Die deutsche Lebensmittelindustrie produziert jährlich fast eine Million Tonnen Schokolade. Die Geschmackskreationen werden dabei immer ausgefallener: Statt klassischer Vollmilch-Nuss locken exotische Kreationen aus Chili, grünem Tee, Pfeffer oder Pilzen die Gaumen der Verbraucher. Um den Genuss von Schokolade ranken sich zahlreiche süße Mythen, deren Wahrheitsgehalt längst nicht immer zutreffend ist.

Schokolade als Seelentröster bei Liebeskummer

Sie glauben, dass der Griff zur Schokolade Ihnen bei Liebeskummer, Frust und Ärger hilft? Dann haben Sie zumindest nicht ganz Unrecht. Schokolade wirkt auf einige Botenstoffsysteme im Gehirn, wie Serotonin, Dopamin und Endorphine, die unter anderem auch für die Stimmungen eines Menschen verantwortlich sind. Doch auch wenn der Zucker in der Schokolade die Bildung des Serotonins in geringem Maße anregt, wird es Ihnen nicht gelingen, Ihre Stimmung langfristig damit aufzuhellen. Schokolade macht nur dann glücklich, wenn man sie ausschließlich aus purem Genuss verzehrt, denn dann lösen die Botenstoffe im Gehirn einen Belohnungseffekt aus. Um eine antidepressive Wirkung zu erzielen, ist Schokolade allerdings vollkommen ungeeignet. Denn offen ausgesprochen: So viel Schokolade könnten Sie gar nicht auf einmal vertilgen, um auf die Dosis eines Antidepressivums zu kommen.

Fördert Schokolade unsere Gesundheit?

In Maßen genossen, kann Schokolade sogar gesund sein. Denn Wissenschaftler haben herausgefunden, dass gerade die dunklen Sorten den Blutdruck senken, das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verringern und bei Diabetes helfen können. Verantwortlich dafür sind vermutlich die Flavanole in den Kakaobohnen, die in der Lage sind so genannte „freie Radikale“, aggressive, sauerstoffhaltige Verbindungen, zu zerstören, bevor sie unsere Zellmembran angreifen können.

Einen Freifahrtschein für ungetrübten Schokoladengenuss bekommen Sie dennoch von keinem Mediziner. Denn, wie allgemein bekannt, ist Schokolade eine wahre Kalorienbombe. Je nach Sorte und Füllung enthält eine Tafel zwischen 400 und 600 Kalorien, was etwa ein Viertel des täglichen Kalorienbedarfs einer erwachsenen Frau deckt. Und Übergewicht wiederum steigert das Risiko einer Herz-Kreislauferkrankung. Da beißt sich die Katze also wieder in den Schwanz!

Beeinflusst Schokolade unsere Libido?

Dem in Frankreich spielenden Film „Chocolat“ nach zu urteilen, wirkt Schokolade als Aphrodisiakum – doch das ist ein Trugschluss. Schokolade wirkt nicht sexuell stimulierend. Kakao enthält zwar das als Glückshormon bekannte Endorphin Phenyl-Ethylamin, aber auch hier gilt: Die Dosis ist viel zu gering, um eine sexuelle Stimulation auszulösen. Aus diesem Grunde hat die Sex-Forscherin Trudy Barber sich schon vor Jahren das ehrgeizige Ziel gesetzt, eine Schokolade mit einer deutlich höheren Konzentration von Phenyl-Ethylamin zu entwickeln, die beim Verzehr ein Orgasmus-ähnliches Gefühl erzeugen soll. Doch bis es so weit ist, wird es eher die süße Lust am Genuss sein, die Schokolade zur Verführung macht.

Autorin: Kerstin Brenig, Platinnetz-Redaktion