Egal ob aus religiösen Gründen, schlechtem Gewissen oder Gesundheitsbewusstsein – die Motive für das Fasten sind so vielfältig wie seine Arten. Je nach Zielsetzung verzichten manche vollständig auf feste Nahrung, andere wiederum beschränken sich auf das Weglassen bestimmter Genuss- oder Lebensmittel wie Süßigkeiten, Fleisch oder Alkohol. Im Gegensatz zum Hungern geschieht Fasten immer freiwillig und nur für einen begrenzten Zeitraum.

Wie reagiert der Körper beim Fasten?

Auch wenn wir uns nicht bewegen: Unser Körper verbraucht ständig Energie. Wie sonst können wir unsere Betriebstemperatur von 37 Grad halten? Zellaufbau, Muskelbewegungen, jeder noch so kleine chemisch-physikalische Prozess in unserem Körper verlangt nach Energie. Wird die Energiezufuhr durch Nahrungsverzicht begrenzt oder gestoppt, muss der Körper mit seinen Fettreserven haushalten und stellt seine Stoffwechselvorgänge um.

Es bilden sich Säuren wie Azeton, das einen eigentümlichen Geruch auf Haut und Schleimhäuten hinterlässt. Diese Säuren sind es auch, die das anfängliche Hungergefühl dämpfen und oftmals eine euphorisierende Wirkung bei Fastenden hervorrufen. In seiner Not greift der Körper als erstes auf seine schnell verfügbaren Kohlenhydrat-Reserven zurück. Ist dieser Speicher nach etwa einem Tag aufgebraucht, geht es an die Langzeit-Reserven. Dabei kommt es vor der oft erwünschten Fettverbrennung erst einmal zur Verbrennung des Eiweißes, da dieses leichter verwertbar ist. Dadurch wird die Muskelsubstanz reduziert.

Um Muskelschäden, insbesondere am Herzen, und Mangelerscheinungen vorzubeugen, sollte deshalb bei einer längeren Fastenzeit stets der Eiweißgehalt im Körper kontrolliert werden.

Fasten - uralt und trotzdem voll im Diät -Trend

Auch wenn das Fasten bei Medizinern umstritten ist – es verfügt über eine Jahrtausende lange Tradition. Schon der griechische Arzt Hippokrates empfahl es als Heilmethode für viele Krankheiten. Und auch im Mittelalter setzten die Mönche es präventiv und therapeutisch in der Klosterheilkunde ein.

Und heute? Heute sind die Meinungen geteilt. Manche Schulmediziner bezweifeln nicht nur den Nutzen von Entschlackungs- und Fastenkuren, sondern warnen sogar davor. Sie glauben, dass der völlige Nahrungsverzicht eine Stresssituation im Körper auslöst, die bei entsprechender Vorerkrankung gefährlich, ja gar tödlich enden kann. Deshalb ist es auf jeden Fall ratsam, vor dem Fasten einen Arzt aufzusuchen.

Menschen, die es ausprobiert haben, schwärmen dagegen von der reinigenden und entschlackenden Wirkung, von der neu gewonnenen Energie und Lebensfreude und dem guten Körpergefühl. Denn die Energie, die sonst für die Verdauung verbraucht wird, kann nun zur Entgiftung genutzt werden. Dadurch wird das körpereigene Abwehrsystem gestärkt und die Selbstheilungsprozesse aktiviert.

Auch wenn es bislang noch keine eindeutigen, wissenschaftlich fundierten Belege für die Wirkweise gängiger Fastenkuren gibt, sind sich viele Experten einig: Ein psychologischer Effekt kann allemal erzielt werden. Denn das Fasten stellt einen Einschnitt in den normalen Essentrott dar, der ein Start für eine generelle Umstellung der Ernährung sein kann.

Mittlerweile gibt es viele verschiedene Formen des Fastens. Hier stellen wir Ihnen einige vor:

Heilfasten nach Buchinger

Benannt nach dem deutschen Arzt Dr. Otto Buchinger ist diese Methode die populärste Art des Fastens. Bei der niederkalorischen Trinkdiät nehmen die Fastenden nur Flüssiges in Form von Säften und Gemüsebrühen zu sich. Die eingenommenen Vitamine, Mineralien und Spurenelemente werden bei Bedarf mit Milchprodukten ergänzt. Voraussetzung ist eine vorherige Darmleerung. Die Kur kann entweder für mehrere Wochen in speziellen Kliniken erfolgen oder als kurzes „Fasten für Gesunde“ zu Hause. Für viele Fans eine schnelle und bewährte Form abzunehmen.

Die Milch-Semmel- Diät nach F.-X.-Mayr

Die traditionelle Kur des österreichischen Arztes Franz-Xaver Mayr fußt auf der Annahme, dass eine Fehlfunktion des Darmes verantwortlich für viele physischen und psychischen Probleme ist. Ihre vier Säulen bestehen aus Schonung und Säuberung (des Darms), Schulung (in Ernährungsfragen) und Substitution (in Form von lebenswichtigen Mineralien, Vitaminen und Spurenelementen).

Nachdem anhand der Bauchform des Patienten der Grad der „Selbstvergiftung“ diagnostiziert wurde, heißt auch hier die Devise: Viel trinken, vor allem Wasser und Kräutertees. Doch hier ist auch das Essen in Form von besonders zubereiteten Brötchen erlaubt, die mit etwas Milch schluckweise eingenommen werden. Zusammen mit dem täglichen Abführen mit Glaubersalzen soll diese Methode einerseits zu Reneration und Entschlackung führen und andererseits das Kauen und Essen wieder bewusster machen. Die Dauer der Kur beträgt drei bis vier Wochen.

(Roh-)Saftfasten

Neben Wasser sind hier täglich 750 ml frisch gepresste Obst- und Gemüsesäfte erlaubt. Diese Methode wird besonders Menschen empfohlen, die unter einem übersäuerten Magen, Mangelerscheinungen oder häufigen Infekterkrankungen leiden.

Neben diesen Fastenkuren gibt es eine Unmenge von anderen Methoden wie Molke-Fasten, Eiweißergänzendes Fasten, Tee-Fasten, Schrothkuren oder Basen-Fasten. Allen Kuren ist gemeinsam, dass sie ohne Ernährungsumstellung leider kein dauerhaftes Abnehmen bewirken. Dem JoJo sei Dank…

Autorin: Kerstin Brenig, Platinnetz-Redaktion