen. Doch wie setzen Bewegungsmuffel nun diese Erkenntnis sinnbringend in die Praxis um? Es geht bei einer Bewegungstherapie nicht darum, jeden Diabetiker in einen Leistungssportler zu verwandeln, sondern vielmehr soll tägliche Bewegung in den Alltag integriert werden, so dass körperliche Aktivität zur Gewohnheit wird und die Hemmschwelle stark gesenkt wird. Wichtig ist es, ganz langsam mit gezielten Bewegungsabläufen anzufangen und diese langsam, aber stetig zu steigern, damit die Motivation erhalten bleibt. Als Empfehlung für körperliche Aktivitäten gilt allgemein für jeden Menschen, sich mindestens dreimal in der Woche mindestens eine halbe Stunde bewusst zu bewegen und zwar so, dass man ins Schwitzen gerät.

Was für Sport eignet sich für Diabetiker?

Wenn man von einer heilenden Wirkung von Sport bei Diabetikern redet, ist es wichtig, zwischen Typ 1 und Typ 2 zu unterscheiden, denn Typ-1-Diabetiker leiden oft an einer Autoimmun-Störung, die wenig mit äußeren Faktoren wie Übergewicht oder Bewegungsmangel zu tun hat. Da sie auf regelmäßige Insulininjektionen angewiesen sind, ist Sport hier nicht in jedem Falle förderlich, sondern kann aufgrund starker Unterzuckerung sogar gefährlich sein. Es ist daher wichtig vor, während und nach den Sporteinheiten die Blutzuckerwerte genau im Auge zu behalten und sich vorab von einem Diabetologen beraten zu lassen.

Prinzipiell eignet sich Ausdauersport besonders gut für Diabetiker, während Kraftsport bei Menschen mit Bluthochdruck gemieden werden sollte und auch Extremsportarten wie Tauchen oder Fallschirmspringen schnell zu Unterzuckerung führen können. Joggen, Ballsport, Fahrradfahren, Schwimmen oder Sportkurse sind ideale Bewegungsanreger, aber auch im Alltag können viele Tätigkeiten in körperliche Aktivitäten münden. Statt dem Aufzug die Treppe nehmen, Erledigungen lieber zu Fuß und nicht mit dem Auto erledigen, Garten- und Hausarbeit oder tägliche Spaziergänge mit oder ohne Hund wirken nicht nur vorbeugend gegen Diabetes-Erkrankungen oder mindern zumindest die Symptome, sondern steigern auch das allgemeine Wohlbefinden sowie die körperliche Leistungsfähigkeit. Manch einer lässt sich wohl auch von dem Wunsch einige ungeliebte Pfunde loszuwerden zur regelmäßigen Bewegung motivieren. Wichtig ist auf jeden Fall: Sport soll Spaß machen und nicht zum Zwang werden. Daher sollte man körperliche Aktivitäten an die individuellen Bedürfnisse und Vorlieben anpassen, damit sie auch wirklich langfristig in den Alltag integriert werden können.

Autor: Daniela Schultheis, Platinnetz-Redaktion