Viele halten den orientalischen Tanz für anstößig oder rücken den Bauchtanz in die Nähe eines Striptease. Doch Bauchtanz ist weder schmuddelig noch unanständig. Der orientalische Tanz ist ein uralter Tanz von Frauen für Frauen, der nicht nur der Seele, sondern auch dem Körper Gutes tut. In den letzten Jahren entdecken immer mehr Frauen diesen weiblichsten aller Tänze für sich, denn beim „Raks Sharki“ fühlen sich Frauen aller Altersklassen gut aufgehoben. Jetzt bieten einige Tanzstudios spezielle Kurse „Bauchtanz 50+“ an, bei denen oft Entspannung und ein sanftes Stretching durch weiche, fließende Bewegungen im Vordergrund stehen. Daneben kann der Bauchtanz noch viel mehr. Er ist Training für Körper, Geist und Seele.

Gesund und fit mit Bauchtanz

Beim Bauchtanz wird die Muskulatur des gesamten Körpers angesprochen: Die typischen, fließenden Bewegungen des orientalischen Tanzes kräftigen und dehnen vor allem die Bauch- und Rückenmuskulatur, wodurch Schmerzen im Lendenwirbelbereich gelindert und Verspannungen der Schulterpartie und des Nackens gelöst werden. Der so gestärkte Rücken sorgt für eine aufrechte Haltung, die einem Rundrücken vorbeugt. Kontrollierte Drehungen beim Tanzen bewegen sanft die Wirbelsäule, so dass sie im Lauf der Zeit immer beweglicher und flexibler wird. Dehnungsübungen am Anfang der Stunde machen den gesamten Körper geschmeidig.

Zentrale Elemente des orientalischen Tanzes sind Hüftkreise und -wellen. Diese Bewegungen stärken vor allem die Muskulatur des Beckenbodens, was Menstruationsbeschwerden lindert und Inkontinenz – zum Beispiel nach einer Geburt - vorbeugt. Im Gegensatz dazu lockern die typischen Zitterbewegungen, die so genannten Shimmys, sämtliche Muskeln im Unterleib.

Auch die Ausdauer wird durch den Bauchtanz erheblich verbessert. Das Tanzen stärkt das gesamte Herz-Kreislauf-System in gleichem Ausmaß wie zum Beispiel das Laufen. Im Gegensatz zum Joggen ist der orientalische Tanz aber knie- und gelenkfreundlich. Da Sprünge dabei sehr selten vorkommen, fallen Schlagbelastungen völlig weg. Außerdem macht das Tanzen in der Gruppe so viel Spaß, dass man die Anstrengung gar nicht bemerkt. Ganz nebenbei wird so das Herz-Kreislauf-System gestärkt, die Durchblutung gefördert und das Gewebe gestrafft.

Neben dem Körper profitiert auch der Geist vom Bauchtanz. Die differenzierten und isolierten Bewegungen von Füßen, Händen und Hüfte erfordern eine Menge Konzentration und Koordination.

Bauchtanz stärkt auch die Seele

Nicht nur der Körper, auch die Seele wird durch den Bauchtanz gestärkt. Hier lernen Frauen im Lauf der Zeit, den eigenen Körper zu akzeptieren, wie er ist. Sie dürfen ihre Weiblichkeit entdecken, sie im Tanz ausleben und sich schön finden auch wenn sie keine Idealfigur haben. Der orientalische Tanz sorgt durch die intensive Körpererfahrung für eine positive Einstellung zu sich selbst. Viele Frauen entwickeln durch den Tanz ein ganz neues Selbstbewusstsein, stärken ihre Persönlichkeit und räumen Selbstzweifel aus. Der Raks Sharki macht also nicht nur Spaß, sondern auch schön, gesund und selbstbewusst.

Auch auf typische Beschwerden in den Wechseljahren hat das Tanzen in der Gruppe einen positiven Einfluss. Viele Frauen fühlen sich in der Menopause einsam oder werden depressiv. Regelmäßige Bewegung in einer Gruppe Gleichgesinnter kann hier die Lebensqualität verbessern. Gerade in den Wechseljahren tut es gut, die eigene Weiblichkeit intensiv zu erleben.

Wer jetzt neugierig geworden ist und den Bauchtanz selbst einmal ausprobieren möchte, muss sich nicht sofort in Unkosten stürzen. Für den Anfang reicht bequeme Kleidung wie eine Jogging- oder Yoga-Hose und ein T-Shirt. In den meisten Studios kann man sich das nötige Hüfttuch leihen. Getanzt wird entweder barfuß oder mit Gymnastikschläppchen. Viele Tanzstudios bieten kostenlose Schnupperstunden an, in denen man das Tanzen erst einmal ausprobieren kann. Der Spaß daran kommt dann von ganz allein.

Autorin: Elke Liermann, Platinnetz-Redaktion